Politik

Hagener Grünen-Geschäftsführer wechselt ins Stadtarchiv

Hubertus Wolzenburg, Geschäftsführer der Grünen-Ratsfraktion, kehrt im Herbst dem Politikbetrieb in Hagen den Rücken und wird Mitarbeiter des Stadtarchivs.

Hubertus Wolzenburg, Geschäftsführer der Grünen-Ratsfraktion, kehrt im Herbst dem Politikbetrieb in Hagen den Rücken und wird Mitarbeiter des Stadtarchivs.

Foto: Michael Kleinrensing / WP Michael Kleinrensing

Hagen.  Die Ratsfraktion der Hagener Grünen muss sich einen neuen Geschäftsführer suchen. Hubertus Wolzenburg wechselt im Herbst ins Hagener Stadtarchiv.

Fast zwei Jahrzehnte zählte er zu jenen grauen Eminenzen im Politikbetrieb des Hagener Rathauses, die gerne im Hintergrund bleiben, aber dennoch überall ihre Finger reinstecken, das Ohr ans Gleis legen, Entscheidungsfindungen steuern und die erforderlichen Strippen ziehen, damit die Mandatsträger immer passend informiert sind. Als „Zuarbeiter fürs Ehrenamt“ interpretierte Hubertus Wolzenburg stets seinen Job. Als Geschäftsführer der Grünen-Ratsfraktion agierte er an den Nahtstellen zwischen Politik, Verwaltung, Oberbürgermeister und den verschiedenen Gremien. Jetzt wechselt der Politik-Profi zum 1. November ins Hagener Stadtarchiv in das Team von Dr. Ralf Blank, Leiter des Fachdienstes Wissenschaft, Museen und Archive.

Der Dienstälteste

„So habe ich endlich mal wieder die Möglichkeit als Historiker zu arbeiten“, betont der Wehringhauser, der sich nach entsprechendem Studium in Wuppertal im Jahr 2000 zwischen einer halben Promotionsstelle in Potsdam und einer Schwangerschaftsvertretung bei den Hagener Grünen entscheiden musste. Dass er dieser Rolle einmal als dienstältester Fraktionsgeschäftsführer im Hagener Rathaus agieren würde, hätte er seinerzeit auch kaum erwartet: „Aber jetzt eröffnet sich aufgrund eines Ruheständlers in dem Ressort für mich die Möglichkeit, für die Stadt, die mir am Herzen liegt, was zu machen.“

„Seit dem Studium habe ich keine klassische Archivarbeit mehr geleistet“, weiß Wolzenburg, dass er mit 52 Jahren auch noch einmal in einen Lern- und Auffrischungsprozess einsteigen muss. Doch auch das Fraktionsarchiv der Hagener Grünen – früher verstaut in imposanten Aktenregalen, heute gespeichert auf Datenträgern – genießt im Rathaus durchaus Legendenstatus, zumal Wolzenburg der respektvoll gemeinte Ruf eines Jägers und Sammlers anhaftet.

Aufgrund seiner langjährigen Erfahrung hat er einen untrüglichen Instinkt entwickelt, welche Fakten tatsächlich relevant und somit bewahrenswert ist – eine Qualität, die die Grünen-Mandatsträger in der Sacharbeit so stark macht. So greift das elektronische Archiv der Grünen sogar zwei Jahrzehnte tiefer als das öffentlich zugängliche Ratsinformationssystem (Allris), glaubt Wolzenburg, in diesem Bereich auch Impulse für das Hagener Stadtarchiv geben zu können: „Das ist eine unterschätzte Einrichtung, die machen dort eine tolle Arbeit“, ist der 52-Jährige, der auch Mitglied der Grünen ist, voll des Lobes für die künftigen Kollegen.

Kein Abschied im Groll

Spekulationen aus der Politik, er kehre den Grünen nur deshalb den Rücken, weil nach der Kommunalwahl 2020 und den danach zu erwartenden Personalrochaden in den Fraktionsbänken eventuell ein anderer politischer Zungenschlag vorherrschen könne, verwies Wolzenburg ins Reich der Fabel: „Ich habe mit niemandem so tiefe Zerwürfnisse, dass dies ein Problem wäre. Und eine gut vernetzte Geschäftsstelle kann jeder Politiker gut gebrauchen“, bilanziert er durchaus selbstbewusst. „Ich hinterlasse die Fraktion in einem guten Zustand“, will der Historiker die verbleibenden Wochen nutzen, seine in gut 19 Jahren entstandenen Spuren zu strukturieren oder zu beseitigen, um eine saubere Übergabe zu gewährleisten.

Leserkommentare (1) Kommentar schreiben