Baustelle

Hochzeit an der Lennetalbrücke in Hagen: Teile sind vereint

Nur noch wenige Meter sind die beiden Teile der neuen Lennetalbrücke voneinander entfernt. Am Mittwoch wird Stahl-Hochzeit auf der Baustelle gefeiert.

Nur noch wenige Meter sind die beiden Teile der neuen Lennetalbrücke voneinander entfernt. Am Mittwoch wird Stahl-Hochzeit auf der Baustelle gefeiert.

Foto: Michael Kleinrensing / WP

Hagen.  Stahl-Hochzeit an der Lennetalbrücke in Hagen: Der nördliche und der südliche Teil des neuen Bauwerks finden am Mittwoch zueinander.

Der Sekt steht bereit. Der Zeremonienmeister trägt ihn am Ende bis nach vorne. Da, wo zusammenfindet, was zusammen gehört. Die Flasche ist mit Tape verklebt. Und als das glückliche Paar zum Kuss ansetzt, wird sie zwischen den Lippen zerquetscht. Klirr.

Der Zeremonienmeister arbeitet bei der Firma Zwickau Sonderstahlbau (ZSB) und ist als Projektleiter in Hagen dafür zuständig, dass die Stahl-Hochzeit gefeiert werden kann. Dafür, dass der südliche Teil und der nördliche Teil der Lennetalbrücke, über die einmal die Autobahn 45 verlaufen soll, passgenau zueinander finden.

Brückenteile werden bis auf fünf Zentimeter aneinandergeschoben

Dass das der Fall ist – daran haben die Verantwortlichen von ZSB und vom Landesbetrieb Straßen NRW nicht den geringsten Zweifel. Auch nicht, als sich am Ende der Hochzeit eine Höhendifferenz ergibt. „Das ist kein Problem“, sagt Michael Neumann, Projektleiter bei Straßen NRW. „Das machen wir über die Feinjustierung.“

Bis auf fünf Zentimeter werden die beiden Brückenteile aneinander geschoben. Nah genug, um eine Sektflasche (übrigens alkoholfrei) zu zerquetschen. „Damit kommt das sogenannte Taktschiebverfahren zum Ende und die Stahlbauarbeiten sind weitestgehen abgeschlossen.“

Dass sich die Brückenteile über Wochen und Monate aufeinander zubewegt haben, war mit bloßem Auge kaum zu erkennen. „Vier bis sechs Meter legen die Teile pro Stunde maximal zurück“, so Neumann. Unterbrochen wird der Prozess immer wieder durch Ausgleichs- und Anpassungsarbeiten.

Hochzeitsfeier hat bereits am Montag begonnen

Die Hochzeitsfeier hat im Grunde bereits am Montag begonnen. „Dahinter steckt ein sehr komplexer statischer Vorgang“, sagt Michael Neumann. „Am Ende muss die Brücke austariert und eingemessen werden. Die Teile werden dann spannungsfrei verschweißt.“

Im Anschluss werden die Brückenteile ausgekleidet. Zum Schluss wird die Fahrbahndecke eingezogen. „Bei einer Brückenlänge von rund 1000 Metern wird das allerdings einige Zeit in Anspruch nehmen“, so Neumann. Das Ziel: Mitte 2020 soll diese Brückenhälfte so weit fertig sein, dass der Verkehr vierspurig darüber laufen kann. Dann wiederum wird der westliche Brückenteil, über den derzeit der Verkehr läuft und der noch auf Behelfspfeilern einige Meter neben seiner finalen Position liegt, auf der gesamten Länge quer an den östlichen Brückenteil herangeschoben.

Quereinschub einer 1000 Meter langen Brücke

„In dieser Dimension dürfte das bislang einmalig sein“, sagt Neumann, der hofft, dass Ende des nächsten Jahres dann der Verkehr auf beiden Brückenteilen freigegeben werden kann. „Das ist ja für die Autofahrer die wichtigste Nachricht. Dann sind nur noch Restarbeiten unter der Brücke erforderlich, die man von oben kaum wahrnehmen wird.“

So entsteht die Lennetalbrücke

Immerhin: Für die Hagener gibt es noch eine positive Nachricht: Die derzeit wegen der Brückenbauarbeiten gesperrte Dolomitstraße soll im Laufe des Oktobers wieder freigegeben werden. „Saniert wird dann noch die kleine Brücke an der Sudfeldstraße“, so Neumann. „Hier kann es immer mal wieder vereinzelt zu Sperrungen kommen.“

Zeremonienmeister steuert Hochzeit am Laptop

Der Zeremonienmeister sitzt am Laptop. Von hier aus steuert Mirko Winter mit einem eigens für die Hagener Bedürfnisse geschriebenen Programm die Trauung. Von Hochzeitromantik fehlt jede Spur. „Obwohl ich übernächste Woche auch schon fünf Jahre an dieser Baustelle bin“, sagt der Mann, dessen sächsischer Dialekt seine Herkunft verrät. „Für uns Stahlbauer ist so etwas Alltag.“ Also kein Sekt. Zumindest nicht für Mirko Winter und seine Kollegen.

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