Wirtschaft

Stadt Hagen investiert an 29 Ecken gleichzeitig

Baudezernent Henning Keune (links) und GWH-Leiter Volker Bald begutachten die Baustelle an der Goetheschule in Boele.

Baudezernent Henning Keune (links) und GWH-Leiter Volker Bald begutachten die Baustelle an der Goetheschule in Boele.

Foto: Michael Kleinrensing / WP

Hagen.  Zahlreiche Baustellen prägen derzeit das Bild in Hagen. Die Stadt setzt die millionenschweren Förderprogramme von Land und Bund in Projekte um.

Während der Schulbetrieb in den Sommerferien ruht, herrscht auf den Baustellen in Hagen derzeit Hochkonjunktur. Der städtische Fachbereich Gebäudewirtschaft Hagen (GWH), verantwortlich für Neubau, Umbau, Unterhaltung und Abriss städtischer Immobilien, betreibt in diesen Wochen gleichzeitig 29 Baumaßnahmen mit einer Investitionssumme von sage und schreibe 31.061.839 Euro.

Es ist aber größtenteils nicht ihr eigenes Geld, das die Stadt verbaut. Vielmehr stammt der Löwenanteil der Summe aus millionenschweren Förderprogrammen, mit denen Bund und Land NRW die kommunale Infrastruktur gezielt modernisieren wollen: das Paket Gute Schule 2020 NRW sowie das in zwei Bündel aufgeteilte Konjunkturpaket III der Bundesregierung, das zum einen kommunale Gebäude energieeffizienter machen und zum zweiten den Schulsektor auf Vordermann bringen soll. „Nimmt man alle Förderprogramme zusammen, geht es hier um ein Volumen von gut 65 Millionen Euro für die Stadt Hagen“, berichtet GWH-Leiter Volker Bald.

Rohbau und Grundleitungen

1,96 Millionen Euro fließen zum Beispiel in einen Neubau der Goethe-Grundschule in Boele, der die in die Jahre gekommenen, maroden Pavillons ersetzen soll. Derzeit wird am Rohbau und der Verlegung der Grundleitungen gearbeitet. Da das Programm Gute Schule sowie die zweite Hälfte des Konjunkturpakets III ausschließlich Schulen zugute kommen dürfen, wurden zahlreiche Bauarbeiten absichtlich in die Ferien gelegt, um den Unterricht möglichst wenig zu stören (der Goetheschule wird die Großbaustelle allerdings noch bis ins Jahr 2020 hin erhalten bleiben, so lange wird die Hälfte der Mädchen und Jungen in der benachbarten Vinckeschule unterrichtet).

Der Geldsegen aus den Förderprogrammen ermöglicht der Stadt zwar Investitionen, für die die eigene Finanzkraft nicht ausreichen würde. Andererseits treibt die erhitzte Konjunktur die Preise in die Höhe. Die Auftragsbücher der Baufirmen sind voll: „Das führt dazu, dass wir schon bei der Ausschreibung eines Projektes 30 Prozent auf den errechneten Preis aufschlagen“, sagt Bald: „Und trotzdem manchmal kein Angebot bekommen. Oder es werden Mondpreise verlangt, die den Verdacht nahelegen, dass ein Unternehmer den Auftrag gar nicht wirklich will.“ So habe die Stadt immer noch keine Firma gefunden, die die Rathausfassade sanieren will, obwohl der Auftrag 4,56 Millionen Euro schwer ist: „Früher hätte man uns ein solches Angebot aus den Händen gerissen.“

„Geschenktes“ Geld

Baudezernent Henning Keune weist darauf hin, dass auch Privatleute von der Preissteigerung betroffen seien, etwa wenn sie ihr Eigenheim sanieren wollen. Aber auch das städtische Personal im Fachbereich Gebäudewirtschaft gerate durch die Vielzahl der Baumaßnahmen an seine Leistungsgrenze, schließlich müssen alle Projekte vorbereitet und während der Arbeiten betreut werden. Das „geschenkte“ Geld aus den Förderpaketen wolle die Stadt natürlich auch ausgeben, so Bald: „Alles andere wäre ja katastrophal.“

Mindestens zwei bis drei Jahre werde der Bauboom noch anhalten, schätzen Keune und Bald. Wahrscheinlich sei in der Geschichte der Stadt Hagen noch nie so viel Geld in den Hochbau geflossen wie in diesen Zeiten. Schon in den Herbstferien folgen 13 weitere Baumaßnahmen.

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