Kultur

Rock-Musical in Hagen rüttelt auch Eltern wach

Ein Probenfoto aus „Spring Awakening“: Im Bild sind angehende Musicaldarsteller der Hochschule Osnabrück zu sehen. Das Drama spiegelt den Wunsch nach Rebellion und die Frustration junger Menschen wider.   

Ein Probenfoto aus „Spring Awakening“: Im Bild sind angehende Musicaldarsteller der Hochschule Osnabrück zu sehen. Das Drama spiegelt den Wunsch nach Rebellion und die Frustration junger Menschen wider.   

Foto: Klaus Levebvre

Hagen-Mitte.   Das Rock-Musical „Spring Awakening“ (Frühlings Erwachen) greift das Thema Pubertät auf. Am Samstag, 15. Juni, ist Premiere in Hagen.

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Trotz der Perspektive der jungen Leute ist „Spring Awakening“ (Frühlings Erwachen) kein typisches Jugendstück. Das Musical mit tragischen Elementen thematisiert die Spannung der Generationen.

Auf der einen Seite die Schüler, die mit Leistungsdruck, autoritärem Verhalten und ihrer eigenen erwachenden Sexualität nicht zurecht kommen, auf der anderen Seite die Lehrer und Eltern mit ihren veralteten Moral- und Disziplinvorstellungen.

Das Hagener Theater bringt das Rock-Musical in Kooperation mit dem Musicalstudiengang der Hochschule Osnabrück auf die Hauptbühne. Premiere des teils provokanten Stückes, das auch jüngere Zuschauer fürs Theater begeistern soll, ist am Samstag.

Text zu obszön und provokant

Zum Hintergrund: Frank Wedekind, deutscher Dramatiker und Schauspieler, veröffentlichte 1891 sein Drama „Frühlings Erwachen – eine Kindertragödie“.

Bei Kritikern fiel der Text durch, galt als zu obszön, direkt und provokant. Daraufhin entschloss sich der damals 25-jährige Autor Wedekind, das Stück selbst und auf eigene Kosten heraus zu bringen.

Das Drama wurde schnell zu einem Skandalstück, das erst 15 Jahre später, 1906, in Berlin unaufgeführt wurde, allerdings stark zensiert. Einige Szenen waren komplett gestrichen, andere eingekürzt – von damaligen Zeitgenossen wurde das Stück als pornografisch bewertet.

Musical trifft den Puls der Zeit

Die unzensierte Fassung wurde erstmals 1924 auf der Bühne gezeigt, sechs Jahre nach Wedekinds Tod. Und 2006 feierte „Spring Awakening“ als Musical am Off-Broadway Premiere und schaffte nach nur einem Jahr den Sprung auf die „echte“ Broadway-Bühne. Das amerikanische Musical mit deutscher Textvorlage trifft – auch heute noch – den Puls der Zeit.

Rebecca Graitl zeichnet für die Hagener Aufführung mitverantwortlich: „Frank Wedekinds Text trägt autobiografische Züge. In Wedekinds Schulzeit brachte sich sein Schulfreund um, und Probleme rund um die Pubertät wurden totgeschwiegen“, erläutert die Dramaturgin.

Prof. Sascha Wienhausen vom Institut für Musik an der Hochschule Osnabrück betont, dass in amerikanischen Stücken Popmusik als normale Alltagskultur gelten würde. Wienhausen arbeitet zum dritten Mal mit Studierenden des jeweiligen Abschlussjahrgangs mit dem Hagener Theater zusammen. Nach „Avenue Q“ und „In den Heights von New York“ zeigen nun elf seiner Studenten auf der hiesigen Bühne ihr erworbenes Können.

Vulgär-Sprache mit Punk-Touch

In nur wenigen Szenen und in Songs wie „Verficktes Leben“ und „Alles im Arsch“ werde Vulgär-Sprache mit Punk-Touch eingesetzt, sagt Wienhausen. Die Musik spiegele die Innenwelten der pubertierenden jungen Leute wider. Und die gesamte Story zeige, dass Sexualität und Homosexualität bei vielen Menschen noch immer ­Tabuthemen seien.

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