Geschichte

Hagener Schädelknochen liegen jetzt im Raum der Toten

Vom ältesten Westfalen ist nur ein kleines Stückchen übrig: Lioba Hamacher, Volontärin im Fachdienst Wissenschaft, Museen und Archive, betrachtet einen Teil eines Kinderschädels, der in der Blätterhöhle gefunden wurde.

Vom ältesten Westfalen ist nur ein kleines Stückchen übrig: Lioba Hamacher, Volontärin im Fachdienst Wissenschaft, Museen und Archive, betrachtet einen Teil eines Kinderschädels, der in der Blätterhöhle gefunden wurde.

Foto: Michael Kleinrensing

Vorhalle.   Einen Raum der Toten hat jetzt das Museum für Ur- und Frühgeschichte im Wasserschloss Werdringen. Hier werden Funde aus der Blätterhöhle gezeigt.

Dieser Raum steckt voller Geschichte. Und es ist eine Geschichte, die sich fortsetzt. Nicht weil Gegenwart zur Geschichte wird. Sonder weil an der Blätterhöhle in Hagen immer weiter gegraben wird. Und mit jeder Schicht, die die Wissenschaftler in und vor der Höhle abtragen, dringen sie weiter in die Vergangenheit vor.

All das, was die Archäologen zu Tage gefördert haben und noch fördern, wird künftig in diesem Raum voller Geschichte gezeigt. „Das ist der Raum der Toten“, sagt Ralf Blank, Leiter des Fachdienstes Musen, Wissenschaft und Archive der Stadt Hagen, „die Knochen, die wir dort gefunden haben, stammen von Toten. Die Höhle war Begräbnisstätte.“

Erstmals seit Herbst ist das Museum wieder geöffnet

Der „Raum der Toten“ ist eigens im Museum für Ur- und Frühgeschichte eingerichtet worden und wird – ebenso wie das seit Herbst geschlossene Museum – am internationalen Museumstag eröffnet. Am Sonntag, 19. Mai, gibt es ab 14 Uhr ein besonderes Programm mit Fachvorträgen des Grabungsleiters Wolfgang Heuschen und mit einer Rallye für kleine Besucher.

Ausgrabungen in der Blätterhöhle

Gezeigt werden hier künftig der älteste Westfale, der älteste Hund Westfalens, die Rekonstruktion eines Schädels, Werkzeuge, Pfeilspitzen und vieles mehr. „Wer die Funde der Blätterhöhle sehen will, muss jetzt nicht mehr nach Berlin oder Bonn fahren“, sagt Blank in Anspielung auf die Bedeutung der Funde, die dazu geführt hat, dass sie immer wieder von renommierten Museen ausgeliehen werden.

Weg in die Höhle ist auf Monitor zu sehen

Dazu kommen Monitore, auf denen der Weg durch einen schmalen Kriechgang in die Blätterhöhle hinein zu sehen ist. Und ein Film, der die Rekonstruktion eines Gesichtes zeigt, das von einem Schädel abgeleitet wurde, der aus dem Jahr 3600 vor Christus stammt.

Westfalens ältester Hund liegt vor der Blätterhöhle

Für den passenden Rahmen sorgt Museumsgestalter Michael Wienand, der den Raum einer Höhle nachempfindet. „Der Raum wirkt ganz bewusst eher dunkel und eng – so wie die Bedingungen in der Blätterhöhle selbst. Davor zeigen wir, mit welchen Werkzeugen und Methoden Archäologen arbeiten.“ An der Wand hängt eine Karte, die die Schichtenfolge auf dem Vorplatz dokumentiert.

Zeitreise in und vor Blätterhöhle geht weiter

Funde wie ein sogenannter Pfeilschaft-Glätter, die auf dem Vorplatz an der Blätterhöhle zu Tage gefördert wurden, werden in einer Vitrine vor dem „Raum der Toten“ gezeigt. Dazu kommen Pfeilspitzen, die – wie Ralf Blank sagt – man bislang nur aus dem französischen Raum gekannt habe.

Dass die Zeitreise an der Blätterhöhle in Holthausen weitergeht und es künftig im Grunde weitere Vitrinen im Wasserschloss braucht – daran besteht für Blank kein Zweifel. „Die nächste Grabungskampagne startet im Juli und dauert bis in den September hinein“, so der studierte Historiker und Archäologe, „eine geschlossene Schichtenfolge macht die Blätterhöhle zu einer der bedeutendsten Fundstellen Europas. Ich kann mir durchaus vorstellen, dass die Wissenschaftler dort bis in die Altsteinzeit vordringen. Dann reden wir von 15.000 bis 20.000 Jahren vor unserer Zeit.“

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