700-Jahr-Feier

Teure Kostüme: So feierte Hohenlimburg 1930 Stadtjubiläum

Bilder vom Festumzug bei der 700-Jahr-Feier 1930. Gezeigt wurde ein Schauspiel zur Geschichte des Ortes von der Antike bis zur Neuzeit.

Bilder vom Festumzug bei der 700-Jahr-Feier 1930. Gezeigt wurde ein Schauspiel zur Geschichte des Ortes von der Antike bis zur Neuzeit.

Foto: Stadtarchiv Hagen

Hohenlimburg.   2020 wird der Heimatverein 100 Jahre. Zum Jubiläum zeigt der Verein einen Film der 700-Jahr-Feier in Hohenlimburg 1930 – dank LWL und Stadtarchiv

Es war ein „Knüller“, so Historiker Ralf Blank, der in den Beständen des Stadtarchivs verborgen lag und Anfang 2020 an die breite Öffentlichkeit kommen soll: Ein Film aus dem Jahr 1930, der die 700-Jahr-Feier in Hohenlimburg zeigt. Warum die Feier damals jeden Rahmen sprengte und wieso der Film erst im kommenden Jahr gezeigt wird.

Die 700-Jahr-Feier

Mitten in der Weltwirtschaftskrise organisieren die Hohenlimburger im Jahr 1930 eine 700-Jahr-Feier von gigantischem Ausmaß: Drei Tage Festprogramm mit Kirmes auf der Lennewiese, Feiern in der gesamten Stadt und als Höhepunkt einen großen Festzug, bei dem die Geschichte Hohenlimburgs von der Antike bis ins 19. Jahrhundert als Schauspiel nacherzählt wird. Ohne politische Symbole, dafür mit viel „Heiler Welt“ und Fantasie. Allein die Kostüme hierzu, aus Berlin angeschafft, kosteten 62.000 Reichsmark – sprich: eine Viertel Million Euro. Dazu kamen 20 Pferde zum Einsatz, zur Verfügung gestellt von der Hagener Polizei.

„Wir haben damit einen Beleg, wie reich Hohenlimburg trotz Wirtschaftskrise in dieser Zeit gewesen ist“, sagt Dr. Ralf Blank. Über die Festivität an sich gibt er derweil zu Bedenken, dass diese historisch korrekt erst deutlich später hätten stattfinden müssen. So sei Hohenlimburg erstmals um 1243 urkundlich erwähnt, eine 700-Jahr-Feier erst um 1943 korrekt gewesen. „Dass die Feier aber 1930 stattfand, hat mit der damaligen Zeit, den Menschen und der Gesellschaft zu tun – und das nehme ich als Historiker sehr ernst.“

So könne ein Fest diesen Ausmaßes auch als „Ventil“ zu verstehen sein, mit dem die Hohenlimburger die politischen und gesellschaftlichen Krisen der Zeit verarbeiten wollten.

Das Filmmaterial

Gedreht wurde der knapp einstündige Schwarz-Weiß-Film aller Wahrscheinlichkeit nach vom damaligen Fotoatelier Höppe in Elsey. Es handelt sich um einen 35 Millimeter Nitrofilm. Für die Aufnahme wurde Zelluloidfilm genutzt, ein leicht entzündliches Material.

Daher wurde der Originalfilm bereits Ende der 1990er vom Medienarchiv des Landschaftsverbands Westfalen-Lippe (LWL) digital kopiert und das gefährliche Original vernichtet.

Die Veröffentlichung

Aktuell werden die Aufnahmen im LWL-Medienarchiv nachbearbeitet. Gezeigt wird der Film erstmals Anfang 2020, als Auftakt zum 100-jährigen Bestehen des Hohenlimburger Heimatvereins. „Eine bessere Kooperation zum Jubiläum gibt es nicht“, freut sich Widbert Felka, Vereinsvorsitzender, über den Coup. Den Film wird es dann auch auf DVD geben, produziert vom LWL. „Und ergänzt durch ein Booklet mit Hintergründen zur Entstehungsgeschichte“, so Ralf Springer, Leiter des LWL-Medienarchivs. Denn die Filmaufnahmen hinterlassen viele Fragen. Wie konnte eine Kleinstadt wie Hohenlimburg die Feier trotz Wirtschaftskrise stemmen? Wer waren die Geldgeber? Warum wurde gerade 1930 gefeiert?

„Wir werden das recherchieren“, kündigt Ralf Blank an.

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