Gewaltverbrechen

Messerangriff auf Hagener: „Glück, dass ich noch lebe“

Jamil Abdallah wird in seiner Wohnung in Hagen brutal überfallen. Das Blut findet sich an den Möbeln.  

Jamil Abdallah wird in seiner Wohnung in Hagen brutal überfallen. Das Blut findet sich an den Möbeln.  

Foto: Alex Talash

Hagen.  Ein 23-Jähriger wird in Hagen in seiner eigenen Wohnung überfallen und mit einem Messer schwer verletzt. Die Staatsanwaltschaft ermittelt.

Noch Monate später denkt er mit Schrecken an jene Momente zurück: 24. November, 4 Uhr am frühen Morgen. Es klingelt an der Wohnungstür. Und von einem Moment auf den anderen ist im Leben von Jamil Abdallah (23) nichts mehr so, wie es einmal war. Er wird plötzlich und völlig unvermittelt mit einem Messer angegriffen, er liegt blutend in seiner eigenen Wohnung, wird bei der skrupellosen Attacke so schwer verletzt, dass er in eine Klinik eingeliefert werden muss.

Er, der junge Mann aus Palästina, der im Dezember 2013 aus Palästina nach Deutschland geflohen ist, der seit einem Jahr in Hagen lebt, der hier eine Ausbildung zum Kfz-Mechatroniker macht, die Cuno-Berufsschule besucht. An der Springe hat Jamil Abdallah eine kleine Wohnung angemietet.

Angriff mit Holzlatte und Messer

„Ich dachte, es seien Freunde, die an diesem frühen Morgen aus der Disco Capitol auf dem Elbersgelände gekommen sind und noch mal kurz vorbeischauen wollten“, sagt Jamil Abdallah.

Es sind aber keine Freunde. Im Gegenteil: Vor der Tür stehen mehrere junge Männer, die Jamil Abdallah nur sehr flüchtig kennt. Sie zücken Pfefferspray, sie werfen ihn zu Boden, sie schlagen ihn, prügeln mit einer Holzlatte, die sie aus einer Türzarge herausgerissen haben, auf ihn ein. Dann zückt einer der Angreifer ein Messer und sticht damit immer wieder zu.

Keine Chance zu reagieren

„Ich konnte kaum reagieren, habe nur noch die Hände vors Gesicht geschlagen, versucht, mich irgendwie zu schützen“, sagt Jamil Abdallah. „Als ein Freunde mir zur Hilfe gekommen ist, haben sie irgendwann von mir abgelassen, sind geflüchtet. Alles war voller Blut. Mein Freund hat sofort einen Rettungswagen gerufen.“

Vier Tage muss Jamil Abdallah nach dem brutalen Überfall im Krankenhaus bleiben. Am Arm trägt der 23-Jährige eine sechs Zentimeter lange Schnittwunde davon. Auch am Kopf haben ihn die Angreifer mit einem Messer verletzt. Arbeiten kann der Auszubildende zunächst nicht.

Opfer leidet bis heute an Folgen des Messerangriffs

„Mein Arm und auch meine Hand sind bis heute taub“, sagt er. Dann wird der junge Mann nachdenklich: „Das beeinträchtigt mich. Aber im Grunde habe ich Glück, dass ich noch lebe.“

Was genau die Angreifer bewegt hat – Jamil Abdallah zuckt mit den Schultern. „Ganz ehrlich – ich weiß es nicht“, sagt er, „ich kenne sie nur sehr flüchtig. Es gibt ein Mädchen, mit dem ich gut befreundet bin, mehr aber auch nicht. Vielleicht sind sie aus irgendeinem Grund eifersüchtig gewesen. Aber eigentlich ist das völlig absurd.“

Nur noch mit Küchenmesser ins Bett

Seit jenem Tag nimmt Jamil Abdallah abends ein Küchenmesser mit an sein Bett. Die Wohnungstür ist immer noch beschädigt. Er wird bedroht, fürchtet, dass die Täter („Die laufen alle frei herum“) noch einmal in seine Wohnung stürmen könnten.

„Angst? Angst habe ich nicht“, sagt der 23-Jährige, „aber es gibt Gesetze. Ich will, dass die Täter bestraft werden für das, was sie mir angetan haben.“

Die Staatsanwaltschaft Hagen hat ein Ermittlungsverfahren gegen mehrere junge Männer eingeleitet. Viel mehr will Staatsanwalt Michael Burggräf nicht sagen: „Einer der Tatverdächtigen ist noch minderjährig. Von daher dürfen wir mit Rücksicht auf sein jugendliches Alter keine weiteren Angaben machen.“

Auch eine mögliche Hauptverhandlung würde also nichtöffentlich stattfinden.

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