Gemeinschaft

Hohenlimburger Nachbarschaft wehrt sich gegen Wildschweine

Susanne Hillmann vor ihrem Garten in Hohenlimburg

Susanne Hillmann vor ihrem Garten in Hohenlimburg

Foto: Marcel Krombusch

Hohenlimburg.   Regelmäßig pflügen Wildschweine Gärten in Hohenlimburg um. Zum Schutz ergriffen mehrere Nachbarn nun zu einer radikalen Maßnahme

In den vergangenen beiden Jahren war der Blick in den eigenen Garten für Susanne Hillmann oft ein Graus. Die Wiese: umgepflügt. Die Beete: zerrupft. Der Maschendrahtzaun: kaputt. Alles verursacht von Wildschweinen. Regelmäßig kommen die Tiere nahe an ihr Haus am Katernberg und hinterlassen deutliche Spuren – sowohl in ihrem Garten, als auch in angrenzenden Nachbargärten ringsrum, so Hillmann.

„Im letzten halben Jahr hat sich das Problem verschärft.“ Meistens kämen die Tiere bei Nacht. Aber nicht nur. „Einmal hat mein Mann morgens im Garten drei ausgewachsene Wildschweine mit zwanzig Frischlingen gesehen.“ Überrascht habe sie, wie wenig scheu die Tiere seien. Vom Hupen eines Autos und lauten Rufen ließen sie sich kaum verscheuchen. „Und man hat schon Respekt vor den Tieren. Ungefährlich sind sie ja nicht.“

Bekanntes Phänomen

Für eine Stadt wie Hagen, in der Stadt und Wald eng aneinander grenzen, sind Wildschwein-Sichtungen ein bekanntes Phänomen. „Wir bekommen häufig Meldungen von Menschen, die Wildschweine im Garten gesehen haben“, sagt Martin Holl, Förster beim Wirtschaftsbetrieb Hagen. Die Population sei in den vergangenen Jahren deutlich gewachsen. Denn mit dem wärmeren Klima steige auch das Nahrungsangebot, Eichen und Buchen trügen mehr Früchten. „Außerdem wird in der Landwirtschaft mehr Mais und Raps angebaut.“

Auch auf den Wiesen heimischer Gärten finden Wildschweine reichlich Nahrung. Insekten und Würmer liegen nur knapp unterhalb der Grasnarbe. Um ihre Nahrung zu erreichen, pflügen sie die Wiesen komplett um, wie im Falle von Susanne Hillmann.

Forderungen nach Schadensersatz? Zwecklos, sagt Martin Holl. Denn Wildschweine seien rechtlich gesehen „herrenlos“, die Schäden der Tiere könnten nur bei land- und forstwirtschaftlich genutzten Flächen geltend gemacht werden.

Auch gejagt werden dürften die Tiere in Wohngebieten nicht, da diese als „befriedete Gebiete“ von jeglicher Jagd ausgeschlossen seien. Unterm Strich gelte im Falle von Schäden durch Wildschweine also „Eigentum verpflichtet“, so Martin Holl.

Schutz durch Zaun

Susanne Hillmann und ihre Nachbarn kennt diese Erklärungen. Sie blieben mit dem Problem allein – und schlossen sich zusammen. Gemeinsam baute die Nachbarschaft einen Zaun aus Baustahlplatten um die betroffenen Grundstücke. Knapp ein Meter hoch, hundert Meter lang und mit Erdankern tief im Boden befestigt. Kosten: Rund 1.500 Euro.

Am vergangenen Wochenende verankerten sie den letzten Zaun-Abschnitt im Boden. „Jetzt sollte alles dicht sein“, sagt Hillmann. Ob sich der Aufwand gelohnt hat, werden die kommenden Wochen und Monate zeigen. Aber einen ersten Erfolg gebe es bereits. „Eine Nachbarin hat gesehen, wie mehrere Wildschweine vor dem Zaun standen und nicht durchkamen.“

Sollte sich der Zaun dauerhaft bewähren, wollen die Nachbarn gemeinsam ein großes Grillfest feiern. Denn trotz all dem Ärger um die Wildschweine: „Bei der gemeinsamen Arbeit mit den Nachbarn war schon auch Spaß dabei“.

Wenn sie dann keine Wildschweine mehr befürchtet, will Susanne Hillmann mit ihrem Mann den heimischen Garten mit neuen Pflanzen beleben. Konkrete Pläne zur Verschönerung gebe es noch nicht. „Aber auf jeden Fall wird es etwas pflegeleichtes.“

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