Vegan

Veganer Honig: Hagener Paar mit erfolgreicher Geschäftsidee

Daniela Nowak (47) und Stefan Weidtmann führen den Betreib „Vegablum“ mit großer Leidenschaft.

Daniela Nowak (47) und Stefan Weidtmann führen den Betreib „Vegablum“ mit großer Leidenschaft.

Foto: Michael Kleinrensing / WP

Hagen-Haspe.  Daniela Nowak aus Hagen hat mal bei einer Fast-Food-Kette gearbeitet. Jetzt produzieren sie und Stefan Weidtmann veganen Honig.

Daniela Nowak (47) und Stefan Weidtmann (48) hatten genug. Was der Mensch und die Industrie den Bienen antue, das wollten die bekennenden Veganer nicht länger erdulden. Als die Redaktion die beiden Selbstständigen in ihrem Betrieb in Haspe trifft, legen Nowak und Weidtmann uns öfter im Gespräch nahe, uns den Film „More than Honey“ (zu deutsch: Mehr als Honig) anzuschauen. Eine Doku über das weltweite Bienensterben. Gemacht durch den Menschen. Massentierhaltung, Pestizide, übermäßige Honig-Entnahmen, lange Transporte ganzer Völker.

46.000 Gläser veganer Honig in einem Jahr produziert

Nowaks und Weidtmanns Antwort darauf ist das Unternehmen „Vegablum“. 46.000 Gläser veganer Honig wurden im vergangenen Jahr produziert und in die ganze Welt ausgeliefert. In Zeiten, in denen Schüler freitags streiken und die Grünen bei der Europawahl 20 Prozent erringen, steht alles auf dem Prüfstand. Die Sensibilität für Umwelt-, Tier- und Klimathemen ist riesig. Das „Start-up“ von Daniela Nowak und Stefan Weidtmann trifft diesen Zeitgeist.

„Wir spüren das“, sagt Nowak. „Unsere Produkte sind garantiert tierleidfrei, ebenso palmölfrei. Bei der Auswahl unserer Sorten versuchen wir, möglichst regional einzukaufen und wenn das nicht möglich ist, nehmen wir biologische Zutaten. Die Etiketten sind kaseinfrei und mittlerweile auch aus ökologischem Graspapier.“ Für Menschen, die für das Veganertum nichts übrig haben, mag das völlig verrückt klingen. Für jene, die sich dem Tier- und Umweltschutz verbunden fühlen, ist es hingegen einfach konsequent.

Kritik an Imkern: „Bienen werden ausgenutzt“

Eine Hauptkritik der beiden Veganer an den hiesigen Imkern und den Groß-Konzernen, die Honig produzieren, ist grundsätzlich die Ausbeutung der Bienen, dass sie gezüchtet werden und ihnen der Honig weggenommen wird. Bienen benötigen mehrere Kilo Honigvorräte, um gut über den Winter zu kommen. Die Kritik: Es werde zu viel Honig entnommen und der Verlust mit zu viel Zuckerwasser versucht aufzufüllen. Nowak: „Dann gehen Vitamine und Enzyme verloren und für die nächste Bienen-Generationen fehlen wichtige Nährstoffe. Das ist von der Natur nicht vorgesehen.“

Ihren eigenen Honig, den es mittlerweile in über 20 Geschmacksrichtungen gibt, produzieren Nowak und Weidtmann daher nach einem eigentlich alten Großmutter-Rezept. Sie sammeln Blüten und legen sie ein. Den Sud kochen sie mit Zitronensaft und Zucker ein. Das Einkochen erledigen die beiden selbst in einer eigens hergerichteten Küche in einer ehemaligen Gaststätte an der Vogelsanger Straße.

Daniela Nowak war bei Fastfood-Kette beschäftigt

Das Interessante in Daniela Nowaks Fall ist, dass sie früher Mitarbeiterin im Büro-Bereich einer Fast-Food-Kette gewesen ist. „Ich will einfach nicht mehr Teil von so etwas sein. Und auch, wenn wir mit veganem Honig vielleicht nicht die ganze Welt retten, so ist es ein wichtiger Schritt und wir erzeugen ein leckeres Lebensmittel, für das kein Tier leiden muss.“

Seit 2015 entwickeln Nowak und Weidtmann, der seine Stelle als Krankenpfleger in einem Krankenhaus vor dem Honig-Hintergrund auf 70 Prozent reduziert hat, ihre Marke „Vegablum“. Untertitel: „Die fleißigen Blümchen“.

Heute produzieren sie, wie erwähnt, über 40.000 Gläser jährlich, das Ziel sind 100.000 und mehr. In völlig unterschiedlichen Geschmacksrichtungen. Löwenzahn, Brennessel, Ringelblume, Gänseblümchen, sogar Honig mit Chilli-Geschmack ist darunter, den man auch gut zu Gegrilltem servieren könnte. „Wonig“ nennen die beiden ihre Honig-Alternative (= Wie Honig).

Weitere vegane Lebensmittel im Angebot

Sie haben noch viele weitere vegane Lebensmittel-Alternativen im Angebot: „VET“ als vegane Met-Alternative. Liköre, Ei-Ersatz, Aufstriche, Süßigkeiten. Verkauft wird der Wonig mittlerweile in Denn‘s-Märkten und in anderen Bereichen des Großhandels. Jüngst ist eine Bestellung aus Singapur reingekommen. Gläser werden auch Richtung Skandinanvien und Südeuropa geliefert. Aus dem eigenen Lager, das sich ebenfalls in Haspe befindet.

„Wir könnten perspektivisch noch mehr produzieren“, sagt Daniela Nowak. Doch dafür müsste die Gewerbeküche noch weiter wachsen und eine Etikettiermaschine und eine Abfüllanlage angeschafft werden. „Derzeit produzieren wir 600 Gläser am Tag. Es sollen demnächst mal 1000 und mehr sein.“

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