Kultur

Hagen: Ballett-Tänzer zeigen als Choreographen ihr Können

Balletttänzer werden beim Projekt „SubsTanz“ zu Choreographen auf Zeit. Das Bild zeigt eine Szene aus der Choreographie „Little P.4.0“ von Noemi Emanuela Martone. Im Vordergrund ist Dario Rigaglia, im Hintergrund sind Tänzer aus dem Ensemble zu sehen.

Balletttänzer werden beim Projekt „SubsTanz“ zu Choreographen auf Zeit. Das Bild zeigt eine Szene aus der Choreographie „Little P.4.0“ von Noemi Emanuela Martone. Im Vordergrund ist Dario Rigaglia, im Hintergrund sind Tänzer aus dem Ensemble zu sehen.

Foto: Theater Hagen

Hagen-Mitte.  „SubsTanz“ heißt das Projekt, bei dem Hagener Ballett-Tänzer selbst choreographieren. Dafür ernten sie viel Applaus.

Aufgeregtes Raunen ging durch die Sitzreihen, als das Licht gedimmt wurde. Dann erwartungsvolles Schweigen, ein Scheinwerfer richtete sich auf die Bühne und die ersten Beats setzten ein. Schon bewegten sich die Tänzer der ersten Gruppe „System Break“ über die Bühne, die Blicke aus mit weißen Kontaktlinsen versehen Augen durchbohrten die Zuschauer.

So begann am Donnerstag die Premiere von „SubsTanz trifft Schumacher“, eine Ballettaufführung der besonderen Art. Denn hier durften die Tänzer des Hauses selbst choreographieren, inspiriert von den Werken Emil Schumachers in Gegenüberstellung mit K.R.H. Sonderborgs „Bildern von Raum und Zeit“.

13 Tänzer und sechs Choreographien

Während der letzten drei Monate hatten die 13 Tänzer des Hagener Theaters Zeit, die Kunstwerke auf sich wirken zu lassen und sechs Choreographien mit Bezug zu den Bildern zu entwickeln.

Die Musik, die Kostüme und die Maske, all das hatten die Tänzer selbstständig gestaltet und am Donnerstag zum ersten Mal präsentiert. An Vielfalt, Ausdruckskraft und Dynamik standen die Tänzer den Werken Schumachers in nichts nach. Nachdem „System Break“, choreographiert von Peter Copek, die Tänzer wie einen einzigen großen Organismus auferstehen, leben und schließlich nacheinander vergehen ließ, bewies Filipa Amorim mit ihrer Choreographie „Trinity“, dass es für einen gelungenen Tanz nicht einmal unbedingt Musik braucht.

Atmosphärisch wabernde Klänge und metallische Sounds begleiteten die Darbietung dreier Tänzer, die durch Bewegung starke Emotionen kommunizierten. Das Publikum zeigte sich bereits nach der ersten Hälfte tief beeindruckt.

„Auch mal die Tänzer kreativ werden zu lassen, ist eine wunderbare Idee. Ich war im letzten Jahr schon hier, als die Aufführung im großen Haus stattfand, das hat natürlich nochmal anders gewirkt“, urteilte Irene Heidasch.

Michaela Pradel fügte hinzu: „Es wird Unterschiedliches auf der Bühne gezeigt. Die Musik ist teilweise wirklich unkonventionell – das tänzerisch umzusetzen und so viel Körperbeherrschung zu zeigen, ist schon irre.“

Überragende Leistungen

Auch Peter Pordadnik war begeistert: „Ich war am Sonntag schon bei der Werkstattprobe. Die Leistungen, die hier erbracht werden, sind überragend, vor allem, wenn man bedenkt, dass es sich nicht um ausgebildete Choreographen handelt. Man könnte die Aufführung genauso gut im großen Haus zeigen.“

Nur der Bezug zu Emil Schumacher und dessen Werken habe ihm ein wenig gefehlt. „Ich hätte mir gewünscht, dass das entsprechende Kunstwerk, also die Inspiration für die Choreographie, irgendwo auf der Bühne präsentiert oder angesprochen würde.“

Ein weiteres Highlight des Abends stellte die Darbietung „iPaint“ der in dieser Saison gegründeten Tanzgruppe „iMove“ unter der Leitung der Ballettdirektorin Marguerite Donlon dar. Sie vereinte 18 junge Menschen aus Hagen und Umgebung mit unterschiedlichen Tanzerfahrungen, vom Anfänger bis zum erfahrenen „Mover“.

Gleitend wie ein Pinsel

Passend zum Titel der Choreographie glitten die jungen Tänzer über die Bühne wie ein Pinsel über das Papier. So wurde auch jungen Nachwuchstänzern, die diese Leidenschaft neu für sich entdeckt oder nach langer Zeit wiedergefunden hatten, die Chance gegeben, ihr Können unter Beweis zu stellen. Und auch der letzte Tanz des Abends „Fail-Able“, choreographiert von Dario Rigaglia, konnte überzeugen, denn inspiriert von Emil Schumachers Arbeiten mit Farben, denen er oft Sand oder Erde beifügte, und seinem Lebensweg, den er allen Hindernissen zuwider bestritt, entstand ein dynamisches, natürlich wirkendes Zusammenspiel aller Akteure.

„Nicht für Dich“

Nach einer gelungenen Premiere war Sara Peña guter Dinge. Sie hatte den fünften Tanz des Abends „Nicht für Dich“ choreographiert, in dem wichtige Lebensentscheidungen und die Unerfüllbarkeit mancher großer Wünsche eine zentrale Rolle spielten.

„Ich bin sehr zufrieden mit dem Ergebnis. Choreographieren und tanzen sind zwei völlig verschiedene Dinge. Beim Choreographieren hat man die Chance, das, was man ausdrücken möchte, auch selbst zu organisieren und zu gestalten, und beim Tanzen ist man derjenige oder diejenige, die genau das dann vermittelt.“

Einen kontinuierlichen Vorbereitungsprozess habe es nicht gegeben. „Ich kann nicht mehr genau sagen, wie lange wir insgesamt geprobt haben. Etwa im November haben wir angefangen und mit Unterbrechungen bis Ende Januar geübt“, erzählte die Tänzerin.

Auf die Frage, was ihr besser gefiele, zu tanzen oder zu choreographieren, gab Sara Peña keine eindeutige Antwort. „Beides hat seinen Reiz, aber ohne das Tanzen könnte ich wohl nicht leben.“

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben