Finanzen

Hagen verplempert Tausende Euros für zu teure Lagerhallen

Die von der Stadt angemieteten Lagerflächen der Spedition Priller an der Rehstraße sind der Politik ein Dorn im Auge. Der Fachbereich Jugend und Soziales soll die dort untergestellten Wohnungseinrichtungsgegenstände günstiger beim Werkhof einlagern.

Die von der Stadt angemieteten Lagerflächen der Spedition Priller an der Rehstraße sind der Politik ein Dorn im Auge. Der Fachbereich Jugend und Soziales soll die dort untergestellten Wohnungseinrichtungsgegenstände günstiger beim Werkhof einlagern.

Foto: Martin Weiske

Hagen.  Die Anmietungspraxis für städtische Möbellagerflächen sind der SPD ein Dorn im Auge. Wurde hier von der Verwaltung reichlich Geld verschwendet?

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Hat die Stadt Hagen über Jahre Tausende Euros für die Anmietung von privaten Lagerflächen verplempert, obwohl ein städtisches Tochterunternehmen den gleichen Service zum halben Preis anbietet? Diesem Verdacht sieht sich aktuell der Fachbereich Jugend und Soziales unter der Regie von Dezernentin Margarita Kaufmann ausgesetzt. Entspechend hat die SPD-Fraktion für die kommende Ratssitzung (14. November) einen Beschlussvorschlag formuliert, wonach das Ressort umgehend seine Anmietungspraxis auf neue Füße stellen soll.

Im Zentrum der Kritik steht die Einlagerungspraxis für Ausstattungsgegenständen zur Einrichtung von Wohnungen und Sammelunterkünften für Flüchtlinge und Wohnungslose. Als die Flüchtlingswelle 2014/15 über Hagen hinweg schwappte, benötigte die Sozialverwaltung kurzfristig Abstellflächen für Matratzen, Betten, Kühlschränke und Waschmaschinen, Tische und Stühle sowie Kleiderschränke.

Attraktives Angebot der Möbelspedition Priller

Daraufhin wurden ab 15. Dezember 2015 in der Rehstraße kurzerhand 800 Quadratmeter in einem Lagerhaus der Spedition Priller für 1904 Euro/Monat (2 €/qm + MWSt) angemietet. Ein unbefristeter Kontrakt, für den die Stadt bislang gut 90.000 Euro an Priller-Geschäftsführer Christoph Purps, zugleich CDU-Kreisvorsitzender, überwiesen hat. Dieser hatte in der Akut-Phase der Flüchtlingswelle auf Anfrage der Stadt seine Kapazitäten gerne zur Verfügung gestellt – für einen im Vergleich zu Mitbewerbern durchaus attraktiven Mietzins, wie Purps ausdrücklich betont.

Erst fünf Monate später kamen weitere 1600 Quadratmeter Lagerfläche bei der städtischen Tochtergesellschaft Werkhof in der Obernahmer hinzu. Dort gibt es seitdem die Unterstellmöglichkeit für Mobiliar aller Art sogar zum halben Preis (1 €/qm). Und es wären für den Spartarif sogar weitere Flächen zu haben: „Die Kapazitäten sind da“, bestätigt Werkhof-Geschäftsführer Ralph Osthoff und bedauert gleichzeitig: „Schade, dass wir nicht weiter eingebunden sind. Jeder Deckungsbeitrag hilft uns und bleibt zudem noch im Konzern Stadt.“

Günstigere Lagerflächen wieder reduziert

Eine wirtschaftliche Konstellation, die Margarita Kaufmann als Mitglied des Werkhof-Aufsichtsrates durchaus vertraut sein dürfte. Stattdessen hat ihr Ressort in der Vergangenheit die günstigen Lagerflächen in Hohenlimburg sogar schrittweise auf inzwischen bloß noch 600 Quadratmeter reduziert, aber gleichzeitig an den doppelt so teuren Kapazitäten in Wehringhausen festgehalten.

Ein Gebaren, das zumindest bei der SPD auf totales Unverständnis stößt. Zumal es am Ende sogar Mitarbeiter des Werkhofes sind, die das Inventar aus der Priller-Lagerhalle im Auftrag des Fachbereichs Jugend und Soziales abholen und ausliefern müssen. Vor diesem Hintergrund schlagen die Genossen für die Ratssitzung nicht bloß vor, das Depot an der Rehstraße zugunsten des Werkhofes sofort zu kündigen, sondern auch eine Logistik aus einer Hand für die Wohnungseinrichtungen unter der Regie des Werkhofes zu etablieren.

Ratsbeschluss gibt Werkhof den Vorzug

„Dies unterstützt den Werkhof als sozialen Arbeitgeber und wichtigen Akteur bei der Qualifizierung und Wiedereingliederung von Langzeitarbeitslosen und erspart der Stadt auch Mietkosten in erheblichem Umfang“, erinnert SPD-Fraktionschef Claus Rudel Dezernentin Kaufmann parallel auch noch an einen Ratsbeschluss vom Mai 2019: Seinerzeit hatte die Politik der Stadtverwaltung ausdrücklich ist Stammbuch geschrieben, der finanziell nicht auf Rosen gebetteten Stadttochter Werkhof konsequent mit Aufträgen unter die Arme zu greifen.

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