Rockerkrieg

Mordversuch: Freeway-Riders-Chef aus Hagen in Haft

Am Donnerstagmorgen: Mit einem Räumpanzer stürmt die Polizei das Club-Gelände der Freeway Riders in Hagen-Kückelhausen.

Am Donnerstagmorgen: Mit einem Räumpanzer stürmt die Polizei das Club-Gelände der Freeway Riders in Hagen-Kückelhausen.

Foto: Alex Talash

Hagen.   Rockerkrieg in Hagen: Der Präsident der Freeway Riders sitzt nach der Razzia wegen Mordversuchs in Haft. Er war wohl selbst einst ein Bandido.

Hagener Polizisten, Einheiten der Bereitschaftspolizei und auch ein Großaufgebot an Spezialkräften waren bei der Rocker-Razzia im Einsatz. Und dieser Aufwand war wohl nicht übertrieben: Einer der später verhafteten Männer trug eine scharfe Schusswaffe im Hosenbund, andere hatten sie griffbereit in ihrer Wohnung deponiert. Das Ausmaß des gefunden Waffen-Arsenals hat offensichtlich auch die Ermittler überrascht.

Es ist ein weiteres Zeichen, dass bei der Rocker-Gruppierung Freeway Riders ein großer Wandel stattgefunden hat. Galt die seit mehr als 40 Jahren in Hagen ansässige Rocker-Gruppierung lange als – im Vergleich zu Bandidos und Hells Angels – gemäßigt und zuletzt auch überaltert, so

scheint nun eine neue Generation das Ruder übernommen zu haben.

Und der Streit zwischen den Bandidos, die in Hagen ein Chapter neu gegründet haben, und den Freeway Riders beruht nach WP-Recherchen auf Machtkämpfen und auch ganz offensichtlich auf persönlichen Fehden. Der Präsident des Bandidos-Chapters war früher Mitglied der Freeway Riders. Und umgekehrt: Der heutige Präsident der Hagener Freeway Riders war nach WP-Informationen früher bei den Bandidos. Der Hagener gehört auch zu den Männern, die am Donnerstag wegen versuchten Mordes festgenommen wurden.

Mit Räumpanzer das Club-Gelände gestürmt

Rückblende auf die Groß-Razzia am Donnerstag: Ein lauter Knall, ein Räumpanzer, der das Eingangstor zu dem Gelände niederwalzt – und dann 30 bis 40 Spezialkräfte der Polizei, die unter Lautsprecherdurchsagen vordringen. Am Clubhaus der Freeway Riders gab es Donnerstagmorgen um kurz nach 6 Uhr die spektakulärsten Szenen bei der Groß-Razzia gegen die Rockergruppe. Doch nicht nur hier, sondern auch an sechs anderen Orten in Hagen sowie in Lüdenscheid, Dortmund, Holzwickede und Witten wurden Wohnungen und andere Objekte durchsucht. Insgesamt 14 Männer im Alter zwischen 21 und 56 Jahren nahm die Polizei fest.

Teilweise wurden schwer zugängliche Türen gesprengt. In Dortmund-Kruckel wurde gar eine Werkstatt ausgehoben, in der offensichtlich Schreck- und Signalwaffen zu scharfen Schusswaffen umgebaut wurden. Am Nachmittag konnten die Ermittler ein ganzes Arsenal an beschlagnahmten Schusswaffen präsentieren. Aber auch verbotene Messer und Drogen wurden sichergestellt. Vier Männer, gegen die Ermittler schon vorher Haftbefehle erwirkt hatten, waren zu dem Zeitpunkt schon dem Richter vorgeführt worden, der sie in Untersuchungshaft schickte. Zehn weitere Männer, die während der mehrstündigen Aktion festgenommen wurden, sitzen weiter im Polizeigewahrsam.

Auch Ermittler sprechen von einem Rockerkrieg

Es ist der vorläufige Höhepunkt im Hagener Rockerkrieg zwischen den Bandidos und den Freeway Riders. Über Monate hinweg war die Auseinandersetzung immer weiter eskaliert. Im Juli wurde auf ein Mitglied der Freeway Riders am Tücking geschossen, noch am gleichen Tag wurde ein Bandidos-Mitglied auf dem Aral-Tankstellengelände in Eilpe

niedergestochen und lebensgefährlich verletzt. Am 5. Oktober wurde dann ein Bandidos-Mitglied an der Frankfurter Straße niedergeschossen. Wenige Tage später fielen Schüsse auf das fahrende Auto eines Freeway-Riders-Mitglied auf der Saarlandstraße.

Seitdem sprechen auch die Ermittler von einem Rockerkrieg, das Kommissariat für Organisierte Kriminalität übernahm die Ermittlungen. Mit Hochdruck wurde ermittelt – und das unter erschwerten Bedingungen: Selbst die lebensgefährlich verletzten Opfer kooperierten nicht mit den Ermittlern. Mit „präziser Polizeiarbeit“, so Oberstaatsanwalt Gerhard Pauli im WP-Gespräch, sei man aber doch erfolgreich gewesen. Und man werde auch nicht nachlassen. Paulis deutliche Ansage: „Die Strategie heißt: Kein Wilder Westen auf Hagens Straßen. Wer das anders sieht, wird mit den Konsequenzen leben müssen. Wir werden als Polizei und Staatsanwaltschaft dem nicht untätig zusehen.“

Bandidos-Mitglied sitzt weiter in Haft

Schon nach den Schüssen an der Saarlandstraße auf das Freeway-Riders-Mitglied hatte die Polizei ein führendes Mitglied der Bandidos festgenommen. Der 31-Jährige sitzt wegen des Verdachts des versuchten

Mordes in Untersuchungshaft. Die Staatsanwaltschaft sieht auch weiter eine gute Beweislage, um in den kommenden Wochen Anklage erheben zu können. Jetzt stehen also die Freeway Riders im Visier der Ermittler: Die am Donnerstag verhafteten vier Männer, gegen die bereits ein Haftbefehl bestand, sollen alle in die Schuss-Attacke auf der Frankfurter Straße am 5. Oktober verwickelt sein. Der Vorwurf hier: versuchter Mord.

Ob und welche Straftaten ihnen und auch den zehn weiteren am Donnerstag festgenommenen Männern noch zugeordnet werden können, sollen die weiteren Ermittlungen zeigen. Nach WP-Informationen gibt es bislang aber noch keine direkte Verbindung zu der schweren Messerattacke auf dem Tankstellengelände in Eilpe.

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