Gesichter und Geschichte(n)

Gustav Höfken aus Hattingen – vom Redakteur zum Ritter

Zeichnung der Nationalversammlung 1848 in Frankfurt.

Zeichnung der Nationalversammlung 1848 in Frankfurt.

Foto: Picture-alliance

Hattingen.  Gustav Höfken aus Hattingen ist Mitglied der Nationalversammlung 1849/49. Er erlangt in Österreich große Ehre und wird zum Ritter geschlagen.

In der Nationalversammlung, die in den Jahren 1848/49 das vorläufige Parlament des gerade entstehenden Deutschen Reiches ist, sitzt auch ein Hattinger: Journalist, Politiker und Nationalökonom Gustav Höfken – er ist Chefredakteur der „Deutschen Zeitung“ und setzt sich ein für „ein einheitliches Deutschland auf konstitutioneller Grundlage“. Sein Wahlkreis umfasst neben Hattingen auch Dortmund, Bochum, Herne, das Amt Hattingen-Land und das Amt Blankenstein. Er mahnt seine Leser: „Wachen Sie unerbittlich streng über meine Arbeit im Reichstag.“

Höfken begleitet die beiden Jahre der Nationalversammlung kritisch, immer wieder schreibt er darüber. Er stellt fest, dass nur wenige Kaufleute unter den Abgeordneten sind, dass die Arbeiterschaft fast gänzlich fehle, bemängelt die schlechte Akustik in der Paulskirche – der Redner müsse sich „körperlich über die Maßen anstrengen, um sich verständlich zu machen“.

Die Nationalversammlung scheitert, und Höfken wechselt das Metier. Er wird Sektionsrat im Finanzministerium Österreichs und ist maßgeblich an der deutsch-österreichischen Zollunion beteiligt – für seine Verdienste wird er von Kaiser Franz Josef zum Ritter ernannt. Doch dazu später.

Der Vater ist Großhändler und Exporteur

Johann Wilhelm Gustav Höfken erblickt am 14. Juni 1811 in Hattingen das Licht der Welt. Sein Vater ist Großhändler und Exporteur, die Höfkens sind eine der einflussreichsten Kaufmannsfamilien in der Stadt. Nach seinem Volksschulabschluss in Hattingen geht er zur Bürger- und Gewerbeschule in Hagen, tritt dem preußischen Pionier- und Ingenieurcorps bei und besucht die Ingenieur- und Artillerieschule in Berlin.

Im Jahr 1831 wird der Hattinger zur Festungshaft auf dem Ehrenbreitstein verurteilt – er nutzt die Haftbedingungen, um neben Englisch und Französisch auch noch Spanisch zu lernen. Später kommen grundlegende Kenntnisse in der niederländisch-flämischen Sprache und Literatur hinzu.

Im Alter von 26 Jahren kehrt Gustav Höfken ins Elternhaus zurück. Seine journalistische Karriere beginnt, er wird politischer Redakteur. Eine Korrespondentenstelle in Spanien schlägt er aus, er geht nach Berlin. Wieder kommt er in Haft, wegen „Mitarbeit an auswärtigen Zeitungen, Aufreizung und Verbreitung von Missvergnügen sowie des Verdachts geheimer landesgefährlicher Verbindungen“.

Er arbeitet für die „Rheinische Zeitung“ von Karl Marx

Er arbeitet in der Kölner Redaktion der „Rheinischen Zeitung“ von Karl Marx – und wird 1847 Chefredakteur der „Deutschen Zeitung“. Mit dem Wahlspruch „Freiheit und Ordnung, die deutsche Ordnung in Freiheit. Ein deutscher Bundesstaat, eine deutsche Volkskammer.“ zieht Gustav Höfken in die Nationalversammlung ein, gilt als Vertreter des „linken Zentrums“.

Zeitsprung. Österreich, ein neues Leben, die Arbeit an der handelspolitischen Einigung Österreichs mit Deutschland. Er ist das Sprachrohr des aus Elberfeld stammenden Finanzministers Karl von Bruck. Höfken beeindruckt durch seine Kenntnisse der politischen und wirtschaftlichen Verhältnisse West- und Mitteleuropas, er lehnt aber nach Brucks Ausscheiden eine Ernennung zum Finanzminister ab.

Kaiser Franz Joseph schlägt Gustav Höfken zum Ritter

Dennoch folgen Ruhm und Ehre: Kaiser Franz Joseph schlägt Gustav Höfken im Jahr 1867 wegen seiner großen Verdienste zum Ritter und erhebt ihn damit in den Adelsstand. Noch im selben Jahr wird der gebürtige Hattinger wegen eines Lungenleidens vorzeitig pensioniert.

Doch er schreibt auch im Ruhestand. Und schreibt. Und schreibt. „Neben wissenschaftlichen auch schöngeistige Schriften“ – will sagen: Es waren einige (erfolglose) Lustspiele darunter. 22 Jahre lang lebt Franz Höfken zurückgezogen. Er stirbt am 14. Juli 1889 in Wien.

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