Gleichberechtigung

Gendergerechte Sprache: Land sieht Stadt Hagen in Pflicht

Der Vorstoß der Stadt Hagen für einen gendersensiblen Sprachgebrauch sorgt weiter für Diskussionen.

Der Vorstoß der Stadt Hagen für einen gendersensiblen Sprachgebrauch sorgt weiter für Diskussionen.

Foto: Manuela Nossutta

Hagen.   Hagener*innen? Hagen diskutiert weiter die gendersensible Sprache, die die Stadt einführt. Die CDU-geführte Landesregierung sieht eine Pflicht.

Die „gendersensible Sprache“, die die Stadt Hagen sukzessive im Verwaltungs-Alltag einführen will, sorgt weiter für Diskussionen. Das zeigen eine Reihe von Leserzuschriften und Stellungnahmen aus dem politischen Bereich. So stärken die Grünen der Stadtverwaltung bei ihrem Plan den Rücken. Und auch die CDU-geführte Landesregierung stellt auf Anfrage der WESTFALENPOST klar: Es gibt die Pflicht einer sprachlichen Gleichbehandlung für die kommunalen Behörden. Wie das vor Ort gestalt wird, ist allerdings offen.

Wie berichtet, will die Stadt mit Hilfe einer Gruppe von Studenten der Fachhochschule für öffentliche Verwaltung ein gendergerechtes Wörterbuch für die Kommunalverwaltung Hagen erstellen, das geschlechtsumfassende Formulierungen enthält. Im Zweifel könne auch der so genannte Genderstern eingesetzt werden, dann hieße es zum Beispiel Hagener*innen in Schriftstücken der Verwaltung.

„Was die sprachliche Gleichbehandlung von Männern und Frauen angeht, so müssen sich die Kommunen an den Paragraphen 4 des Landesgleichstellungsgesetzes NRW halten“, so Robert Vornholt, Sprecher des Ministeriums für Heimat und Gleichstellung. „Es handelt sich um eine verpflichtende Regelung, also nicht um eine ‘Kann-Regelung’“. Dies gelte allerdings nur, solange es um Frauen und Männern gehe. Regelungen bezüglich des dritten Geschlechts (divers) gebe es nicht.

Genaue Richtlinien, wie die Kommunen die Verpflichtung umsetzen sollen, gibt es seitens der Landesregierung nicht. Allerdings heißt es wörtlich in dem Gesetz: „In Vordrucken sind geschlechtsneutrale Personenbezeichnungen zu verwenden. Sofern diese nicht gefunden werden können, sind die weibliche und die männliche Sprachform zu verwenden.“

Grüne unterstützen Vorstoß

Die Hagener Grünen begrüßen ausdrücklich die Initiative der Stadt Hagen: Dieser bewusste Umgang mit Sprache und die wertschätzende Ansprache aller Geschlechter entspringe nicht etwa einer Laune, sondern erfülle eine Verpflichtung aus dem Landesgleichstellungsgesetz.

„Das generische Maskulin kommt aus einer Zeit, als Sprachstrukturen im wahrsten Sinne des Wortes Herrschaftsstrukturen waren“, so Kreisverbandssprecherin Christa Stiller-Ludwig. „Das sollten wir hinter uns haben. Wer sich um geschlechtergerechte Sprache bemüht, wird bald feststellen, dass mit ein paar Regeln und sprachlicher Kreativität sperrige Bandwurmwörter und Aufzählungen vermieden werden können.“ Die Gleichstellungsstelle der Stadt Hagen habe für ihren Vorstoß öffentliche und kreative Unterstützung verdient.

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