Wirtschaft

Neues Patent für Flexibilität beim Gerüstbau kommt aus Hagen

Michael Nordmeier mit dem von ihm erfundenen Verbindungselement.

Michael Nordmeier mit dem von ihm erfundenen Verbindungselement.

Foto: Michael Kleinrensing / WP

Haspe.  Michael Nordmeier ist Erfinder. Der Ingenieur der Firma Rux GmbH aus Hagen-Haspe hat ein Patent für den Gerüstbau angemeldet.

Für den Häuslebauer ist das Gerüst ein störendes Element vor seinem zukünftigen Eigenheim. Auch der „Kulturlauber“ oder Kunsthistoriker empfindet es als unangenehm, wenn das Objekt seiner Begierde, mag es eine Kirche oder ein Schloss sein, von einem Gerüst verdeckt wird. „Niemand will ein Gerüst haben, jeder das schöne Bauwerk sehen“, sagt ausgerechnet jener Mann, in dessen Berufsleben sich (fast) alles um Gerüste dreht.

Michael Nordmeier ist Produktdesigner der Firma Rux in Haspe, die in der ganzen Welt als Entwickler, Produzent und Händler von Gerüstsystemen tätig ist. Die gängige Bezeichnung Produktdesigner verbirgt, im Fall von Nordmeier ist das jedenfalls so, was der 53-jährige Wirtschaftsingenieur auch ist: ein Erfinder. Eine seiner Erfindungen ist zehn Zentimeter lang und ein halbes Kilo schwer: ein Verbindungselement, das das Dach eines Gerüsts mit dem Tragwerk zusammenfügt.

Geistiges Eigentum

Hört sich unspektakulär an. Und außerhalb der Welt der Gerüstbauer ist es das wohl auch. Aber für die Branche ist es eine wichtige Neuerung, denn es ist das erste Gerüstteil, mit dem sich sowohl ein Folien- als auch ein Blechdach am Gerüst befestigen lässt. „Vorher gab es entweder nur das eine oder das andere“, sagt Nordmeier: „Unser Element kann beides.“ Beim Deutschen Patent- und Markenamt hat Nordmeier sich für die Firma Rux seine Erfindung – sein geistiges Eigentum – patentieren lassen. Das Schutzrecht gilt 20 Jahre lang. So lange darf nur er bzw. die Firma Rux das Bauteil herstellen.

Berühmt wird Nordmeier mit seiner Erfindung wahrscheinlich nicht werden. Da geht es ihm so wie der Mehrzahl der Erfinder heutzutage, die zumeist Fachleute in einem eng umrissenen Metier sind. Und für seine Erfindungen brauche er ein Team, betont der Ingenieur: „Ohne Teamarbeit ist es gar nicht möglich, etwas Neues zu entwickeln.“ Oft finde sich die Lösung eines Problems, wenn er mit seinen Kollegen zusammensitze und sie sich gegenseitig die Gedanken wie Bälle zuspielten.

Einfallsreichtum gefragt

Die Vorstellung vom genialen Erfinder, den plötzlich ein Geistesblitz überkommt, habe aber auch ihre Berechtigung, fügt Nordmeier hinzu: „Eine Erfindung hat viel damit zu tun, dass man mal 15 Minuten aus dem Fenster guckt. Oder ich setze mich auf meinen Trecker“, sagt der Hobby-Landwirt, der bei der Feldarbeit Entspannung findet: „Dabei kommen mir Gedanken, die mir im Alltagsstress nie zufliegen würden.“

Der berufliche Alltag lässt Nordmeier gar keine Zeit, um ununterbrochen über neuen Erfindungen zu tüfteln. Er muss das Zulassungswesen für neue Systeme von Rux pflegen oder Kunden mit Bauplänen bei der Einrüstung einer Baustelle unterstützen. Sein Einfallsreichtum ist vor allem dann gefragt, wenn es um die Weiterentwicklung von Firmenprodukten geht.

Sibirien und Australien

Denn Rux-Gerüste müssen sich auch unter extremen klimatischen Bedingungen bewähren. Die Firma aus Haspe war zum Beispiel 2016 auf der weltweit größten Baustelle zur Gasförderung im nordsibirischen Sabbetta ebenso engagiert wie an der Goldcoast in Australien, wo bei den Commenwealth Games 2018 die Zuschauertribünen unter den gestrengen Blicken von Rux-Mitarbeitern errichtet wurden. „Ein Gerüst ist letztlich ein Sicherheitsprodukt, das so stabil sein muss, dass sich Menschen ungehindert darauf bewegen können“, sagt Nordmeier.

Aktuell besitzt die Firma ca. 20 Patente, fast alle hat er erfunden bzw. entwickelt. In der großen Leonardo-da-Vinci-Ausstellung, die derzeit im Osthaus-Museum die Erfindungen des berühmten Renaissance-Genies zeigt, wird Nordmeier beispielhaft für einen modernen Erfinder präsentiert. Vergleiche bereiten ihm Unbehagen: „Leonardo war ein Universalist, ich bin ein Spezialist. Ich kann mit Stahl, Eisen, Holz und Aluminium umgehen, aber schon bei Kunststoff kapituliere ich.“ Und Leonardo sei ein für die Menschheit wegweisender Erfinder gewesen: „Das bin ich ganz bestimmt nicht.

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