Hagen.

Pilger besuchen in Hagen Kraftorte und Schmerzpunkte

Zur Mittagspause machen die Pilger im Allerwelthaus halt. Nach einem Vortrag und einer Diskussion geht es weiter durch die Finanzamtsschlucht und den Fleyer Wald nach Schwerte.

Zur Mittagspause machen die Pilger im Allerwelthaus halt. Nach einem Vortrag und einer Diskussion geht es weiter durch die Finanzamtsschlucht und den Fleyer Wald nach Schwerte.

Foto: Sophie Scholl

Hagen.   Eine Gruppe von Pilgern hat sich Hagen angeschaut. Die Klima-Interessierten waren im Wald und sie haben die Finanzamtsschlucht inspiziert.

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Da laufen gestern Mittag plötzlich Pilger durch die Finanzamtsschlucht. Ist dieser luftverschmutzte Schlauch jetzt ein Wallfahrtsort? Und wieso läuft die Gruppe hier her, wo sie doch gerade aus der grünen Lunge der Stadt kommt? Aus dem Wald. Sie sind unterwegs im Namen der Klimagerechtigkeit. Und zwar von Bonn nach Kattowitz, wo am 9. Dezember die UN-Klimakonferenz stattfindet.

Auf ihren Zwischenstopps besuchen sie in den Städten Kraftorte und Schmerzpunkte. Und deshalb auch den Hagener Wald und die Finanzamtsschlucht.

Diskussionsrunde

Dort, wo die Mittagspause geplant ist, wird der Vortag von Fred Weber, Umweltplaner der Stadt Hagen, schnell zu einer Diskussionsrunde. Von Wuppertal kommend laufen die Klima-Pilger durch Hagen nach Schwerte und besuchen auf dem Weg einen „Kraftort“ und einen „Schmerzpunkt“ der Stadt. Begleitet werden sie dabei von zehn Schülern der Umwelt-AG der Hildegardis-Schule, die 2016 mit der Aktion „Plant-for-the-Planet“ rund 300 Bäume im Fleyer Wald, einem weiteren Kraftort, pflanzten .

Am Kaiser-Friedrich-Turm gab es den ersten Zwischenstopp, denn der Wald ist Hagens „Kraftort“.

Nach einem kurzen Impuls, über die waldreichste Stadt Nordrhein-Westfalens geht es weiter: Das Allerwelthaus liegt als nächstes Ziel auf der Route, unweit des „Schmerzpunkts“ der Stadt – die Finanzamtsschlucht.

Grenzwert wird nicht eingehalten

Über die Probleme mit dem Stickstoffdioxid informiert Fred Weber, Umweltplaner der Stadt Hagen, die Wanderer. „Bis heute wird in der Hagener Finanzamtsschlucht der Grenzwert nicht eingehalten. Der Jahresmittelwert des Stickstoffdioxids liegt bei 48 Milligramm, der Grenzwert beträgt aber 40 Milligramm“, sagt Weber.

Damit ist Hagen nicht allein: Insgesamt werden in über 70 Städten die vorgeschriebenen Grenzwerte nicht eingehalten. Das bereits diskutierte Tempolimit in dem Bereich des Märkichen Rings, bringe nur eine Stickstoffdioxidreduzierung von vier bis sechs Prozent, sagt Weber. Ziel müsse es sein, den Verkehr insgesamt zu reduzieren und den Öffentlichen Personennahverkehr, Fahrradwege und Fußgänger zu stärken.

Kritisch nachgefragt

Die Wanderer haken nach und diskutieren: „Wie steht denn um die städtische Flotte?“, „Ich habe bislang keine Radwege gesehen. Sind die noch in Planung?“ und „Wie werden Verstöße geahndet?“.

Mechtild Twickel aus Hagen wandert die insgesamt 23 Kilometer lange Tagesetappe mit und ist begeistert: „Es ist eine interessante Diskussionsrunde und ich freue mich auf den weiteren Austausch.“

Ihre Motivation ist dieselbe wie bei vielen anderen Pilgern. „Ich glaube, eine Begründung dafür, dass man sich für den Klimaschutz einsetzt, braucht man heutzutage nicht mehr. Bei der aktuellen Lage, das beste Beispiel ist doch der Hambacher Forst, scheint es mir noch dringender aktiv zu werden“, sagt die 64-jährige Hagenerin.

Es gäbe so viele Themen in der Stadt, die man noch umweltfreundlicher gestalten könne. Bei den Fahrradwegen gäbe es noch unglaublich viel Verbesserungsbedarf.

Insgesamt 1700 Kilometer

„Es sind ungefähr 80 Etappen, insgesamt ungefähr 1700 Kilometer. Davon müssen wir noch etwa 1500 Kilometer laufen“, sagt Wolfgang Löbnitz, der seit der Düsseldorfer Etappe mitläuft.

„Wir wollen die Menschen auffordern mitzumachen. Wir sprechen sie aktiv an und erhalten gute Resonanz. Es gibt kaum Menschen, die nicht das Klima schützen wollen. Außerdem wollen wir politischen Druck ausüben“, sagt Christian Seidel, der auch schon im Jahr 2015 zur Klimakonferenz nach Paris pilgerte.

Die Stadt Hagen wirke für beide zunächst wie eine typische Großstadt. „Es herrscht hier viel Verkehr, das riecht man an einigen Stellen auch. Umso besser ist es, dass es genug Wald als Ausweichmöglichkeit gibt“, sagt Löbnitz.

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