Geburtstag von Wilfried Horn

Eine der größten Underdog-Storys in Hagens Geschichte

Ein Bild, das etwas über die Haltung von Alt-OB Wilfried Horn (Mitte) verrät. Ebenfalls Alt-OB Peter Demnitz (damals SPD) hängt ein Gemälde von Horn in die Oberbürgermeister-Galerie des Rathauses. Auch der Kontrahent von 1999, Dietmar Thieser (rechts) ist dabei. Das Foto ist aus dem Jahr 2005.

Ein Bild, das etwas über die Haltung von Alt-OB Wilfried Horn (Mitte) verrät. Ebenfalls Alt-OB Peter Demnitz (damals SPD) hängt ein Gemälde von Horn in die Oberbürgermeister-Galerie des Rathauses. Auch der Kontrahent von 1999, Dietmar Thieser (rechts) ist dabei. Das Foto ist aus dem Jahr 2005.

Foto: KLEINRENSING, Michael

Hohenlimburg.   Wilfried Horn ist 80 geworden. Sein Geburtstag ist ein Anlass, auf eines der größten Hagener Polit-Wunder der Nachkriegszeit zu blicken.

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Kurzer Prolog. Rückschauen dieser Art zu runden Geburtstagen haben meistens zwei Makel. Erstens neigen sie zur Glorifizierung und Verherrlichung des Lebenswerkes. Zweitens schreiben sie den Porträtierten Verdienste zu, an denen andere oft größeren Anteil hatten. Wie auch immer man persönlich auf Alt-Oberbürgermeister Wilfried Horn blicken mag. Eines dürfte die Gedanken von Freunden und Kritikern einen. Der Mann, der in der vergangenen Woche 80 Jahre alt wurde, ist immer noch die größte Underdog-Geschichte der Hagener Politik seit Ende des Zweiten Weltkriegs.

Montag, 27. September 1999. Der Maschinenschlosser Wilfried Horn fährt zur Arbeit. In die Firma Viler nach Letmathe. Das ist sein voller Ernst. Dabei hatte er am Vorabend in der Stichwahl sensationell Amtsinhaber Dietmar Thieser (SPD) entthront und war nun Oberbürgermeister von Hagen. Im Rathaus und den restlichen Verwaltungszweigen warten zu dieser Zeit 3700 Leute, dass der neue Chef durch die Tür kommt. Und der fährt in die Schlosserei.

„Tja“, sagt der Mann, der uns zu sich in die Möllerstraße eingeladen hat, „woher sollte ich denn ahnen, dass ich OB werde?“. Sicher, Horn hätte aus seiner eigenen politischen Karriere ableiten können, dass es bis dato immer nur nach vorn ging. Er, der Maschinenschlosser, Sohn eines Fernfahrers, christlich geprägt, hatte sich in der CDU seit 1969 nach oben bis in den Kreisvorstand gerackert.

Und dann war da plötzlich dieser eine Abend bei einer Veranstaltung in der Stadthalle. Horn steht neben Stephan Ramrath, dem heutigen CDU-Fraktionsvorsitzenden, als jemand diesen fragt, ob die CDU eigentlich schon einen Kandidaten für die OB-Wahl 1999 habe. „Nein“, sagt Ramrath kurz. Dann rutscht Horn raus: „Dann mache ich das einfach“. Es wurde wahr.

Ein Gegner der Eingemeindung

Wenn man mit diesem Mann ins Gespräch kommt, dann entpuppt sich sein Leben auch als eine Verkettung der Gegensätze. Horn war in jungen Jahren ein Malocher, später auch Betriebsratsmitglied. Die SPD hätte ihm inhaltlich und lebenslauftechnisch näher sein müssen. „Aber meine Eltern haben mich so christlich geprägt. Also fing ich in der christlich-demokratischen Arbeitergemeinschaft an und ging später in die CDU.“

Horn war noch Ratsmitglied in einem eigenständigen Hohenlimburg. Und einer der größten Gegner der Eingemeindung. „Dass ich mal Oberbürgermeister der Gesamtstadt Hagen werde, das war doch 1975 sozusagen noch ein Witz.“ Horn wollte in seiner Amtszeit als OB Hagen als Stadt des Sauerlandes positionieren. Er scheiterte mit seinem Ansinnen. Heute gehört Hagen zum Regionalverband Ruhr.

Die Gegensätze ziehen sich bis heute. Jeden Morgen um 9.15 Uhr – außer mittwochs und samstags – trifft er sich unter anderem mit Alt-OB Peter Demnitz (damals SPD), um mit den Hunden spazieren zu gehen. „Mit Peter habe ich immer inhaltlich gestritten, aber nie als Mensch. Er ist mein bester Freund geworden.“ Man entschuldige die saloppe Ausdrucksweise: Aber Klugscheißerei unter Alt-OBs, die gibt es nicht, wenn diese beiden Männer sich treffen. „Wir haben unsere Meinungen, aber wir sind nicht die, die heute alles besser machen würden und in ihrer Vorstellung früher die Besten waren. Ganz gewiss nicht. “ Und fürwahr: Horn zeigt kein Elder-Statesmen-Gehabe. Er tut nicht so, als wenn allein seine Lebensjahre und das einstige Amt ihm den Stein der Weisen verliehen hätten. Er ist irgendwie bei sich geblieben. Ganz unoberbürgermeisterlich.

Komplett-Umbau der Hagener City

Wie unerwartet Horn seine Wahl damals traf, zeigt der Tod von Emil Schumacher im Oktober 1999. Horn war gerade noch Maschinenschlosser. Jetzt stand er vor Hunderten Trauergästen in der Stadthalle mit einer OB-Kette um den hals und leite bei seiner Begrüßung direkt zum Redner nach ihm über: dem damaligen Bundeskanzler Gerhard Schröder.

Ein zweites Mal trat Horn 2004 nicht an. Die OB-Altersgrenze lag damals noch bei 68 Jahren. Horn war aber schon 66. Später wurde die Altersgrenze gestrichen. „Ich habe den Schritt nie bereut. Obwohl ich glaube, dass ich wiedergewählt worden wäre.“ In Horns Amtszeit fiel der Komplett-Umbau des Innenstadtkerns. Es passt irgendwie zu ihm, dass er die heutige Politik nicht aus der Sicht eines Alt-OB bewerten möchte. „Erik O. Schulz, das meine ich ganz ehrlich, wird sein Bestes für Hagen geben.“

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