Prozess

Anklage: Zigaretten per Post geschmuggelt

Legte ein Teilgeständnis ab: Danil U. (r.), hier beim Prozessauftakt am Landgericht Essen neben seinem Verteidiger Manfred Gregorius.

Legte ein Teilgeständnis ab: Danil U. (r.), hier beim Prozessauftakt am Landgericht Essen neben seinem Verteidiger Manfred Gregorius.

Foto: Stefan Arend

Essen/Hattingen.   Per Post soll ein Hattinger unversteuerte Zigaretten nach England geschickt haben. Dort fiel er dem Zoll auf. Jetzt steht er vor Gericht.

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Zigarettenschmuggel mal ganz anders: Per Post soll ein 29 Jahre alter Hattinger innerhalb von zwei Jahren rund 112.000 Stangen unversteuerter Ware nach England geliefert und so den deutschen Fiskus um rund 3,5 Millionen Euro betrogen haben. Seit Donnerstag muss sich der Hattinger aus der Innenstadt vor dem Landgericht Essen verantworten.

Eigentlich eine gute Idee aus Sicht eines Schmugglers. Mit dem ungewöhnlichen Transportweg spart man nicht nur Kosten für Kuriere, man verringert auch das Risiko der Entdeckung. Denn jeder Kurierfahrer, wenn er mal gefasst wird, könnte für eigenen Strafrabatt seinen Auftraggeber enttarnen.

Pakete mit 87 Stangen Zigaretten gefüllt

Zum Verhängnis wurde dem Jungunternehmer aber die gute Zusammenarbeit der europäischen Polizeibehörden. Laut Anklage hatte der 29-Jährige regelmäßig Lieferungen von L & M-Zigaretten mit ukrainischen Steuerbanderolen erhalten. Er lagerte die Ware in einer angemieteten Garage in Bochum. Regelmäßig soll er mit seinem Auto vorgefahren und in der Garage Pakete gefüllt haben, mal 60 Stangen, mal 87 in einem davon.

Die brachte er dann zu Annahmestellen eines privaten Paketdienstes, schickte sie nach England. Absender und Empfänger trugen dabei falsche Namen.

Britischer Zoll informierte deutsche Behörden

Sein Pech: Dem britischen Zoll waren die Schmuggelaktionen aufgefallen. Die Fahnder informierten ihre Kollegen in Deutschland, das Ermittlungsverfahren kam in Gang. Der deutsche Zoll ermittelte schnell, wer die Pakete jeweils aufgegeben hatte, baute im PKW des Angeklagten einen GPS-Sender ein und beobachtete ihn.

So kamen die Beamten auf die Bochumer Garage. Sie sahen, dass regelmäßig Kombis mit getönten Scheiben in die Garage fuhren und einige Zeit hinter verschlossener Tür blieben. Wenn sie wieder wegfuhren, so erinnert sich ein Zollfahnder, sei kurz darauf der Angeklagte angekommen und mit mehreren Paketen verschwunden. Danach habe er mehrfach verschiedene Annahmestellen des Paketdienstes angesteuert.

Zusammenarbeit mit England und Frankreich

Observiert wurde er auch auf Fahrten nach England. In Zusammenarbeit mit englischen und französischen Polizeidienststellen kontrollierten die Beamten ihn auf der Rückfahrt. Sie entdeckten eine höhere Bargeldsumme. Kurz danach nahmen sie ihn in Deutschland fest, durchsuchten die Räume, die er meist nutzte.

Dass er am Schmuggel beteiligt war, gibt der Angeklagte zu. Er habe selbst anfangs aber nur im Auftrag eines anderen gehandelt. Drei weitere Prozesstage hat die Kammer angesetzt.

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