Soziales

Sportprojekten an 18 Grundschulen in Hagen droht das Aus

Elisabeth Waskönig (Caritas), die Übungsleiterinnen Martina Koslowski und Angélique Koslowski vom TuS Eckesey sowie OGS-Leiterin Birgit Nottelmann von der Grundschule Eckesey im Schulschwimmbad..

Elisabeth Waskönig (Caritas), die Übungsleiterinnen Martina Koslowski und Angélique Koslowski vom TuS Eckesey sowie OGS-Leiterin Birgit Nottelmann von der Grundschule Eckesey im Schulschwimmbad..

Foto: Michael Kleinrensing

Hagen.   Weil das Land die Förderung umgestellt hat, droht 40 Sportkursen das unerwartete Ende. Betroffen sind 18 Grundschulen in Hagen und 20 Vereine.

Tanz, Yoga, Turnen, Handball, Fußball, Basketball, Schwimmen, Tennis, Schach, Fechten und noch mehr: Unter der Überschrift „Mittendrin statt nur dabei – in OGS und Sportverein“ hat das Land NRW vier Jahre lang zahlreiche Sportkurse im Offenen Ganztag (OGS) der Grundschulen ermöglicht. Damit ist es vorbei. Weil die Förderung nicht verlängert wurde, droht zahlreichen Projekten jetzt das Aus. Betroffen sind in Hagen fast 40 Projekte an 18 Grundschulen, 30 Übungsleiter und 20 Sportvereine.

„Das Mittendrin-Projekt versteht sich als Brückenschlag zwischen OGS und Sportvereinen“, erläutert Elisabeth Waskönig von der Caritas, die das Programm organisiert und die Fördergelder vermittelt hat. Die Idee dahinter sei es einerseits, im Offenen Ganztag mehr Sport anzubieten und dadurch die häufig unter Bewegungsmangel leidenden Kinder motorisch zu unterstützen.

Berührungspunkt der Kulturen

Zudem knüpfen die Kinder bzw. deren Eltern Kontakte zu benachbarten Sportvereinen, die dadurch neue Mitglieder gewinnen können. „Sport im Verein kann ein Berührungspunkt zwischen Menschen aus den verschiedensten Kulturen und sozioökonomischen Verhältnissen sein, bietet gesellschaftliche Aktivitäten übers Jahr für die ganze Familie“, sagt Elisabeth Waskönig.

Die Förderung sei besonders für Kinder aus sozial benachteiligten Vierteln, die nur selten einem Verein angehörten und oft keine Möglichkeit hätten, eine Sportstätte überhaupt zu erreichen, sinnvoll: „Denn immer weniger Kinder sind in ihrer Freizeit in Bewegung.“ Es fehle an Spiel- und Bolzplätzen, und selbst verkehrsberuhigte Zonen seien durch parkende Autos zum Spielen ungeeignet.

Schwimmkurse sind wesentlich

Vor allem sind viele Grundschulkinder, zumal aus Familien mit Migrationshintergrund, Nichtschwimmer. Mit fatalen Folgen: Die Zahl der Badetoten in Deutschland steigt an, besonders unter Kindern und Jugendlichen.

In Hagen sind Schwimmkurse deshalb ein wesentlicher Bestandteil der Mittendrin-Förderung. „Kinder, die bei uns vier Jahre lang den Offenen Ganztag besucht haben, verlassen uns nicht als Nichtschwimmer“, berichtet Birgit Nottelmann, OGS-Leiterin an der Grundschule Eckesey, die eng mit dem TuS Eckesey kooperiert: „Wir versuchen auszuschöpfen, was der TuS zu bieten hat.“ Dazu gehörten auch Ballsportarten und Turnen.

Caritas hält Projekte zunächst aufrecht

Eine der Übungsleiterinnen des Vereins, deren Honorar durch die staatliche Förderung getragen wurde, ist Martina Koslowski: „Leichtathletik bieten wir zum Beispiel schon ab dem sechsten Lebensjahr an. Durch das Mittendrin-Projekt gewinnen wir Kontakt zu Kindern, die von allein kaum noch den Weg in unseren Verein finden.“

Mit rund 4000 Euro hat die Förderung der Sportkurse in Hagen pro Monat zu Buche geschlagen – relativ wenig Geld also für ein von allen Seiten gelobtes Projekt. Doch die Unterstützung von OGS-Vorhaben ist aus den Richtlinien des Kinder- und Jugendförderplans herausgenommen worden, so dass die Zukunft von „Mittendrin“ in den Sternen steht. Bis zum Sommer will die Caritas die Kurse aus eigenen Mitteln aufrecht erhalten, verspricht Elisabeth Waskönig: „Danach würden wir uns über Sponsoren für einzelne Schulen freuen.“

Sollten sich wirklich Geldgeber finden, könnte das Mittendrin-Projekt ohne staatliche Förderung fortgesetzt werden.

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