Wirtschaft

Fachkräftemängel schlägt beim 100. Firmengeburtstag zu

Holger Kost ist geschäftsführender Gesellschafter der Spedition Kerkemeier in Hattingen.

Holger Kost ist geschäftsführender Gesellschafter der Spedition Kerkemeier in Hattingen.

Foto: Volker Speckenwirth / FUNKE Foto Services

Hattingen.  Die Auftragsbücher der Spedition Kerkemeier in Hattingen, die es seit 100 Jahren gibt, sind voll. Dennoch droht die Verkleinerung des Fuhrparks.

An Aufträgen mangelt es der Spedition Friedrich Kerkemeier GmbH & Co. KG nach 100 Jahren Firmengeschichte nicht. Aber an Fachkräften. Weshalb Geschäftsführer Holger Kost sagt: „Uns fehlen Mitarbeiter, darum werden wir vom Fuhrpark her kleiner werden müssen.“

Momentan käme die Wirtschaft zwar ins Stocken, was die Lage im Unternehmen etwas entspanne. „Aber das ist nur eine Verschiebung des Problems“, sagt der 47-Jährige, der das Unternehmen 2014 von seinem Onkel übernahm und seitdem führt.

Spedition Friedrich Kerkemeier besteht seit 100 Jahren und feiert im Henrichs

Er lädt die gesamte Belegschaft – 120 Mitarbeiter – am Samstag ein zu einer Jubiläumsfeier ins Henrichs im Industriemuseum. Der Ort ist bewusst gewählt: „Die Firmengründung hängt mit der Henrichshütte zusammen.“

Der Bauer Friedrich Kerkemeier gründete das Unternehmen 1919. Die Henrichshütte brauchte damals für ihre Erweiterung Ländereien. Die hatte Kerkemeier – und führte dafür die Fuhr- und Anspanndienste auf der Henrichshütte durch.

Der ehemalige Auszubildende Fritz Kost hat die Spedition Kerkemeier 1972 übernommen

In den 1950er Jahren übernahm dann Willi Olf, Schwiegersohn von Friedrich Kerkemeier, die Firma. Der wiederum übertrug sie 1972 an Fritz Kost. Der ehemalige Auszubildende von Kerkemeier strukturierte die Firma zu einem Transport- und Logistikdienstleister um.

Fritz Kost spezialisierte das Unternehmen auf die Stahllogistik. „Mit seinem Know-How und seinem Innovationswillen wurde in den 1980er Jahren der Schräglader entwickelt“, berichtet Kost. Die sind heute noch für Kerkemeier wichtig. Kost erklärt, warum: „Es gibt nicht so viele Firmen mit Schrägladern. Wir arbeiten viel für namhafte Stahlhersteller, für den Sektor Maschinenbau und Windkraft. Drei Meter breite Bleche dürfte man auf einem Lkw sonst nicht transportieren, wir kippen sie, haben dann eine Breite von 2,50 Metern.“ Denn wäre das Blech breiter, bräuchte die Spedition für den Transport Sondergenehmigungen. Aber auch solche Sondertransporte führt Kerkemeier national und international durch.

Kerkemeier nimmt Sonderedition in den Fuhrpark der Spedition auf

Über 50 Fahrzeuge unterhält das Unternehmen dafür, darunter 16 Schräglader. Zum 100. Geburtstag hat das Firmenunternehmen eine Sonderedition in den Fuhrpark aufgenommen. Auf den Fahrzeugen findet sich der Hinweis aufs Jubiläum. „Wir mussten Fahrzeuge ersetzen, da haben wir das gemacht.“

Sollte Holger Kost seinen Fuhrpark verkleinern müssen, ärgert ihn besonders, dass er seinen Kunden nicht die Leistung bringen kann, die sie erwarten. Denn in der Nische ist das Unternehmen erfolgreich.

Nische sichert langfristig die Zukunft der Spedition in Hattingen

„Sie sichert auch langfristig unsere Zukunft. Stahl wird immer gebraucht werden“, erklärt Kost, dessen Eltern schon selbstständig waren und der erst in der Entsorgungsbranche tätig war. „Da hatte ich auch mit Fahrzeugen zu tun. Verantwortung zu übernehmen und zu organisieren hat mir immer Spaß gemacht“, so Kost.

Ob das Unternehmen auch nach ihm in Familienhand bleibt, weiß Kost noch nicht. „Ich habe einen Junior, der aber gerade etwas Anderes macht. Aber aushilfsweise ist er schon bei uns“, berichtet er.

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