Wohnen

Wohnungen in Hagener Hochhaus gesperrt – "Das ist lebensgefährlich"

Koffer und Kartons sind gepackt: Schülerin Greta Klopp (17) mit Katze „Luu“ und ihr Nachbar Jan Schwab (25, Mitte) wollen aus dem Problem-Hochhaus „nur noch weg“. Bewohner Kevin Garthmann (28) hilft beim Kistentragen. Foto:Alex Talash

Koffer und Kartons sind gepackt: Schülerin Greta Klopp (17) mit Katze „Luu“ und ihr Nachbar Jan Schwab (25, Mitte) wollen aus dem Problem-Hochhaus „nur noch weg“. Bewohner Kevin Garthmann (28) hilft beim Kistentragen. Foto:Alex Talash

Vorhalle.   Ein Wasserrohrbruch hat in einem Hochhaus in Hagen-Vorhalle beinahe zur Komplett-Räumung geführt hätte. Die Bewohner sind entsetzt.

Die Stimmung von Schülerin Greta Klopp (17) und ihrem Nachbarn Jan Schwab (25) ist gedrückt, Kartons und Koffer wurden bereits im Hau-Ruck-Verfahren gepackt: Die beiden sind Bewohner eines Hochhauses in Brockhausen, das in der Nacht zum Donnerstag kurz davor stand, amtlich geräumt zu werden.

Über einer grünen Anhöhe in der Freiherr-vom-Stein-Straße thront Haus-Nummer 50, ein blassgrün und schlammgrau gemusterter Sechs-Etagen-Bau – mit 26 Mietparteien und 51 gemeldeten Bewohnern. Der Wohnkomplex im zweckmäßigen Silostil der frühen 70-er Jahre gehört einem großen Immobilienkonzern.

Wohnungen gesperrt: „Die Zustände hier im Haus sind mittlerweile unerträglich“

„Die Zustände hier im Haus sind mittlerweile unerträglich“, beklagt Mieter Jan Schwab aus der zweiten Etage. Seit Tagen, spätestens seit Sonntag, läuft Wasser aus einem Rohrbruch an den Wänden herunter. Schlimmer noch: Auch die 13 Stromzählerkästen im sogenannten „Hausanschluss-Raum“ sind inzwischen stark durchnässt. „Elektrizität und Wasser“, sorgt sich Mieter Jan Schwab, „das ist doch geradezu lebensgefährlich.“

Das schätzt die Stadt genauso ein. Sechs Wohnungen, die in der Flucht über dem Technikraum liegen, sind Donnerstag für unbewohnbar erklärt worden, weil Wasser und Strom abgestellt werden mussten. Betroffen waren letztlich vier Mietparteien, da zwei Wohnungen leer stehen. Die Stadt selbst musste aber die Betroffenen nicht unterbringen. Sie alle wollten bei Bekannten Unterschlupf finden. Eine Familie kam im Hotel unter. Dem Wohnungskonzern setzte die Stadt eine Frist von zwei Wochen, um den Schaden zu beheben.

Bewohner rufen nach Wasserrohrbruch die Feuerwehr

Aber wie konnte es soweit kommen, dass zeitweise sogar die Räumung des gesamten Gebäudes im Raum stand? Schließlich ist der Wasserschaden schon seit Tagen ein Thema. Nach Recherchen dieser Zeitung hatten Bewohner am Montag die Feuerwehr gerufen, nachdem sie bei dem Wohnungskonzern niemanden erreichen konnten.

Stadtsprecher Michael Kaub bestätigt, dass die Feuerwehr am Montag um 19 Uhr angerückt sei. Den Rohrbruch habe man nicht lokalisieren können, die Folgen seien auch noch nicht so massiv gewesen. Man habe aber der Bauordnung der Stadt Bescheid gegeben. Die alarmierte nun den Energieversorger Enervie. Dessen Mitarbeiter, so Unternehmenssprecher Andreas Köster, hätten vor Ort auch die Stromversorgung für die Gemeinschaftsanlagen unterbrochen. „Es lief Wasser in eine Abzweigdose. Die Hausanschlüsse waren aber zu der Zeit nicht betroffen“, so Köster. Mieterin Greta Klopp bestätigt: „Seitdem müssen wir nachts mit Taschenlampe durchs Treppenhaus schleichen.“

Die Enervie-Mitarbeiter, so Unternehmenssprecher Andreas Köster, hätten dann aber den Wohnungskonzern über den Schaden informiert. Und tatsächlich: Zwei Arbeiter sind wohl am Mittwoch gekommen. „Sie haben in einer Wohnung den Boden aufgestemmt und ein Rohr freigelegt“, berichten die Anwohner, „dann wurde es erst richtig schlimm. Seitdem rauscht hier das Wasser in Strömen durch.“

Heizungen funktionieren nicht mehr

Bewohner schlugen erneut Alarm – und so erschien am späten Mittwochabend ein großes Aufgebot von Feuerwehr, Polizei, Energieversorger und Ordnungsamt. Das Wasser sei aus einer leer stehenden Wohnung in den Technikraum im Erdgeschoss geflossen, so Stadtsprecher Michael Kaub: „Und damit auch in die elektrischen Anlagen. Dadurch ist eine gefährliche Situation entstanden.“

Der Wohnungskonzern hat die Donnerstagnachmittag gestellten Fragen bislang noch nicht beantworten können. Man recherchiere derzeit aber und stelle die Informationen zusammen, so der Rechtsbeistand des Unternehmens. Für Freitag wurde eine Erklärung in Aussicht gestellt.

Mehrere Bewohner sitzen indes auf gepackten Kartons: „Die Heizungen funktionieren nicht mehr“, so Jan Schwab. „Meine schwangere Frau und unserer beiden Kinder, vier und zwei Jahre alt, müssen frieren.“ Nachbarin Greta Klopp nickt: „Ich will jetzt nur noch weg.“

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