Sinfoniekonzert

Hagen: Philharmoniker begeistern Publikum mit Schumanns Peri

Probe zu "Das Paradies und die Peri"  mit den Hagener Philharmonikern, dem Chor  und den Solisten: v.l. Andrew Nolen, Cristina Piccardi, Evelyn Krahe, Prof. Dominik Wortig, Gmd Joseph Trafton,  Angela Davis 

Probe zu "Das Paradies und die Peri" mit den Hagener Philharmonikern, dem Chor und den Solisten: v.l. Andrew Nolen, Cristina Piccardi, Evelyn Krahe, Prof. Dominik Wortig, Gmd Joseph Trafton,  Angela Davis 

Foto: Yala Pierenkemper / Theater Hagen

Hagen.  Die Hagener Philharmoniker spielen Schumanns orientalisches Märchen „Paradies und Peri“. Warum das ein besonderes Konzert war, verraten wir hier

Engelsflügel flattern in der Harfe, und fahle grenztonale Melodielinien ziehen alle Farben aus der Musik. Denn es wütet die Pest. „Das Paradies und die Peri“ war zu Lebzeiten die erfolgreichste Komposition Robert Schumanns. Zum ersten Mal überhaupt spielen die Hagener Philharmoniker das 1843 uraufgeführte Werk – ein großer Abend vor vollem Haus und begeistertem Publikum. Heute steht das persische Märchen um eine verstoßene Fee, die Einlass in den Himmel sucht, nur noch selten auf den Konzertprogrammen, denn es verlangt elf Gesangssolisten. In Hagen garantieren zudem der Philharmonische Chor und der Bach-Chor Klanggenuss auf hohem Niveau.

Tenor Prof. Dominik Wortig stimmt die Ballade vom wilden Jäger und dem unschuldigen Knaben an, singt von dem Mörder und Schänder, dessen Reue am Ende die Erlösung bringt. Das ist ein Schauerstück in bester romantischer Tradition, das dem Sänger viel interpretatorische Freiheit überantwortet. Entsprechend wechselt Dominik Wortig fein abgestuft zwischen Gesang und Deklamation, denn bei Robert Schumann wird das Sprechen zu einer Steigerung von Singen.

Musik wird zur Kunstreligion

Schumann hat „Das Paradies und die Peri“ auf der Basis von Thomas Moores Großgedicht „Lalla Rookh“ als weltliches Oratorium konzipiert und war überzeugt, damit einer neuen Gattung ins Leben geholfen zu haben, „nicht für den Betsaal, sondern für heitere Menschen“. Statt Arie und Rezitativ des barocken Oratoriums setzt Schumann die neuen Stilmittel der Romantik ein: Lied, Ballade und Melodram. Für das romantische Bürgertum wird die Kunst zur Religion, Kontemplation und Transzendenz suchen sie nicht in der Kirche, sondern im Konzertsaal. Das orientalische Kolorit der Peri-Geschichte trifft die romantische Sehnsucht nach dem Ungewöhnlichen, Fremden und Exotischen.

GMD Joseph Trafton zelebriert mit den Hagener Philharmonikern ebenso konzentriert wie leidenschaftlich den überfließenden musikalischen Reichtum der Partitur. Allerdings bettet Trafton diese Farben in einen durchweg gut abgemischten, weichen romantischen Klang ein, schärft also nicht die gegensätzlichen Facetten. In der Orchestereinleitung stolpern die typischen gegenläufigen Schumann-Pulse noch ein wenig, doch das spielt sich rasch ein. Wenn dann der Chor das Kriegslied des Sultans anstimmt, erklingen die Janitscharen-Instrumente: große Trommel, Becken und Triangel. Der herbe Choral der Hörner verwandelt sich in ein Wiegenlied für zwei tote Liebende, das ist so innig-schlicht, dass es selbst den Musikern die Tränen in die Augen treibt.

Wunderbare Solisten in Hagen

Die Stimmen übernehmen bei Schumann solistisch und im Solistenquartett vielfältige dramaturgische Aufgaben. Die Sopranistin Angela Davis ist eine wunderbare Peri zwischen Zweifel, Hoffnung und Entschlossenheit. Evelyn Krahe singt den Engel mit spektakulärem Alt. Cristina Piccadi findet himmelhoch flirrende Koloraturen für die Jungfrau, und Andrew Nolen verleiht dem Sultan einen profunden Bass, während Kenneth Mattice die Bariton-Partien mit feinen lyrischen Glanzlichtern interpretiert.

Mit seiner kostbaren Tenorstimme, deren Timbre wie glühende Bronze schimmert, wird Dominik Wortig zum leidenschaftlichen Anwalt für die Erzählung, denn er deutet den Text so belebt und ausdrucksstark aus, dass das Publikum die dreifache Pilgerfahrt der Peri bis zum glücklichen Ende gleichsam atemlos mit durchleidet. Der großartig intonierte Chor der Seligen wird schließlich zur hohen Schule der musikalischen Erlösung.

Hagener Philharmoniker gut in Form

Die Hagener Philharmoniker sind derzeit vorzüglich in Form, all die kleinen überraschenden Details des Notentextes werden voller Spielfreude und Sorgfalt ausmusiziert, und die Hörer kommen aus dem Staunen gar nicht wieder heraus. Bei den Nil-Genien, zum Beispiel, hat auch schon Richard Wagner gut zugehört, sie werden zu den Patentanten der Rheintöchter.

Es ist immer problematisch, derart ergreifende umfangreiche Chor-Orchesterwerke mit weiteren Kompositionen zusammenzuspannen. So war am Ende des Konzerts völlig vergessen, dass zum Beginn „Blue Cathedral“ der amerikanischen Komponistin Jennifer Higdon erklang, ein Stück, das vor allem mit seinem vielfältigen und reichen Schlagzeug-Behandlung interessiert.

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