Atommüll

Hagener entwirft seine Vision eines Endlagers für Atommüll

Dieser Mann hat einen Plan: Volker Göbel, Ingenieur aus Hagen, hat eine Vision für ein Atommüll-Endlager entwickelt.

Dieser Mann hat einen Plan: Volker Göbel, Ingenieur aus Hagen, hat eine Vision für ein Atommüll-Endlager entwickelt.

Foto: Michael Kleinrensing / WP

Hagen.  Volker Göbel aus Hagen ist selbstbewusster Ingenieur. Sieben Jahre hat er geplant. Jetzt stellt er seine Vision für ein Atommüll-Endlager vor.

Es geht um ein Loch. Um ein tiefes Loch. Um ein sehr tiefes Loch, das eines lieben Tages im sehr tiefen Mecklenburg-Vorpommern in den Boden gebohrt werden könnte. Doch hinter diesem sehr tiefen Loch steckt ein Kopf aus Hagen – Volker Göbel aus Hagen, ein 54-jähriger Ingenieur, der längst seinen Ruhestand genießen dürfte, wenn denn das sehr tiefe Loch im sehr tiefen Mecklenburg-Vorpommern einmal seinen Betrieb aufnehmen sollte.

Ruhestand scheint fern. Die Tage jetzt sind für Volker Göbel geprägt durch Aktionismus. Denn die Diskussion um ein Atommüll-Endlager in Deutschland, in dem radioaktive Reste eine Million Jahre abgedichtet liegen können, nimmt gerade richtig Fahrt auf. Genau dafür soll das 2,7 Kilometer tiefe Loch einmal geschaffen werden.

Ausführungsplanung zum Patent eingereicht

Genau genommen handelt es sich nicht um ein sehr tiefes Loch. In Wirklichkeit geht es um neun sehr tiefe Löcher, deren Planung die Freizeit des festangestellten Ingenieurs dominiert. Deshalb hat er nun vier Meter hohe Pläne des sehr tiefen Lochs mit in die Redaktion gebracht, die sich an keiner Wand im Gebäude ordentlich aufhängen ließen. Göbel breitet sie auf dem Boden, erklärt, dass der Titel DBHD für „Deep Big Hole Disposal“ (Tiefe, Große Loch-Lagerung) aus und sagt: „Die Ausführungsplanung steht. Sie ist zum Patent angemeldet.“

Volker Göbel aus Hagen, der sich selbst als Endlager-Fachplaner bezeichnet, ist längst nicht der einzige, der sich mit der Endlagerung von Atommüll beschäftigt. Was nach seinen Angaben DBHD allerdings von anderen unterscheide: Es gehe ausschließlich in Schächte mit einem Durchmesser von zwölf Metern in die Tiefe. Waagerechte Stollen, wie sie in Bergwerken vorkommen, seien nicht vorgesehen und – laut Volker Göbel – auch gar nicht notwendig. Ein Faktor, der erheblich dazu beitragen könne, Kosten zu reduzieren.

Löcher können vier Eiszeiten überstehen

Weil diese unterirdischen Bauwerke so lange halten müssen, wie es sich eigentlich kaum seriös prognostizieren lässt, erklärt Göbel, dass die sehr tiefen Löcher so ausgelegt seien, dass sie ganze vier Eiszeiten, Bodenerosionen und einen Anstieg der Meeresspiegel überstehen würden. „Alles mit eingepreist“, sagt er. Die Kastor-Behälter sollen fugenlos in Beton liegen – absolut erosionssicher.

Das Base, das Bundesamt für die Sicherheit der nuklearen Entsorgung, habe zwei Wettbewerbe ausgeschrieben, so Volker Göbel. Er sei mit seiner Idee eines Endlagers im Rennen. Es geht um 27.000 Kubikmeter hoch radioaktiven Abfalls in 1900 Behältern, die mit Schließung der letzten Atomkraftwerke im Jahr 2022 übrig bleiben.

Hagener wünscht sich eine solide Diskussion über sein Modell

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50 Milliarden Euro an Kosten fielen, so Göbel weiter, nach herkömmlicher Methode für die Endlagerung an. 6,4 Milliarden lediglich, wenn sein Modell zum Tragen käme. „Es wird immer noch in klassischen Bergwerken gedacht“, sagt Volker Göbel, der sich nach eigenen Angaben seit sieben Jahren ohne einen großen Konzern im Rücken mit den Planungen beschäftigt ist und als Leiter der Kalkulation bei einem Generalbauunternehmen arbeitet. „Das ist uneffizient und dauert lange. Ich möchte erreichen, dass über meinen Vorschlag solide diskutiert wird – auf einer sachlichen, ingenieurtechnischen Ebene.“

Viele seiner Erkenntnisse hat Göbel auch in einer Bewerbung als Base-Vizepräsident zusammengefasst, die er im Sommer an die Aufsichtsbehörde geschickt und auf seiner eigenen Internetseite öffentlich zugänglich gemacht hat. DBHD werde, falls er den Posten bekomme, dann zu einer Mitarbeiter-Erfindung und das Base Co-Erfinder. In einem Begleitschreiben erläutert er, was die Anstellung des „Vizepräsidenten Volker Göbel in der Öffentlichkeit“ bedeute. Unter anderem profitiere die Base, weil sie sich dann nicht für die real existierenden Pläne von Göbel „verhauen“ lassen müsse.

Löcher sollen zwischen Wismar und Rostock gebohrt werden

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Bedarf für seine Endlager-Vision sieht Göbel, der sich selbst in der Bewerbung als „Terrier“ und „Bluthund“ bezeichnet und erklärt, bereits Gespräche mit dem Ministerpräsidenten von Mecklenburg-Vorpommern und dem Innenminister des Landes geführt zu haben, auch in 34 weiteren Ländern. „Die Standortfrage kann über das Schicksal einer Region entscheiden“, sagt Göbel, der selbst für seine sehr tiefen Löcher ein Areal in Glasin zwischen Rostock und Wismar ins Auge gefasst hat, weil es „bestmögliche geologische Voraussetzungen biete“.

Sieben Jahre arbeitet Göbel an dem Projekt. Mit vier Versuchen sei er gescheitert. „Dabei habe ich meinen Ruf bei vielen Bundestagsabgeordneten ruiniert“, sagt er. Aber: „Jetzt werde ich zu Expertenvorträgen eingeladen. Jetzt hat man erkannt: Der Typ ist hartnäckig.“ Jetzt, so ist er überzeugt, ist ihm ein großer Wurf gelungen. „Gerade jetzt, wo alle nach Notausgängen suchen, will ich meinen Weg beginnen.“

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