Theater

Geschlechterwechsel auf engem Raum in Shakespeares Sturm

Prospero wird gespielt von Johanna Fries (l.) zu Prospera in der Aufführung des Theaterstückes „Der Sturm“ durch den Literaturkurs des Gymnasiums Holthausen.

Prospero wird gespielt von Johanna Fries (l.) zu Prospera in der Aufführung des Theaterstückes „Der Sturm“ durch den Literaturkurs des Gymnasiums Holthausen.

Foto: Jürgen Theobald / FUNKE Foto Services

Hattingen.   Schüler des Gymnasiums Holthausen in Hattingen bringen Shakespeares Stück „Der Sturm“ auf die Bühne. Dabei kommt auch die Gender-Frage ins Spiel.

Die Literaturkurse am Gymnasium Holthausen laden zu ihrer Bühnenpräsentation von William Shakespeares Stück „Der Sturm“ ein. Der Literaturkurs Theaterspiel probt seit kurz vor Weihnachten, mit Unterstützung des Kurses Kostüm-/Bühnenbild. Jetzt feierte die Aufführung im Konferenzraum des Schulzentrums Holthausen Premiere.

Prospero, ein von seinem Bruder Antonio entmachteter Herzog, beschwört mithilfe seines magischen Dieners Ariel einen Sturm herauf, um seine Feinde auf eine einsame Insel zu locken und sich an ihnen zu rächen – und um seine Tochter Miranda mit Ferdinand, dem Prinzen von Neapel, zusammenzubringen.

Gender-Frage trifft in Hattingen auf Shakespeare

Die Literaturkurse interpretieren das Stück neu, was die Besetzung betrifft: ,,Wir haben fast nur Mädchen in der Theaterspiel-Gruppe. Die besteht insgesamt aus elf Schülern, die auch alle auf der Bühne stehen. Das haben wir pragmatisch gelöst, indem wir die Gender-Frage modern aufgefasst und männliche Rollen mit Mädchen besetzt haben‘‘, sagt Elisabeth Schermuly, Leiterin der Abteilung Theaterspiel. ,,Aus Prospero wurde kurzerhand Prospera‘‘.

Als die mächtige Magierin und rechtmäßige Herzogin von Mailand (Johanna Fries) zu Beginn des Stückes die Bühne betritt, wird sie von tosendem Applaus begleitet. Die etwa 70 Zuschauer bestehen aus Mitschülern, Lehrern, Freunden und Verwandten. Das Bühnenbild ist minimalistisch mit einem grauen Vorhang gehalten, dafür sind die Kostüme umso ausgefallener und die darstellerische Leistung der Schauspieler, die sich eine Menge Text merken müssen, beeindruckt.

Caliban mit Schminke und Musik von Queen

Alonso, König von Neapel (Scharbel Hawil) erntet Gelächter, als er mit blonder Langhaar-Perücke und riesigem Schwert auftritt. Antonio, unrechtmäßiger Herzog von Mailand (Tom Deska) fährt sich durch das nach hinten gegelte Haar. Luftgeist Ariel (Scheruja Kühne) wirbelt über die Bühne. Ungeheuer Caliban (Clara Rothkamp) ist schwarz-weiß geschminkt und trägt ein braunes Gewand. Die Musikanlage wird von Mitschülern gesteuert: Prosperas Tochter Miranda (Anna Esser) tanzt mit einem Ghettoblaster zu Musik von Queen, nachdem sie sich in Ferdinand (Julia Brand) verliebt hat.

Geeigneter Veranstaltungsort musste gefunden werden

Die Literaturkurse holen das Beste aus dem begrenzten Raum heraus: ,,Unsere Suche nach einem geeigneten Ort für die Aufführung stellt eine Parallele zum Stück dar‘‘, erklärt Elisabeth Schermuly. ,,Auch dort irren die Protagonisten auf einer verzauberten Insel umher‘‘. Die Aula ist wegen Renovierungsarbeiten gesperrt: Auch das Sommerkonzert musste verlegt werden.

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