Neue Würdigung für ehemaligen GMD

Hagen. Der bei vielen Hagener Musikfreunden unvergessene Generalmusikdirektor der 50er und 60er Jahre, Berthold Lehmann, findet gut zehn Jahre nach seinem Tod (1996) in einer aktuellen japanischen Studie erneut späte Anerkennung.

Die Musikwissenschaftlerin und -produzentin Junko Obase an der Universität Tokio zitiert in einer Abhandlung über den Komponisten Robert Schumann eine mehr als fünfzig Jahre alte Studie Berthold Lehmanns, die offenbar überraschend aktuell ist. Schumann wird in Japan sehr verehrt und viel erforscht, das bekannte Buch "Robert Schumanns Wege zur Symphonie" des Japaners Akio Mayeda gibt es seit 1992 auch auf deutsch.

Die neue Studie von Junko Obase beschäftigt sich, wie Lehmanns viel ältere Arbeit, mit Schumanns Frühwerk "Papillons" (Schmetterlinge), den Klavierstücken opus 2, und deren erzählerischem Hintergrund. Kenner der Stücke wussten aus der Fachliteratur schon immer, dass Teile davon auf den Roman "Flegeljahre" von Jean Paul hinweisen. Schumann verehrte Jean Paul wie keinen anderen Schriftsteller.

Berthold Lehmann, der auch ein großer Kenner von Kunst und Literatur, speziell Jean Pauls war, entdeckte nun schon 1949, daß Schumanns Klavierstücke "Papillons" wesentlich mehr, wenn nicht gar in allen Teilen, auf Jean Pauls Roman zurückgehen.

Schriftlich niedergelegt hat Lehmann seine Ergebnisse nach seiner Pensionierung 1970 im Rahmen seiner Erinnerungen, die er 1985 unter dem Titel "Musikwärts auf vielerlei Wegen" verfasste. Diese Erinnerungen liegen im Original beim Hagener Heimatbund, für den sie Kulturausschussmitglied Dietmar Millhoff vor gut einem Jahr nach Hagen holen konnte (die WR berichtete).

Lehmann erkannte das Volksliedzitat

Millhoff beabsichtigt zusammen mit Michael Lehmann, dem Sohn des Ex-GMD, die Veröffentlichung dieser einzigartigen Fundgrube zum Aufblühen des Hagener Musiklebens nach dem II. Weltkrieg als Buch.

Die japanische Musikwissenschaftlerin Junko Obase stieß im Internet auf Leh- manns Entdeckung aus dem Jahr 1949. Sie zitiert daraus insbesondere Lehmanns Beweisführung anhand eines von ihm erstmals und als offenbar einzigem erkannten Volksliedzitats in Schumanns Komposition.

Die Fachliteratur zu Schumann ging bis dato davon aus, daß es sich um das "Großvaterlied" handelt. Dies steht mit dem Roman "Flegeljahre" in keinerlei inhaltlichem Zusammenhang. Lehmann fand jedoch auf dieselbe Melodie einen anderen alten Volksliedtext: "Es ritten drei Reiter zum Tore hinaus, ade!" Und dieser Text passt genau zum Romanschluss, bei dem der Held seinen geliebten Zwillingsbruder und seine Heimatstadt für immer verlässt.

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