Interview

Hagen: So hat ein Arzt wegen Diabetes das Leben umgekrempelt

Der in Hagen aufgewachsene Dr. Rainer Limpinsel  –  als Musiker auch als „Mambo Kurt" bekannt –  ist Mediziner, er litt aber auch unter Diabetes. Durch Umstellung seiner Lebensgewohnheiten und Gewichtsreduktion muss er kein Insulin mehr spritzen. Dazu hat er mehrere Ratgeber-Bücher geschrieben. 

Der in Hagen aufgewachsene Dr. Rainer Limpinsel  – als Musiker auch als „Mambo Kurt" bekannt – ist Mediziner, er litt aber auch unter Diabetes. Durch Umstellung seiner Lebensgewohnheiten und Gewichtsreduktion muss er kein Insulin mehr spritzen. Dazu hat er mehrere Ratgeber-Bücher geschrieben. 

Foto: Trias Verlag

Hagen.  Rainer Limpinsel ist Mediziner. Das hat ihn nicht davor bewahrt, durch seine Lebensgewohnheiten an Diabetes zu erkranken. Das brachte die Wende.

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Cola, Limo, der Eintopf aus der Dose oder ein Grill-Hähnchen. So sah der ganz normale Speiseplan aus. Dr. Rainer Limpinsel ist in Hagen in den 70er- und 80er-Jahren so aufgewachsen wie viele andere auch. Und obwohl er selbst Medizin studiert und als Arzt gearbeitet hat, ist er in ein ungesundes Leben gerutscht. Mit Übergewicht und Diabetes Typ 2 – also nicht der Auto-Immun-Erkrankung, sondern der „erworbenen“ Form der Krankheit. Doch Rainer Limpinsel, der auch als Musiker „Mambo Kurt“ bekannt ist, hat sein Leben umgekrempelt. In mittlerweile acht Büchern gibt er Betroffenen Lebenshilfe.

Predigen Sie den Verzicht?

Dr. Rainer Limpinsel Nein, überhaupt nicht, ganz im Gegenteil. Ich esse mich weiter jeden Tag satt. Ich liebe gutes Essen, ich trinke auch Alkohol und ich mache genauso Party wie früher – mit dem Unterschied, dass ich heute länger fit bin. diabetes typ 1- wiebke rübel zeigt leben mit krankheit

Wie ist es dazugekommen?

Ich habe mich lange so ernährt wie viele andere. Früher war für mich eine Jägersoße mit Geschmacksverstärker, danach ein Schokopudding und abends noch Chips das perfekte Essen. Ich hab mich damit auch noch nicht mal unwohl gefühlt. Im Jahr 2007 ist dann aber bei mir im 40. Lebensjahr Diabetes Typ 2 diagnostiziert worden. Ich hatte einen Langzeit-Blutzuckerwert von 14,1 Prozent. Alle, die sich mit Diabetes auskennen , können an dem Wert erkennen, wie schlecht es mir ging. Ein Jahr lang habe ich dann Insulin gespritzt. Aber dann habe ich mein Leben total umgekrempelt.

Wie haben Sie das gemacht?

Ich habe vor allem mein Gewicht reduziert. Danach habe ich wieder genug körpereigenes Insulin produziert, um ohne Medikamente auszukommen. Bei einer Größe von 1,80 Metern hatte ich 2007 rund 100 Kilogramm gewogen. Dann habe ich 30 Kilo abgenommen. Aber nicht mit einer speziellen Diät, sondern mit dem Grundsatz: Ich esse keine Chemie mehr. Und damit halte ich auch mein Gewicht.

Was bedeutet das?

Ganz einfach: Ich esse nur noch die Dinge, bei denen ich weiß, was darin steckt. Wann immer ich etwas auf der Packung lese, was ich nicht verstehe oder was nach Geschmacksverstärker aussieht, dann esse ich das auch nicht. Wenn ich in einem Restaurant etwas bestelle, dann frage ich ganz genau, welche Zusatzstoffe enthalten sind. Das führt dazu, dass ich beim Chinesen so lange frage, bis ich etwas ganz ohne Zusatzstoffe bekomme. Und das schmeckt unglaublich lecker.

Also muss man sich mit vernünftigem Essen nicht quälen?

Überhaupt nicht. Meine Frau ernährt sich ja schon lange sehr gesund. Ich hab das früher nicht nachvollziehen können, ich dachte, da ist doch gar kein Geschmack drin. Aber das stimmt nicht. Noch einmal: Ich esse mich jeden Tag satt. Aber wenn ich mit gesunden und wertvollen Lebensmitteln morgens frühstücke, habe ich auch nicht so schnell wieder Hunger. Dann kommt es nicht zu diesen Heißhunger-Attacken.

Viele sagen: Gutes Essen ist teuer, das können sich viele nicht leisten. Stimmt das?

Nein, das ist Quatsch. Natürlich kann ich mittags einen billigen Döner für 2,50 Euro essen. Dann habe ich aber schnell wieder Hunger und kaufe mir auch noch einen Schokoriegel. Das kostet am Ende mehr Geld, als wenn ich frische Lebensmittel kaufe. Und wenn ich die An- und Abfahrt und die Wartezeit im Dönerladen noch dazu rechne, dann kann ich in der Zeit auch etwas kochen. Das spart definitiv Zeit und Geld.

Sie sind selbst Arzt, propagieren aber das Prinzip, dass zu schnell Medikamente verschrieben werden und dass man sie nicht braucht, um Diabetes zu besiegen. Sind Sie mit den Thesen unbeliebt bei ihren Kollegen?

Nein, überhaupt nicht. Ich greife ja auch gar nicht die Kollegen an. Ich habe schon vor Medizinern gesprochen, die nachher stehend applaudiert haben. Viele Ärzte reagieren ja auch erst auf die bestehende Nachfrage. Typ 2-Diabetiker wollen ja gerne die Medikamente haben, sie wollen nicht unbedingt ihr Leben umstellen. Da erscheint es einfacher, Medikamente zu schlucken oder zu spritzen. Wer mich sicher nicht mag, ist die Pharmaindustrie. Man darf nicht vergessen, dass Diabetes ein Riesengeschäft ist. Es geht um Kosten, die jedes Jahr den Wert von sechs Berliner Flughäfen haben.

Ihr aktuelles Buch „Schatz, der Bauch muss weg“, das Sie mit Ihrer Frau zusammen geschrieben haben, ist Ihr achtes Buch. Sie sind zum Teil Bestseller. Aber glauben Sie, dass die Leser ihre Ratschläge wirklich beherzigen?

Ich mache mir da nichts vor, viele kaufen die Büchern, lesen Sie auch, Sie ändern aber nicht ihr Leben. Generell ist es meiner Meinung so, dass nur fünf Prozent aller Diabetes Typ 2-Patienten tatsächlich ihre Lebensweise ändern wollen, dass sie ohne Insulin auskommen wollen. Und davon schaffen es dann aber auch nur fünf Prozent. Ich habe auch schon Kurse angeboten, um Menschen dabei zu begleiten. Da gab es aber keine Anmeldungen. Auf der anderen Seite weiß ich von Lesern, die 5 bis 13 Kilogramm abgenommen haben und ohne Insulin auskommen. Allein schon deshalb haben sich die Bücher gelohnt. Ich werde weiter Bücher schreiben, Lesungen und Vorträge halten und als Chefredakteur einen Newsletter zu dem Thema verbreiten. Durch die Art, wie sich große Teile der Bevölkerung ernähren, werden wir in Deutschland auf eine Diabetes-Gesellschaft zusteuern. Das wird ein großes Problem.

Wenn Sie über Diabetes schreiben, dann liest man nicht, dass sie eigentlich auch Musiker sind, dass sie als „Mambo Kurt“ sehr bekannt sind. Warum?

Da bin ich tatsächlich zwei Personen. Als Doktor Rainer Limpinsel spreche ich nicht über Musik, und als Mambo Kurt nicht über Diabetes Typ 2. Ich möchte das nicht vermischen.

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