Gastronomie

Hagen: Dicke Luft rund ums Schlosscafé Werdringen

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Betreibt das Schlosscafé in Werdringen: Shpejtim Krasniqi. Doch die Stadt Hagen hat den Pachtvertrag gekündigt.

Betreibt das Schlosscafé in Werdringen: Shpejtim Krasniqi. Doch die Stadt Hagen hat den Pachtvertrag gekündigt.

Foto: Michael Kleinrensing

Hagen.  Die Stadt Hagen hat Shpejtim Krasniqi, Pächter des Ausflugscafés in Werdringen, gekündigt. Er zieht nun vor Gericht. Hier die Hintergründe.

Die Lage ist vertrackt. Beide Seiten fühlen sich im Recht, eine Einigung scheint nicht in Sicht zu sein. Die Rede ist vom Schlosscafé Werdringen am Wasserschloss Werdringen und von Pächter Shpejtim Krasniqi. Die Stadt Hagen als Besitzerin der Immobile hat dem 43-Jährigen die Kündigung ausgesprochen. Montag verlangt die Stadt den Auszug samt Schlüsselübergabe.

Doch Shpejtim Krasniqi sagt mit fester Stimme: „Ich ziehe hier nicht aus. Die Stadt verhält sich rücksichtslos, echt erbarmungslos.“

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Rückblick: Ende 2019 hatte die Stadt Hagen per Ausschreibung einen neuen Pächter für das Schlosscafé gesucht, Shpejtim Krasniqi erhielt schließlich den Zuschlag und eröffnete das Ausflugs­café am 18. Januar 2020. Knapp zwei Monate später musste er – wie alle Gastronomen – bis Ende Mai coronabedingt schließen.

Wenige Monate später dann der zweite Lockdown, „bis Juni 2021, ich hatte also erneut acht Monate geschlossen“, blickt der gebürtige Kosovo-Albaner deprimiert zurück.

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Einen Monat später suchte dann das Hochwasser Hagen heim, „das Schlosscafé war zwar nicht direkt betroffen, aber viele Straßen waren gesperrt, und es fuhren kaum noch Busse. Zu mir kommen normalerweise viele Rentner mit dem Bus“. Daraufhin schloss Shpejtim Krasniqi erneut für eine Woche den Betrieb. Nun ist er wieder im Tritt, versucht, mit den verschärften Corona-Schutzbestimmungen klar zu kommen, „wir kämpfen uns durch“, sagt 43-Jährige.

Doch da ist die Sache mit der Kündigung: Der Pachtvertrag läuft für ein Jahr; wenn keiner der beiden Vertragspartner kündigt, verlängert er sich automatisch um ein Jahr. Doch die Stadt Hagen machte von ihrem Recht Gebrauch und kündigte den Vertrag am 1. Januar 2021.

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Aufgrund des Umsatzausfalls in der Pandemie standen Zahlungen aus, „ich hab’ um Stundung gebeten und als dann meine Überbrückungshilfe kam, auch nachgezahlt“, sagt der 43-Jährige. Mitte Juli 2021 habe er den offenen Betrag ausgeglichen, 5507 Euro überwiesen. Um sich über Wasser halten zu können, habe er schon vor längerer Zeit einen Kredit aufgenommen, stottere jeden Monat 330 Euro ab, und er habe sich bei Eltern und Freunden Geld geliehen.

Finanzieller Ruin droht

„Wenn ich das Café räumen muss, stehe ich vor dem finanziellen Ruin und muss Privatinsolvenz anmelden.“. Außerdem stünden dann seine derzeit vier Aushilfen (Krasniqi: „In Normalzeiten beschäftige ich zwei Festangestellte und sieben Aushilfen“) auf der Straße. „Ich musste in den letzten zwei Jahren den Betrieb 345 Tage geschlossen halten, aber das ist der Stadt egal. Auch mein offener Brief an den Oberbürgermeister, an Bezirksbürgermeister Kohaupt und an den Fachbereichsleiter Kultur, Tayfun Belgin, wurde mit keiner Zeile beantwortet.“

Auf Nachfrage unserer Zeitung, wie die Stadt zum Pachtvertrag mit Shpejtim Krasniqi steht, heißt es, dass zu Vertragsangelegenheiten grundsätzlich keine detaillierten Auskünfte gegeben würden. Stadtsprecher Michael Kaub führt aus: „Nach längeren Differenzen mit Herrn Krasniqi haben wir den Vertrag ordentlich zum 31. Januar 2022 gekündigt (mit einem Vorlauf von 13 und nicht sechs Monaten, wie rechtlich eigentlich ausreichend).“ Und weiter: „Die Fortsetzung des Pachtverhältnisses wird aus verschiedenen Gründen von der Stadt Hagen nicht gewünscht.“

Shpejtim Krasniqi spricht von Schikane, die Stadt wolle einfach einen anderen Pächter einsetzen, „ich habe mir einen Anwalt genommen – wir ziehen vor Gericht.“

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