Sachverständigentag

Von diesem Mann können Hagener Gegenstände schätzen lassen

Der erfahrene Sachverständige Dr. Frank Petersmann nimmt am Freitag alle Gegenstände unter die Lupe, die ihm Hagener Bürger beim Sachverständigentag vorzeigen. Und er schätzt sie auch.

Der erfahrene Sachverständige Dr. Frank Petersmann nimmt am Freitag alle Gegenstände unter die Lupe, die ihm Hagener Bürger beim Sachverständigentag vorzeigen. Und er schätzt sie auch.

Foto: Michael Kleinrensing

Hagen.  Ein Hauch von „Bares für Rares“. Schätz-Experte Dr. Frank Petersmann nimmt beim Sachverständigentag viele Gegenstände unter die Lupe.

Die Münzsammlung, die schon seit Jahren im Schrank schlummert. Die vermeintlich wertvolle Vase, die die Tante einst geschenkt hatte. Oder auch sonstige Haushaltsgegenstände: Das alles können alle Hagener Bürgerinnen und Bürger am kommenden Freitag von 12 bis 17 Uhr (Einlass ab 11 Uhr) Dr. Frank Petersmann zeigen. Der ausgewiesene Experte und staatlich geprüfte und vereidigte Sachverständige kann beim ersten Hagener Sachverständigentag der SIHK eine kostenlose Einschätzung geben, was all diese Gegenstände wert sind. Im Vorfeld des Tages spricht er über Fernsehsendungen wie „Bares für Rares“ und die Chance, tatsächlich versteckte Reichtümer im Haus zu haben.

Sie sind schon seit Jahrzehnten in dem Metier tätig: Ist das Interesse der Menschen an „Trödel“ und „alten Schätzchen“ tatsächlich so stark gestiegen? Oder entsteht der Eindruck nur durch die vielen Fernsehsendungen?

Dr. Frank Petersmann: Ich denke, die meisten Menschen, die in diesen Sendungen auftreten, haben kein wirkliches Interesse an den Gegenständen an sich, sondern sie wollen sie zu Geld machen. Das zeigt bisweilen auch eine Abkehr von Familientraditionen. Gegenstände, die über Generationen vererbt worden sind, sollen für ein kurzfristiges Vergnügen verkauft werden.

Aber sie wollen nicht denen, die am kommenden Freitag beim Sachverständigen Tag in der SIHK ihre „Schätzchen“ von Ihnen schätzen lassen wollen, den Spaß verderben…

Nein, es ist ja völlig in Ordnung, wenn man wissen will, ob das Stück, das vielleicht schon lange im Familienbesitz ist, tatsächlich viel wert ist. Aber meine Erfahrung sagt ohnehin: Die Menschen ahnen meist, ob sie tatsächlich etwas Wertvolles im Hause haben.

Was halten Sie eigentlich von Fernsehsendungen wie „Bares für Rares“?

Ich schaue mir sie durchaus mit Interesse an. Einige dieser Sendungen haben ja schon eine lange Tradition. Den Anfang hat schon in den 70er-Jahren der Hessische Rundfunk gemacht. Das waren damals aber noch nicht solche großen Erfolge. „Kunst und Krempel“ beim Bayerischen Rundfunk war meines Wissens die erste wirklich erfolgreiche Sendung, der Norddeutsche Rundfunk mit „Lieb und Teuer“ gehört auch dazu. Das sind aber eher Beratungssendungen. Die Formate wie „Bares für Rares“, die heute so erfolgreich sind, haben ihren Ursprung eigentlich in England, und das Hauptziel ist, aus den Gegenständen Geld zu machen. Für Zuschauer haben sie in erster Linie einen Unterhaltungscharakter. Das sieht man daran, dass sie von einem Prominenten wie Horst Lichter moderiert werden, und nicht von meinem eigentlichen Experten.

Einer der wenigen ausgewiesenen Experten auf diesem Gebiet in Deutschland sind Sie. Die Menschen werden Ihnen beim Sachverständigentag in Hagen sicherlich höchst unterschiedliche Gegenstände mitbringen, die sie begutachten sollen: Können Sie tatsächlich zu allem etwas sagen? Oder müssen Sie auch schon mal kapitulieren?

Ich habe während meines Geschichtsstudiums ja auch die so genannten historischen Hilfswissenschaften studiert, wie etwa die Wappenkunde, die Ordenskunde oder die Numismatik, also die Münzlehre. Das Wissen hilft mir heute noch sehr. Aber natürlich kann ich bei dem Termin in Hagen nicht den exakten Wert in Euro und Cent eines Gegenstands bestimmen. Ich habe durch die Erfahrung der letzten Jahrzehnte sicherlich vieles im Kopf. Aber für eine genaue Einordnung habe ich in meinem Büro unter anderem auch rund 2500 Fachbücher. Die kann ich natürlich nicht mitbringen. Aber ich kann eine grobe Einschätzung geben und damit eine Empfehlung, ob eine weitere Begutachtung lohnt.

Wie groß ist denn die Chance, dass ich ein unentdecktes Schätzchen in meinem Bestand habe? Oder so gefragt: Hat das große Interesse an den TV-Sendungen auch die Preise am Markt in die Höhe getrieben?

Nein, ganz im Gegenteil. Man muss ganz klar sagen: Der so genannte Mittelwaren-Markt läuft überhaupt nicht mehr. Für Meißener Porzellan oder etwa eine Barockkommode sind die Preise extrem gesunken. In der Kunst laufen Expressionisten weiter hervorragend, aber Kunst aus dem 19. Jahrhundert liegt am Boden. Teppiche, die nicht antik sind, bringen fast gar nichts mehr in der Verwertung. Hier sollte man sich immer fragen, ob der ideelle Wert nicht viel höher ist, es hängt ja oft Familiengeschichte daran.

Was war das kurioseste Stück, das Sie in Ihrer Karriere begutachten mussten?

Das war eine so genannte Flussmuschelmarketterie von dem Künstler Dirk van Rijswijk aus dem 17. Jahrhundert. Der Erbe einer historischen Sammlung war an mich herangetreten. Er war sich schon bewusst, dass dies wertvoll sein könnte. Aber nicht, welche Rarität er dort hatte. Ein ähnliches Stück gehörte zum Bestand zu dem berühmten grünen Gewölbe in Dresden, es ist damit wohl nach dem Zweiten Weltkrieg in irgendeinem russischen Depot gelandet. Das Stück, das ich begutachten durfte, ist eine echte Rarität und sicherlich 300.000 bis 400.000 Euro wert.

Mögen Sie eigentlich selbst „alte Schätzchen“ und die schönen Erbstücke zu Hause. Oder ist ihre Leidenschaft für Trödel und Antiquitäten nur beruflich bedingt?

Nein, die Leidenschaft ist familiär bedingt. Mein Großvater war schon ein engagierter Sammler. Ich habe einiges erben dürfen. Und tatsächlich waren es diese Stücke, die meine Lust an der Sachverständigentätigkeit geweckt haben. Ich wollte wissen, was meine eigenen Erbstücke wert sind.

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