Schließungs-Pläne

Ungewissheit: Hohenlimburger Mitarbeiter im Marienhospital

Eingang des Marienhospitals Letmathe im Juni 2019

Eingang des Marienhospitals Letmathe im Juni 2019

Foto: Marcel Krombusch / Westfalenpost

Hohenlimburg.  Thomas Schoppmann und Annika Voss arbeiten im Marienhospital Letmathe. Warum Sie die Pläne zur Schließung nicht verstehen

Am kommenden Donnerstag entscheidet der Märkische Kreistag über die mögliche Schließung des Marienhospitals in Letmathe. Eine Entscheidung, die sich nicht nur auf Patienten aus Hohenlimburg auswirken wird – sondern auch auf diejenigen, die in dem Krankenhaus arbeiten. Wie Thomas Schoppmann und Annika Voss. Beide wohnen in Hohenlimburg. Beide pendeln regelmäßig zur Arbeit nach Letmathe in das Marienhospital. Und beide sorgen sich um die Zukunft des Hauses.

Die Pläne, das Krankenhaus zu schließen, erreichten Annika Voss völlig unvorbereitet – wenige Tage nach Ende ihrer Probezeit. „Für mich war bis vor wenigen Wochen klar, wie es weitergeht – aber jetzt nicht mehr.“ Nach Stationen in Bielefeld und Herdecke arbeitet die Assistentin im Operationssaal nun seit einem halben Jahr im Marienhospital. Es gefalle ihr gut, das Klima sei „familiär“.

Hat sich die Schließung in den vergangenen Wochen und Monaten angedeutet? Die junge Frau schüttelt den Kopf. „Im April kursierten Gerüchte“, sagt sie. „Aber diese wurden nach zwei Tagen revidiert und dann hieß es, wir schließen das Krankenhaus auf keinen Fall.“ Zudem habe ihre Station zuletzt noch neue Instrumente bekommen.“ Ich dachte, alles wäre in Ordnung.“

Es kam anders. Für das laufende Geschäftsjahr schreibt das Hospital 1,8 Millionen Euro Verlust. Weniger Behandlungen, Personalmangel – für den Krankenhausverbund der Märkischen Kliniken genug Gründe, um das Haus Ende des Jahres zu schließen. Voss kennt die Gründe. Nachvollziehen kann sie diese aber nicht. „Andere Krankenhäuser liegen jahrelang im Minus und machen trotzdem weiter“, so Voss. „Das Marienhospital hatte zuletzt immer ein Plus verzeichnet. Und nach einem schlechten Jahr soll es geschlossen werden?“

Seit die Pläne zur Schließung offen auf dem Tisch liegen, verteilt Voss in Hohenlimburg Unterschriftenlisten gegen die Schließung. Auch beim Lennefest am Wochenende will sie Präsenz zeigen. Ein Übernahmeangebot nach Lüdenscheid oder Werdohl, wie es der Betriebsrat durchgesetzt hat, ist für sie keine Option. „Ich kann nicht zehn Minuten Arbeitsweg gegen 45 Minuten tauschen – ich muss mittags meinen Sohn von der Schule abholen“, sagt die junge Mutter. Auch umziehen komme nicht in Frage. „Wir haben gerade erst ein Haus gekauft.“

Patientenzahl an der Grenze

Auch Dr. Thomas Schoppmann sorgt sich um die Folgen, die eine Schließung haben könnte. Der Chirurg hat eine Praxis in Hohenlimburg und arbeitet für größere Operationen im Marienhospital. „In der Praxis bin ich von der Patientenzahl her absolut an der Grenze“, sagt Schoppmann. Er habe bereits Patienten abweisen müssen und ist sicher: Ohne das Marienhospital wird sich die Lage verschärfen. „Die Patienten lösen sich ja nicht in Luft auf – sie müssen irgendwo hin“.

Seine Patienten aus Hohenlimburg zu alternativen Krankenhäusern etwa in Hagen zu schicken, komme nur für wenige in Frage. „Zwei Drittel wollen nach Letmathe – nicht nach Hagen“, so Schoppmann. „Das liegt an der Betreuung. Und es erspart den Patienten lange Wege.“ Nicht nur den Patienten: „Für jeden meiner stationären Patienten fahre ich zur Visite nach Letmathe“, so der Hohenlimburger. 20 Minuten dauere für ihn die Fahrt hin und zurück nach Hause. „Wenn ich nach Hagen oder Werdohl wechsle, wird die Anfahrt ungleich länger.“

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