Bevölkerungsentwicklung

Hagen schrumpft bis ins Jahr 2040 langsamer als vorhergesagt

Jochen Klapheck leitet seit einem Jahr das Ressort Statistik, Stadtforschung und Wahlen bei der Stadt Hagen.

Jochen Klapheck leitet seit einem Jahr das Ressort Statistik, Stadtforschung und Wahlen bei der Stadt Hagen.

Foto: Esther Schöttke (Stadt Hagen)

Hagen.  Im Jahr 2040 wird es lediglich noch 180.400 Hagener geben. Diese Entwicklung prognostizierten die Statistiker des Landes Nordrhein-Westfalen.

Während in ganz Nordrhein-Westfalen die Einwohnerzahlen bis zum Jahr 2040 leicht ansteigen sollen, wird für die Stadt Hagen weiterhin ein Bevölkerungsrückgang prognostiziert. Das geht aus der aktuellen Modellrechnung zur zukünftigen Bevölkerungsentwicklung in den Städten und Gemeinden des Landes hervor, die am Montag vom Statistischen Landesamt (IT NRW) vorgelegt wurde. Demnach wird die Zahl der Hagener von zuletzt 187.700 (Stand: Januar 2018) bis Januar 2040 auf 180.400 zurückgehen (-3,9 Prozent). Damit fällt das Minus absehbar deutlich geringer als vor fünf Jahren erwartet aus, als für Hagen etwa 165.000 Bewohner vorhergesagt wurden.

Mehr Sterbefälle als Geburten

Als Ursache für die sinkenden Zahlen machen die Statistiker einen erheblichen Sterbeüberschuss aus. Dieser wird auch in den nächsten beiden Jahrzehnten von einer steigenden Geburtenrate, so die These des Landes, nicht aufgefangen, so dass unter dem Strich hier ein Minus von 8,1 Prozent erwartet wird. Dem steht allerdings ein Bevölkerungszuwachs in Hagen von 4,2 Prozent gegenüber, der weiterhin durch einen Zuwanderungsüberschuss im Vergleich zu den Fortzügen entstehen soll.

Auffällig bleibt zudem, dass IT NRW mit deutlich geringeren Bevölkerungszahlen für Hagen operiert als die Stadt selbst. In Düsseldorf zählten die Experten zum Jahresende 2018 exakt 188.814 Bürger entlang der Volme, während im städtischen Melderegister zum gleichen Zeitpunkt 194.879 Menschen verzeichnet waren – also gut 6000 mehr. „Diese Diskrepanz kann sich keiner so wirklich erklären“, betont Jochen Klapheck, Ressortchef der Hagener Amtes für Statistik und Stadtforschung. Er sei in ständigem Austausch mit seinen Kollegen von IT NRW, um die Ursachen zu ergründen. „Die Gespräche sind alle sehr konstruktiv, aber es gibt – wie übrigens auch bei vielen anderen Städten – noch kein klares Ergebnis.“ Dabei drängt vor allem auch Kämmerer Christoph Gerbersmann auf Klärung der erheblichen statistischen Differenz, weil von der Einwohnerzahl die Zuteilung der Schlüsselzuweisungen des Landes abhängt und Hagen somit regelmäßig Steuermittel durch die Lappen gehen.

Berechnung bleibt Black-Box

Basisgrundlage für die Landesdaten ist der Zensus von 2011, also eine hochgerechnete Stichprobe, die seitdem mit Hilfe eines Einwohnermeldeprogramms automatisiert fortgeschrieben wird. Dennoch lauf die Zahlen, die auf den Meldedaten der Stadt Hagen fußen, immer weiter auseinander. „Wir können die unterschiedlichen Berechnungsarten nicht nachvollziehen“, erzählt Klapheck, „für uns ist das eine Black-Box“. Daher überlegt er bereits, sich auch mit dem Softwarehersteller in Verbindung zu setzen, um der Ursache auf den Grund zu gehen. „Wir sind sehr unglücklich mit der Situation“, möchte der Hagener Ressortchef nicht erst bis zum nächsten Zensus im Jahr 2021 warten, bei dem sich die Werte absehbar wieder annähern werden.

Dennoch hegt er keine grundsätzlichen Zweifel an der aufgezeigten Vorausberechnung der Landesstatistiker: Auch in Hagen erwartet aktuell niemand, dass die Bevölkerung in den nächsten Jahrzehnten steigen könnte. Allerdings wird der Einbruch längst nicht so massiv ausfallen wie bereits einmal angenommen.

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