Insektenschutz

Nistkästen: Hohenlimburger geben Wildbienen ein Zuhause

Herbert Langenbach aus Hohenlimburg schaut auf die Bienenhotels in seinem Garten.

Herbert Langenbach aus Hohenlimburg schaut auf die Bienenhotels in seinem Garten.

Foto: Marcel Krombusch

Hohenlimburg.   Im Garten von Herbert Langenbach in Hohenlimburg hängen seit drei Jahren Nistkästen für Wildbienen. Warum er die Tiere nicht mehr missen will.

Seine Wohnungen sind eng umkämpft: Herbert Langenbach steht in seinem Garten und beobachtet ein paar Wildbienen, die vor seinen Nistkästen entlang schwirren. 16 einzelne Kästen hängen am Gartenhaus des Hohenlimburgers, bereit für neue „Mieter“. „Ich bin immer wieder von der Vielfalt an Wildbienen überrascht, die dort nisten“, sagt Langenbach. „Von kleinen Arten bis zu den großen Mauerbienen ist alles dabei.“ Mit den sommerlichen Temperaturen bevölkern nun immer mehr Wildbienen die Nistplätze.

Seit etwa drei Jahren hängen Nistplätze im Garten von Herbert Langenbach. Der Impuls kam von seinem Sohn, der sich für den Garten interessiert und unweit der Nistplätze auch ein Gewächshaus aufgebaut hat. Daneben seien es aber auch die Berichte über das Bienensterben gewesen, die ihn zum Engagement im eigenem Garten motiviert hätten.

Einsatz gegen Bienensterben

„Wenn man liest, dass in China teils Menschen von Hand die Blüten bestäuben müssen, weil es keine Bienen mehr gibt“, so Langenbach. „So weit soll es hier nicht kommen.“ So wuchs mit den Jahren die Zahl der Nistkästen in seinem Garten. Die meisten habe er gekauft, einen habe sein Sohn selbst angefertigt.

Anleitungen zum Selber-Bauen gibt es im Internet inzwischen reichlich, das Interesse an heimischen Insektenschutz ist groß (siehe Zweittext). Das merkt auch Herbert Langenbach beim Blick in umliegende Gärten: Ein Nachbar zur linken Seite hat ebenso Nistkästen für Wildbienen in seinem Garten, wie ein Nachbar zur rechten Seite. „Ich bin verblüfft, wie gut die Tiere hier die Insektenhotels annehmen“, sagt etwa Widbert Felka, Nachbar und ebenfalls Nistkasten-Besitzer. Auch bei ihm seien die Plätze begehrt. „Es gibt teils ein regelrechtes Gerangel um die Niströhrchen.“

Derweil ist der Aufwand, den die Nistkästen machen, durchaus überschaubar. Tägliche Pflege brauche es nicht, sagt Herbert Langenbach. „Wenn man den Tieren etwas Gutes will, stellt man ein paar bienenfreundliche Blumen dazu“, sagt er und zeigt auf den rot-blauen Lavendel unterhalb seiner Nistkästen. Daneben steht ein flacher Teller Wasser.

Im „Gegenzug“ schwärmen die Wildbienen in den Garten aus und bestäuben Obstbäume, Sträucher und Blumen. Aggressiv gegenüber Besuchern seien die Wildbienen bei ihm nicht, sagt Langenbach. Stiche seien extrem selten.

Die Vorzüge tierischer Untermieter merkt er auch beim Blick ins Gewächshaus seines Sohnes. Dort hat er Nistkästen für die Larven von Marienkäfer und Florfliegen eingerichtet. Diese sorgen dafür, dass die Pflanzen im Gewächshaus von Läusen verschont bleiben.

Keine chemischen Mittel

Chemische Mittel würde er dagegen als Schutzmittel nie einsetzen. „Da würde nicht nur mein Sohn sein Veto einlegen“, sagt Langenbach und lacht. Der Einsatz von natürlichen Kräften erinnert ihn dagegen an den Pflanzenschutz älterer Generationen. „Früher haben die Großeltern Brennnesseln in Wasser gären lassen und dann als Schutzmittel auf Pflanzen gespritzt.“

Künftig will er weiter Ausschau halten nach neuen Nistkästen für die Wildbienen in seinem Garten.

Mehr insektenfreundliche Pflanzen

Das wachsende Interesse an Wildbienen bekommt auch Markus Schnittger zu spüren. Er arbeitet seit 15 Jahren in der Gärtnerei von Pro Integration in Hohenlimburg. Er zeigt das Gewächshaus und schweift ausladend über die zahlreichen Blumen. Früher seien die Züchtungen häufig gezielt auf schöne Blumen ausgerichtet gewesen. Möglichst wenig Pollen, dafür üppige Blüten. „Die Geranie ist das klassische Beispiel.“

Trendwende seit 2018

Aber spätestens seit dem vergangenen Jahr merke er eine Trendwende. Die Nachfrage habe sich gewandelt. „Viele Privatkunden fragen mittlerweile gezielt nach insektenfreundlichen Pflanzen“, sagt Markus Schnittger. „Viele fragen auch, wie sie ihren Rasen richtig zu einer Blumenwiese umwandeln können.“

Für Schnittger kam das veränderte Kundeninteresse nicht überraschend, angesichts zahlreicher Meldungen über das Ausmaß des Insektensterbens. Um der neuen Nachfrage gerecht zu werden, biete die Gärtnerei mittlerweile rund zehn verschiedene Pflanzenarten an, die Wildbienen reichlich Nektar liefern. „Der Anteil ist gestiegen und macht heute ein Viertel unseres gesamten Angebotes aus.“

Welche Futterpflanze es für die Wildbienen sein soll, sei den Kunden dabei häufig gar nicht so wichtig. Neben Goldmarie empfiehlt er unter anderem Salbei, Eisenkraut und Strauchbasilikum. Ein Vorteil: Die Kräuter können auch zum Kochen in der heimischen Küche genutzt werden.

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