Bildung

Mit Roboter-Software aus Hagen zur Ehrung nach Berlin

Julian Koch (links) und Michael Trampler, Mitarbeiter der FH Südwestfalen, reisen am Montag, 27. Mai, nach Berlin, um dort beim „Science Dialog“ des Bundesinnenministeriums ihr Forschungsprojekt vorzustellen. 

Julian Koch (links) und Michael Trampler, Mitarbeiter der FH Südwestfalen, reisen am Montag, 27. Mai, nach Berlin, um dort beim „Science Dialog“ des Bundesinnenministeriums ihr Forschungsprojekt vorzustellen. 

Foto: Yvonne Hinz

Hagen.   Michael Trampler und Julian Koch, Mitarbeiter der FH Südwestfalen, gehören zu den besten fünf Nachwuchswissenschaftlern Deutschlands.

Julian Koch und Michael Trampler haben sich unter rund 250 Nachwuchswissenschaftlern behauptet. „Wir sind unter die besten fünf gewählt worden“, sagt Julian Koch, Mitarbeiter der Fachhochschule (FH) Südwestfalen, nicht ohne Stolz in der Stimme.

Am Montag, 27. Mai, fährt er mit seinem Forscherkollegen Michael Trampler auf Einladung des Bundesinnenministeriums zum ­„Science Dialog“ nach Berlin. Dort stellt das Duo der Jury sein Projekt „Robotergestützte Prozessvollautomatisierung in der Verwaltung“ vor.

Erkennen von Blitzerfotos

Klingt sperrig. „Ach was“, versichert Michael Trampler, „man darf sich nur keinen physischen Roboter, sondern einen Software-Roboter vorstellen. Dieser übernimmt Arbeiten wie das Erkennen von Blitzerfotos. Bislang werden die zahlreichen Arbeitsschritte noch von städtischen Mitarbeitern erledigt.“

Fachkräftemangel im IT-Bereich

Also kostet der Einsatz dieses Software-Roboters Arbeitsplätze? ­René Kortenacker scheint auf diese Frage geantwortet zu haben. Der Mitarbeiter im Fachbereich Personal und Organisation der Stadt Hagen schüttelt den Kopf: „Wir bekommen schon heute viele Stellen in der Verwaltung kaum noch besetzt und in den nächsten Jahren verlassen uns etliche Mitarbeiter. Der Fachkräftemangel im IT-Bereich ist immens.“

Kortenackers Kollege Dennis Gnyp ergänzt: „Außerdem wird auch in der Verwaltung Haushaltskonsolidierung betrieben, sprich, auch wir stehen unter Spardruck. Der Einsatz der Roboter-Software würde die Arbeit erleichtern und die Qualität verbessern.“

Qualitätsverbesserung in welchem Bereich? „Zum Beispiel beim Be- und Verarbeiten von Radarfotos“, erläutert Michael Trampler. Bislang würden Verwaltungsmitarbeiter die Fotos von Temposündern auf ihren PC geschickt bekommen, sie würden die Gesichter eventueller Beifahrer schwärzen und über das Kennzeichen den Halter des Fahrzeugs ermitteln, erläutert der 31-jährige gebürtige Niederrheiner, der mittlerweile in Köln lebt.

Involviert in den Arbeitsprozess, der das Ziel verfolgt, einen Bußgeldbescheid auszustellen, sind die Finanzverwaltung, das Kraftfahrbundesamt und andere Stellen, „bislang ist der Mensch die Schnittstelle, bei uns bedient die Roboter-Software die verschiedenen Systeme“, ergänzt Kollege Julian Koch.

Künstliche Intelligenz

Der 32-jährige Hagener fährt fort: „Die Roboter-Software erkennt das Foto per künstlicher Intelligenz und liest das Nummernschild digital aus – und das Ganze im Vergleich zur herkömmlichen Methode etwa fünf Mal so schnell und auf Wunsch 24 Stunden an sieben Tagen in der Woche.“

Seit 2014 arbeitet die FH Südwestfalen mit der Stadt Hagen zusammen. „Wir haben das Potenzial an jungen Studenten und die Stadt hat Bedarf an gut ausgebildeten jungen Leuten“, resümiert Prof. Dr. André Coners, der die beiden Doktoranten Koch und Trampler in Hagen betreut und mit ihnen gemeinsam nach Berlin fährt. „Am Dienstag findet im Congress Center die Finalrunde mit den fünf Teams statt. Dann präsentieren die Nachwuchswissenschaftler ihre Arbeiten“, erläutert Coners.

9000 Euro Preisgeld

Schließlich werden drei Teilnehmerteams mit einem Geldpreis (insgesamt 9000 Euro) bedacht, doch wichtiger als das Preisgeld sei ihnen die Einladung des Bundesinnenministeriums, beteuern Koch und Trampler. Außerdem freuen sich die jungen Forscher darüber, dass sie die einzigen Teilnehmer sind, die eine Fachhochschule vertreten: „Wir stehen auf einer Stufe mit Top-Elite-Unis wie Potsdam.“

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