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Junges Fotoprojekt sucht nach der Zukunft der Region

Hagen.   Das Fotoprojekt „Die andere Sicht“ sucht im Hagener Osthaus-Museum nach Sollbruchstellen auf dem Weg in die Zukunft der Region.

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Fotografie verändert sich, seit es sie gibt. Im Ausstellungsbetrieb stehen aber in der Regel die arrivierten Meister im Blickpunkt. Dabei sind es die jungen Künstler, die neue Wege wagen – zum Beispiel mit dem Projekt „Die andere Sicht“. Das Hagener Osthaus-Museum zeigt jetzt die Arbeiten von zehn Studierenden der Hochschule für Künste Bremen aus der Klasse von Prof. Peter Bialobrzeski.

"Die andere Sicht hat den Vorteil, dass junge Fotografinnen und Fotografen ein Auge für die Region entwickeln und sie dadurch auf besondere Art und Weise charakterisieren, während die Einheimischen diesen Blick nicht mehr aufnehmen können“, so beschreibt Museumsdirektor Dr. Tayfun Belgin, warum er das Fotografie-Experiment für eine Ausstellung im renommierten Osthaus-Museum ausgewählt hat, dem ersten Museum für moderne Kunst weltweit. Dieser Auftrag des Kunst-Visionärs Karl Ernst Osthaus verpflichtet heute noch. Belgin: „Dass wir in diesem Museum junge Künstlerinnen und Künstler fördern und ihnen die Möglichkeit geben, an einem Ort von künstlerischer Bedeutung auszustellen und nicht in einem Rathaus, das ist die Tradition von Osthaus.“

Fotoausstellung "Die andere Sicht"

Was ist Heimat - Ein Rundgang durch die Fotoausstellung "Die andere Sicht" der Hochschule für Künste in Bremen und der Westfalenpost im Osthaus-Museum in Hagen. Die Ausstellung läuft noch bis zum 27. Mai 2018.
Fotoausstellung "Die andere Sicht"

Spurensuche mit der Kamera

Die zehn Studierenden und ihr Professor, der renommierte Fotograf Peter Bialobrzeski, haben vor anderthalb Jahren die Region Südwestfalen im Auftrag unserer Redaktion mit der Kamera erkundet. Sie sollten nach Spuren des Strukturwandels suchen und die Sollbruchstellen zwischen Vergangenheit und Zukunft ausloten. Die Ergebnisse sind teilweise bereits in unserer Zeitung publiziert worden; der Klartext-Verlag hat sie als Bildband herausgebracht. Die Reaktionen waren gemischt. Denn die Fotografen haben keine Postkartenidyllen im Sinn, sondern Lebens- und Architekturwirklichkeiten. Manchen ist dieses Bild der Heimat zu kritisch. Doch im Kontext der Museumswände verändern sich die Fotografien noch einmal, gewinnen an Präsenz und treten in einen spannenden Dialog miteinander.

Sabine Lewandowski hat den Drei-Türme-Weg in Hagen erwandert – mitten im Oktober in einer Phase außergewöhnlich schlechten Wetters. Dabei entdeckte sie, wie das Licht Landschaften verändert. Ihre Arbeiten korrespondieren mit den Aufnahmen, die Christina Stohn vom digitalen Lernen an der Fernuniversität Hagen gemacht hat – menschenleere Räume, in denen die Technik ansonsten überfüllte Hörsäle ersetzt.

Bei aller Tristesse wird in den Bildern immer die Sehnsucht der Menschen nach Schönheit spürbar. Etwa, wenn Peter Bialobrzeski Hagener Hinterhöfe erforscht, in denen es mehr Platz für parkende Autos gibt als für spielende Kinder, die Bewohner sich aber größte Mühe geben, ihre Balkone kunstvoll zu bepflanzen.

Neue Lebensräume

Ricardo Nunes hat die Brücken von Hagen dokumentiert – Zeugnisse eines Stadtplanerwahns aus der Beton-Epoche der 1960er und 1970er, jetzt zum großen Teil marode, die neue kleine Lebensräume erzeugt haben. Ricardo Nunes gehört zu den Studierenden, die inzwischen ihr Examen abgelegt haben und nun auf dem Weg zu einer Künstlerkarriere sind. Er ist einer von acht Preisträgern beim Fotowettbewerb „Gute Aussichten“ und hat seit dem südwestfälischen Foto-Experiment bereits in den Deichtorhallen Hamburg und im NRW-Forum Düsseldorf ausgestellt. Marvin Systermans ist mit seiner in Arnsberg fotografierten Serie „Glaube, Sitte, Heimat“ auf die Shortlist des Sony World Photography Awards gekommen. In der Rückschau ziehen die Künstler ein positives Resümee. „Ich würde das jederzeit wieder machen“, bekräftigt Christina Stohn.

„Die andere Sicht“ macht Strukturen offenkundig, die aus Gewohnheit übersehen werden. Laura Achenbach hat sich mit dem Bergbau im Siegerland beschäftigt. Ihre Fotografien hängen in einem Kabinett, das selbst wie ein Stollen anmutet. In den großen Abzügen erkennt man erst, wie faszinierend sich die natürlichen Strukturen des Steins und die Überreste der technischen Artefakte des Montanära im Laufe der Jahrhunderte angenähert haben.

„Ich finde es immer interessant, wenn andere Leute diese Dinge für einen entdecken, auch die Schönheit in einer Stadt wie Hagen“, bilanziert Tayfun Belgin. „Das entdeckende Auge der Anderen, das ist für mich die andere Sicht.“

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