Wildschweinplage

Wildschwein greift Mann vor Garage in Hagen an

Rosalie und André Matthies aus der Zur-Nieden-Straße haben zur Selbsthilfe gegen die Wildschweinplage gegriffen.

Rosalie und André Matthies aus der Zur-Nieden-Straße haben zur Selbsthilfe gegen die Wildschweinplage gegriffen.

Foto: Hubertus Heuel / WP Hagen/Heuel

Hagen.  Für André Matthies war es eine unheimliche Begegnung, als ein Wildschwein auf ihn zulief. Die Tiere dringen in die Innenstadt von Hagen vor.

Für den Bruchteil einer Sekunde war André Matthies starr vor Schreck, dann riss er das Garagentor, das er gerade erst von innen geöffnet hatte, mit Gewalt wieder zu, wobei er sich noch die Fingernägel an der rechten Hand abbrach. „Das Wildschwein kam mit Karacho direkt auf mich zu“, berichtet der Hagener: „Es war vielleicht noch vier Meter entfernt.“

Die Wildschweinplage am Fuße des Goldbergs scheint eine neue Eskalationsstufe erreicht zu haben. Mittlerweile passieren die Tiere in schöner Regelmäßigkeit die ersten Vorgärten am Stadtrand und dringen weiter Richtung Innenstadt vor. So berichten es die Anwohner der Zur-Nieden-Straße: „Ich habe Angst um meine Kinder“, sagt Nabhade Hajdani (38): „Was ist, wenn sie auf dem Schulweg angegriffen werden?“

„Unsere Sicherheit steht auf dem Spiel“

Tatsächlich liegen die Goldbergschule und ein Spielplatz kaum einen Steinwurf entfernt von jenem Garagentor, an dem André Matthies seine unheimliche Begegnung mit dem Schwein hatte. Der Schock sitze ihm jetzt, eine Woche nach dem Vorfall, noch in den Gliedern, sagt er: „Uns geht es inzwischen nicht mehr um unsere Gärten, um unser Gemüse und die Blumen. Jetzt steht unsere Sicherheit, unsere Gesundheit auf dem Spiel.“

Seit vielen Jahren leben wahrscheinlich mehrere Rotten zwischen den Häusern, unbebauten Grundstücken und Kleingartenanlagen am Goldberg. Auf der Suche nach Nahrung pflügen die Tiere Zier- und Gemüsegärten um, untergraben Zäune und zerstören Gehwege und Pfade. Mehrere Anwohner haben unserer Zeitung in der Vergangenheit bestätigt, dass sie sich im Dunkeln – aus Angst, einem Wildschwein zu begegnen – nicht mehr nach draußen trauen.

Rosalie Matthies (85), die Mutter von André Matthies, gehört dazu: „Ich stelle auch die Mülleimer nicht mehr vor die Tür. Das ist mir zu gefährlich.“ Die Gärten hinter den Häusern der Zur-Nieden-Straße würden von den Besitzern schon lange nicht mehr gepflegt: „Das wäre vergebliche Liebesmüh, weil die Schweine alles wieder zerstören.“

Stadt baut Sperre wieder ab

Um den wilden Tieren den Aufenthalt rund um ihr Haus zu vergällen, hat die resolute Dame mit Hilfe eines Nachbarn einen öffentlichen Fußweg mit einem Metallgitter absperren lassen und Warnschilder aufgehängt. Doch als sie das Ordnungsamt über ihre Aktion informierte und endlich ein städtisches Vorgehen gegen die immer weiter vordringenden Rotten forderte, reagierte die Behörde lediglich mit der Entfernung der Barriere. „Eine städtische Fläche darf natürlich nicht einfach abgesperrt werden“, so Stadtsprecher Michael Kaub.

Auch Förster Martin Holl vom Wirtschaftsbetrieb Hagen macht den Anwohnern wenig Hoffnung auf eine Verbesserung der Lage: „In Wohngebieten ist die Jagd gesetzlich verboten. Das wäre auch viel zu gefährlich. Querschläger zum Beispiel könnten jemanden treffen.“ Die Wildschweine wüssten instinktiv, dass der Goldberg ein befriedeter Bezirk sei, deshalb fühlten sie sich dort so wohl. Auch den Einsatz von Gift oder Fallen weist Holl empört zurück: „Das wäre ja Wahnsinn.“ Immerhin seien im Winter zwei Drückjagden in der weiteren Umgebung geplant: „Und ich will die Sorgen der Betroffenen nicht kleinreden, aber die Wahrscheinlichkeit, von einem Wildschwein angegriffen zu werden, ist gering.“

Das sehen die Anwohner des Goldbergs, die die Tiere Nacht für Nacht rumoren und grunzen hören, nicht so. „Für uns ist die Gefahr sehr real“, sagt André Matthies. Er hat jetzt immer ein mulmiges Gefühl, wenn er die Garage öffnet.

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