Extremsport

Hagener Ultra-Läuferin und ihr Kampf mit Kopf und Körper

Andrea Löw bei ihrer jüngsten Herausforderung: „The Track“ in Australien. Im Hintergrund ist der Mount Connors zu sehen.

Andrea Löw bei ihrer jüngsten Herausforderung: „The Track“ in Australien. Im Hintergrund ist der Mount Connors zu sehen.

Foto: CanalAventure©G.Pielke&D.Lemanski

Hagen.  250 Kilometer durch die Wüste - und das laufend. Andrea Löw, in Hagen geborene Extremsportlerin, liest aus ihrem Buch. Und gibt mehr Einblicke.

Mit einem zehn Kilogramm schweren Rucksack Hunderte Kilometer bei 45 Grad durch die Wüste laufen: Was für die meisten Menschen nach einem Alptraum klingt, bedeutet für Andrea Löw unendliches Glück. Die Extremsportlerin nimmt an Ultraläufen über mehrere Etappen in aller Welt teil.

Ob Vietnam, Australien oder Namibia: Löw läuft durch die entlegensten Gebiete fernab jeglicher Zivilisation und lernt dabei die Länder, deren Natur und nicht zuletzt sich selbst intensiv kennen. Über die Erlebnisse bei ihren Läufen hat Löw, die in Hagen geboren wurde und früher beim TSV erfolgreich Basketball spielte, das Buch „Happy Running“ geschrieben, aus dem sie jetzt in der Buchhandlung Thalia vorgelesen hat.

Im Rucksack gibt es noch nicht mal Wechselkleidung

250 Kilometer läuft Andrea Löw in sechs Tagen durch die Namib-Wüste. Heißer Wind peitscht ihr entgegen. „Es hat sich angefühlt wie ein Föhn“, illustriert sie ihre Erfahrungen beim „Sahara Race 2017“, das in diesem Jahr aufgrund politischer Risiken statt in Ägypten in Namibia stattfand.

Ihr Rucksack ist schwer, aber nur mit dem Nötigsten bepackt. Wechselkleidung gehört nicht dazu. Dafür hat Löw im Rucksack alles, um sich selbst zu versorgen: Getränkepulver, einen Wasserkocher und Sportriegel etwa. Das Leben auf ihren Etappenläufen ist spartanisch. Auch Duschen fehlen in den Camps, in denen sie mit Dutzenden anderen Sportlern übernachtet.

„Ich war verschwitzt, meine Haut voll mit rotem Sand – irgendwann war das alles egal“, berichtet die Sportlerin. Sie habe gelernt, mit ganz wenig auszukommen: „Mal kein Internet und keine Telefonverbindung zu haben, das ist auch befreiend“, findet Löw. Ihre Tage in der Wüste bestünden aus „laufen, essen, reden, schlafen“.

522 Kilometer durch das australische Outback

Läufe in extremer Abgeschiedenheit bedeuten alleine sein – alleine mit sich, seinen Gedanken und der Natur. Diese Einsamkeit hat Löw ganz frisch in diesem Jahr noch einmal ganz intensiv erlebt – bei „The Track“, einem Etappenlauf, der 522 Kilometer durch das australische Outback führt. Die Erlebnisse dieses Laufes schildert sie nicht in ihrem Buch, sondern erzählt sie ganz exklusiv für ihre Zuhörer.

„Natürlich gibt es während eines solchen Laufes auch Krisen. Wenn man so im Outback läuft und nur Wüste sieht, bekommt man schnell das Gefühl, nie anzukommen“, schildert sie beispielhaft einen der Tiefpunkte ihrer Läufe. Angesichts von Etappen von teilweise 137 Kilometern scheint dieses Gefühl verständlich.

Kopf trägt den Körper ins Ziel

An Tagen mit einem solchen Pensum laufen die Teilnehmer oft mehr als 24 Stunden und bis in die Nacht hinein: „Manche Läufer kamen erst früh morgens an. Die werden bei ihrer Ankunft im Camp gefeiert, es gibt einfach einen riesigen Zusammenhalt zwischen den Läufern.“ Wichtig ist bei Ultraläufen nicht nur die Physis, sondern besonders die Bewältigung der Kilometer auf emotionaler und psychischer Ebene. Löw ist überzeugt: „Der Kopf trägt den Körper ins Ziel.“ Bei „The Track“ hat das bei 18 von 38 Köpfen geklappt – Löws gehörte dazu, auch wenn sie zu Beginn skeptisch war und großen Respekt vor ihrem bisher längsten Etappenlauf hatte.

Daraus leitet die Hagenerin die Botschaft für ihre Zuhörer ab: „Es muss nicht der Traum vom Ultralauf sein, es kann auch etwas völlig anderes sein: Lebt euren Traum.“

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