Kultur

Museale Deutschland-Premiere von Brogan-Werken in Hagen

Mit ihrem Dazzle-Design verändert Anja Brogan im Karl-Ernst-Osthaus-Museum im Rahmen der Ausstellung "Size Matters I" die klassischen Raumstrukturen.

Mit ihrem Dazzle-Design verändert Anja Brogan im Karl-Ernst-Osthaus-Museum im Rahmen der Ausstellung "Size Matters I" die klassischen Raumstrukturen.

Foto: Jonas Braus

Hagen.   Erstmals in einem Museum präsentiert die deutsch-amerikanische Künstlerin Anja Brogan ihre Installationen. Eröffnung ist am Samstag in Hagen.

„Als Feministin muss man sich verkleiden, um nicht in dieser Schublade festzustecken.“ Anja Brogan setzt nicht etwa auf Konfrontation zwischen den Geschlechtern, sondern auf Miteinander. Wenn am kommenden Samstag, 29. Juni, Museumsdirektor Tayfun Belgin im Karl-Ernst-Osthaus-Museum um 16 Uhr die Ausstellung „Size Matters I“ eröffnet, muss trotz der frauenthematischen Spezifität niemand befürchten, mit dem Radikalismus einer Alice-Schwarzer-Tonalität überfrachtet zu werden. „Natürlich haben meine Installationen eine feministische Aussage. Allerdings setze ich nicht länger auf den erhobenen Zeigefinger, sondern möchte intensive Gefühle entstehen lassen, die eher durch Zusammenarbeit wirken und nicht länger auf einem Gegeneinander basieren.“

Besucher emotional gepackt

Das künstlerische Instrumentarium der Deutsch-Amerikanerin mit Mutter aus Hamburg und einem Vater aus den USA sind auf spezifische Raumsituationen exakt zugeschnittene Installationen. In den Oberlicht-Sälen im Altbau entstehen derzeit jene Werke, die die Besucher packen, aber mit ihren vielfältigen Reizen auch verstören sollen. Beispielhaft dafür steht eine schwarz-weiß gestreifte Camouflage-Wandoptik, deren Dazzle-Design während des Zweiten Weltkriegs beispielsweise zur Tarnung von Schiffen eingesetzt wurde, und nun in Hagen Raumstrukturen verschwinden lässt und klassische Wandmuster aufbricht. Das atmosphärische Verwirrspiel wird unterstrichen durch Tonspuren von Brogan-Texten: „Es entsteht eine überwältigende Kakophonie.“ Beim Betrachter entwickelt sich ein optisches und akustisches Verwirrspiel, das Wände in Bewegung setzt und die Sinne aufwühlt.

Den Nachbarraum dominiert über sämtliche Wände hinweg der stetig wiederkehrende Schriftzug „Du bist so schön, wenn Du traurig bist.“ Ein Zitat, das die 39-Jährige, die in Wisconsin aufwuchs und seit 15 Jahren in Berlin lebt, „vom Mann meines Lebens“ einst zugeflüstert bekam. In einem fast verschwindenden Violettton geht der Satz „zart und mantraartig für mich ins Universelle. Verletzend und schön, aber immer eine Geschichte dahinter. Näher an die Emotionen, um das Gegeneinander des Feminismus zu überwinden.“

Schwärzend Neues geschaffen

Für Anja Brogan, die sich selbst als konzeptbasierte Installationskünstlerin bezeichnet, ist dies der erste museale Auftritt in Deutschland. Über eine Sammlerin kam der Kontakt zu Tayfun Belgin zustande. „Die Räume in Hagen sind wirklich fantastisch“, lobt sie vor allem den Kontrast zwischen klassischen und modernen Präsentationsflächen im Osthaus-Museum.

Den Altbau nutzt die Berlinerin, die einst Kunst in New York studierte, für ihre so genannten Reduction-Poems. Gemeint sind Arbeiten, die durch Wegstreichen aus klassischen Zeitungsseiten entstanden sind. Wie ein Bildhauer durch Abschlagen seine Objekte gestaltet, schafft Anja Brogan schwärzend Neues. „Mit Lack-Edding habe ich obsessiv geschwärzt – das ist auch eine physische Arbeit.“ Entstanden sind lyrische Filtrate aus journalistischen Autorenstücken in Kombination mit Foto- und Grafikelementen. Verstörend, inspirierend, fesselnd, minimalistisch und gelegentlich auch demaskierend.

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