Schwimmbäder

Die Stadt Hattingen steht ohne öffentliches Schwimmbad da

Begeisterte Schwimmer: Achim Paas, SPD-Fraktionschef und Vorsitzender des Sportausschusses, mit der ehemaligen Bürgermeisterin Dr. Dagmar Goch im Jahr 2009 im Freibad Welper.

Begeisterte Schwimmer: Achim Paas, SPD-Fraktionschef und Vorsitzender des Sportausschusses, mit der ehemaligen Bürgermeisterin Dr. Dagmar Goch im Jahr 2009 im Freibad Welper.

Foto: Arne

Hattingen.  Seit Wochen gibt es in Hattingen keinen öffentlichen Badebetrieb. Ursachen sind Reparaturarbeiten, aber auch 15 Jahre alte politische Beschlüsse.

Ein paar Bahnen ziehen im Bad – in Hattingen ist das seit Wochen nur für Schulklassen und Vereinssportler möglich. Und auch das nur sehr eingeschränkt. Öffentlicher Badebetrieb findet überhaupt nicht mehr statt, seit das Freibad in Welper am 29. September die Saison 2019 beendet hat. Denn: Das Hallenbad in Holthausen wird seit Mitte Juni saniert. Damit ist Hattingens einziges öffentliches Hallenbad dicht.

Für rund 380.000 Euro werden im Hallenbad in Holthausen Lüftungsanlagen, Duschen und Umkleidekabinen, Konvektoren, Zuluftschächte und die Beheizung der Wärmebänke saniert sowie defekte Fliesen ausgetauscht. Die Arbeiten haben sich Woche um Woche verzögert. Zunächst waren keine Handwerksbetriebe zu bekommen, jetzt dauert die Durchführung einfach länger.

Zusätzliche Probleme an der Chloranlage und einer Pumpe

Weitere schlechte Nachrichten inklusive. „Wir hoffen sehr, dass wir den Wiedereröffnungstermin Anfang November halten können“, sagt Stadtsprecherin Susanne Wegemann auf Anfrage der WAZ. Allerdings gebe es nunmehr auch Probleme an der Chloranlage und einer Pumpe, die zusätzlich behoben werden müssten.

Wie die Schulen und Vereine leiden auch die Bürgerinnen und Bürger unter dem Mangel und machen ihrem Ärger Luft. „Die Situation ist unhaltbar“, sagt auch Achim Paas, SPD-Fraktionschef und Vorsitzender des Sportausschusses.

Die Anlage im Rauendahl ist zurzeit wieder einmal geschlossen

Dabei sind die Hattinger Engpässe durchaus gewohnt. Denn das Angebot an Schwimmstätten ist traditionell bescheiden. Öffentlich zugänglich sind eben nur das Freibad Welper und das Hallenbad Holthausen.

Schulen und Sportvereine nutzen Schwimmzeiten in ehemaligen Lehrschwimmbecken in Welper und mitunter im Rauendahl – wenn es geht. Die Anlage im Rauendahl ist zurzeit wieder einmal geschlossen. Duschen und Duschräume werden saniert. Es folgen Reinigungsarbeiten und Aufbereitung des Schwimmbadwassers. „Anfang 2020 wollen wir wieder eröffnen“, so Wegemann.

Um das Schwimmbad in Niederwenigern wird gestritten

Bis dahin wird auch das Bad an der Erik-Nölting-Schule vorübergehend dicht sein. Wegen einer defekten Saugleitung läuft der Betrieb aktuell als Provisorium. Mitte November soll repariert werden. Dauer: mindestens drei Wochen.

Um das Schwimmbad in Niederwenigern wird gestritten. Die Ratsfraktionen haben die Verwaltung gestoppt, die sich aus der Nutzung zurückziehen wollte. Ende: offen.

Offen war die Stadt Hattingen in den Jahren 2002 bis 2005 mit ihrer Entscheidung, was nach der Schließung des Hallenbades an der Talstraße passiert. Möglichkeiten gab es einige, vor allem aber Handlungsbedarf.

Vier Standorte für ein Allwetterbad

„Um überhaupt ausreichende Zeiten für öffentliches Schwimmen zur Verfügung stellen zu können, ist die Errichtung eines weiteren öffentlichen Bades in der Stadtmitte erforderlich“, heißt es in einer Verwaltungsvorlage vom Herbst 2005.

Vorgeschlagen wurden der Umbau des Freibades in Welper zum Allwetterbad oder der Bau eines neuen Allwetterbades in Bredenscheid, an der Talstraße oder im Henrichspark, wo die damalige Bürgermeisterin und begeisterte Schwimmerin Dagmar Goch die Anlage gerne gesehen hätte. Eine politische Mehrheit für einen der Standorte gab es nicht.

Und auch die Idee, in einem privaten Ärzte- und Gesundheitszentrum im aufgegebenen Bad Talstraße öffentliches Schwimmen zu ermöglichen, wurde nicht umgesetzt. Investor Vinh Vo Huu ließ die Stadt sitzen.

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