Hagener Innenstadt

Kind stirbt nach Unfall: Eltern entsetzt über Verfahrensende

Viele Hagener legten Kuscheltiere, Kerzen und Briefe an der Unfallstelle an der Badstraße ab.

Viele Hagener legten Kuscheltiere, Kerzen und Briefe an der Unfallstelle an der Badstraße ab.

Foto: Michael Kleinrensing

Hagen-Mitte.  Am 13. Juli 2017 stirbt ein Mädchen (1) an der Badstraße in Hagen. Jetzt wird das Verfahren eingestellt. Die Eltern sind entsetzt.

Der tragische Unfall war tagelang Stadtgespräch in Hagen. Tausende Menschen fühlten mit der Familie, die am 13. Juli 2017, einem warmen und sonnigen Donnerstag, ihr einjähriges Kind auf der Volmebrücke an der Badstraße in der Innenstadt verlor. Ein Volvo mit einem damals 34-jährigen Fahrer hatte das Kleinkind in seinem Kinderwagen frontal erfasst. Nach zwei Jahren und einer langen Begutachtung geht nun das strafrechtliche Verfahren gegen den Fahrer zu Ende. Es wird eingestellt.

Es war 16.50 Uhr an besagtem Donnerstag. Der Volvo-Fahrer, der aus der Holzmüllerstraße durch den Kreisel rechts auf die Badstraße abgebogen war und in Richtung Emilienplatz fuhr, hatte die Kontrolle über sein Auto verloren. Das Auto geriet auf den Bürgersteig und krachte in den Kinderwagen und zerdrückte das Kind. Feuerwehrleute versuchten wenige Minuten später, das Leben des Mädchens zu retten – leider vergeblich. Dass Polizei und Rettungskräfte noch dazu mit Hunderten Gaffern an der Brücke zu tun hatten, war neben dem fürchterlichen Unfall für die Familie ein weiterer trauriger Tiefpunkt. Die Gaffer überschritten sämtliche Grenzen, liefen sogar den Fluss hinab, um einen besseren Blick auf die Unfallstelle erhaschen zu können und drohten Rettungskräften sogar Prügel an.

Mutter zutiefst geschockt von den Gaffern

Die WESTFALENPOST hatte längere Zeit nach dem Unfall mit der Familie des Kindes Kontakt aufgenommen. Zu einer Berichterstattung kam es auf Wunsch der Familie nicht. Später sprachen die Eltern mit dem Nachrichten-Magazin Stern über den Unfall. In dem Artikel beschreibt die Mutter, dass ihr Neffe, damals vier Jahre alt, noch neben ihr und der Tochter im Kinderwagen hergelaufen sei. Sie alle seien vom Arzt gekommen, weil die Tochter an den Folgen einer Impfung zu knabbern gehabt habe. Vom Arzt nach Hause waren es nur ein paar hundert Meter. Sie mussten über die Brücke. Was die Mutter dann beschreibt, sind der fürchterliche Anblick ihres verletzten Kindes und die grausamen Gaffer-Szenen die sich abspielten. Im Stern-Artikel sagt die Mutter, dass sie es immer noch nicht ertragen könne, zu wissen, dass einige der Schaulustigen Videos und Bilder ihres sterbenden Kindes auf dem Handy hätten. Feuerwehrleute erinnern sich, wie das Szenario alle Beteiligten an den Rand der Beherrschung brachte. Von den vielen weiteren Details, die der Stern-Artikel beleuchtet, sehen wir an dieser Stelle ab. Im Nachklang des Unfalls wurden auch in Hagen Sichtschutzwände angeschafft, die jetzt in derartigen Situationen zum Einsatz kommen.

Zu einem Urteil wird es nicht kommen

So emotional und so traurig wie dieser 13. Juli 2017 die ganze Stadt machte, so nüchtern und fast unbemerkt geht nun das Verfahren gegen den heute 36-jährigen Mann aus Werl zu Ende, der den Volvo in den Kinderwagen gesteuert hatte. Er ist an Multipler Sklerose (MS) erkrankt. MS ist eine autoimmune neurologische Krankheit, bei der die äußere Schicht der Nervenfasern im zentralen Nervensystem angegriffen wird. Zu einem Urteil wird es nicht kommen. Sollte der 36-jährige die ihm vorgeschlagenen Auflagen (Zahlung von 1500 Euro an das Kinderhospiz Balthasar in Olpe und der lebenslange Verzicht auf die Fahrerlaubis) annehmen, wird das Verfahren eingestellt. Nach den Gutachten und der Beweislage würden für das Gericht keine schlimmen Verkehrsverstöße vorliegen. Das Gutachten kommt auch nicht zu dem Schluss, dass die MS-Erkrankung Grund für den Fahrfehler war. So bleibt am Ende stehen, dass es sich um ein großes Unglück auf Grund eines menschlichen Fehlers handelt. Frank becker, Anwalt der Familie des verstorbenen Mädchens, erklärt auf Nachfrage, dass man die Nachricht von der Einstellung des Verfahrens entsetzt aufgenommen und überhaupt nicht zufrieden sei. Becker erklärt, dass die Familie auf dem zivilrechtlichen Weg versuchen werde, Schmerzensgeld einzuklagen.

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