Rocker-Prozess

Prozess: Freeway Rider bestreitet Schuss auf Hagener Bandido

Das Mitglied der Freeway kommt in den Gerichtssaal und grüßt seine Bekannten. Dahinter: Rechtsanwalt Dr. Goran Bronisch.

Das Mitglied der Freeway kommt in den Gerichtssaal und grüßt seine Bekannten. Dahinter: Rechtsanwalt Dr. Goran Bronisch.

Foto: Michael Kleinrensing

Hagen.   Viel Polizei und ein Angeklagter Freeway-Rocker, der nicht auf einen Bandido geschossen haben will. In Hagen ist der Rocker-Prozess gestartet.

Großes Polizeiaufgebot in und vor dem Gericht, viele Justizbeamte und Personenkontrollen am Saal 201. Vor dem Schwurgericht Hagen hat am Montag der Prozess gegen ein 58-jähriges Mitglied des Rockerclubs Freeway Riders begonnen, das am 5. Oktober aus einem fahrenden Auto auf ein Mitglied des rivalisierenden Clubs Bandidos geschossen haben soll.

Versuchter Totschlag lautet der Vorwurf. Dabei, so erklärte der Vorsitzende Richter Marcus Teich, gleich zum Auftakt, komme auch eine Verurteilung wegen versuchten Mordes in Betracht. Der Angeklagte, der gleich mit drei Verteidigern vor dem Schwurgericht erschienen war, bestreitet die Tat und belastet einen anderen Rocker schwer.

Angeklagter will selbst nicht geschossen haben

Er sei nach der Verlegung in die Justizvollzugsanstalt Hagen müde, sei unkonzentriert und wolle deshalb zunächst nicht aussagen, so erklärte der Verteidiger des 58-Jährigen. Seine Einlassung bei einem Haftprüfungstermin solle stattdessen als Aussage herhalten. Die allerdings ergänzte der Angeklagte Hagener, der als selbstständiger Kfz-Sachverständiger arbeitet, dann doch.

Prozess gegen Freeway-Riders-Mitglied in Hagen

Tenor der Aussage: Er selbst habe an der Frankfurter Straße nicht aus dem fahrenden BMW der Einser-Baureihe geschossen. Er habe sich vor dem Café Babylon auf den Verkehr konzentrieren müssen. Vor dem Café in Oberhagen sei das spätere Opfer auf den weißen Wagen zugestürmt. Er sei ausgewichen. „Ich musste auf den Gegenverkehr achten“, so der 58-Jährige, „von einem Schuss habe ich gar nichts mitbekommen.“

Pistole mit Schalldämpfer im Schoß des Beifahrers

Erst später, so berichtet der Angeklagte, habe er gesehen, dass eine Pistole mit Schalldämpfer auf dem Schoß seines Beifahrers gelegen habe. „Der hat geschrien, wir müssten schnell weg“, so der Angeklagte, „er wollte die Waffe verschwinden lassen.“

Gemeinsam sei man nach Dortmund gefahren. Zunächst zu einem Clubgelände, später zu der Wohnung des Beifahrers, der nach Aussage des Angeklagten Anwärters auf eine Freeyways-Mitgliedschaft war und noch am Abend zum Vollmitglied erklärt werden sollte. „In der Wohnung hat er mir in aller Ruhe einen Kaffee gekocht, geduscht, sich gewaschen, sich rasiert“, so der Angeklagte, „er hat mir einen Laptop gegeben. Ich sollte nachschauen, ob im Internet schon über die Schüsse berichtet wird.“

Beifahrer sagt als Zeuge am letzten Prozesstag aus

Später, so der Angeklagte, sei man dann zur Feier der Freeways in Hagen zurückgekehrt. „Ich habe mich ins Kassenhäuschen gesetzt, hatte keinen Bock mehr auf die ganze Geschichte“, erklärte der 58-Jährige. Der Schütze hingegen habe mit der Tat geprahlt. „Er hat sich feiern lassen.“

Der Beifahrer war nach der Tat wie drei weitere Mitglieder der Freeways (darunter auch der Angeklagte) festgenommen worden. Nach anfänglichem Schweigen hatte er sich dann aber zu einer Aussage bereiterklärt und den jetzt Angeklagten schwer belastet. Auch auf dieser Aussage fußt die Anklage. Im Prozess ist der Beifahrer als Zeuge geladen. Er soll am letzten Prozesstag aussagen.

Das Opfer, ein 26-Jähriger, der einst Freeway war und zu den Bandidos übergetreten sein soll, musste vor Gericht als Zeuge aussagen. An die Tat selbst, so erklärte er, könne er sich nicht erinnern. Auch weitere Zeugen aus dem Rocker-Milieu, die gegenüber der Polizei in den Tagen nach der Tat noch ausgesagt hatten, hüllten sich vor Gericht in Schweigen und wollten sich an nichts mehr erinnern.

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