Prozess

Einbruch bei Prosegur in Hagen: Täter lassen 25 Millionen Euro liegen

Mühevoll in die Wand aus Stahl und Beton gestemmt: Das Loch, aus dem drei Einbrecher 1,1 Million Euro angeln. 25 Millionen Euro bleiben liegen.  

Mühevoll in die Wand aus Stahl und Beton gestemmt: Das Loch, aus dem drei Einbrecher 1,1 Million Euro angeln. 25 Millionen Euro bleiben liegen.  

Foto: Polizei Hagen

Hagen.   In der Hagener Filiale des Sicherheitsunternehmens Prosegur erbeuten Diebe 1,1 Millionen Euro. Der Coup war mit Insiderwissen geplant.

Der unangenehme Vorfall wurde 15 Monate unter der Decke gehalten, jetzt kommt (durch einen Strafprozess) das volle Ausmaß ans Licht: Aus der Hagener Filiale des Sicherheitsunternehmens Prosegur wurden bei einem Einbruch gut 1,1 Millionen Euro erbeutet. Was für ein Pech für die Täter: Sie ließen mehr als 25 Millionen Euro zurück.

Hagen, Stadtteil Vorhalle: Dort, wo mehrere Gewerbebetriebe ihren Sitz haben, residiert auch Deutschlands Marktführer für Geld- und Werttransporte, die Firma Prosegur. Der Sicherheitsdienstleister hat seine Regional-Niederlassung gesichert wie Fort Knox: Hoher Zaun mit separater Schaltung, Bewegungsmelder, mehrere voneinander unabhängige Alarmanlagen, die mit der Notrufzentrale in Hannover ­verbunden sind. Und überall Kameras, jeder Quadratmeter wird strengstens überwacht. Soweit die Theorie.

Loch in Betonwand gestemmt

Die Praxis sah in diesem Fall ganz anders aus: Am 4. Februar letzten Jahres, einem Sonntagmorgen, öffnen gegen 5.45 Uhr früh Einbrecher den zuvor gelockerten Sicherheitszaun zum Firmengelände. Auf der Seitenwegkamera, so der örtliche Prosegur-Einsatzleiter (57) als Zeuge, war immerhin „ein Schatten drauf. Wir arbeiten im Geld- und Wertbereich, da sollte jede Bewegung dokumentiert werden.“ Drei bislang unbekannt gebliebene Täter zeigt das Überwachungsvideo. Sie dringen über einen aufgebrochenen Belüftungsschacht in die Fahrzeughalle ein, in der auch die gepanzerten Geldtransporter abgestellt sind.

Geldfischen mit Eisenstangen

Von dort geht es weiter in den Vorraum des großen Safes. Dazu wird ein Loch (1,50 Meter mal ein Meter) in die äußerere Kalksandsteinwand gebrochen. Jetzt muss nur noch der Tresor, in dem gut 26 Millionen Euro, verpackt in Kassetten, lagern, geknackt werden. Dazu wird in die Tresorwand aus Stahl und Beton ein 20 x 30 Zentimeter großes Loch gestemmt: Die Täter sind fast am Ziel.

Mit Hilfsmitteln, unter anderem Eisenstangen, fischen sie stundenlang Kassette um Kassette aus der Tresoröffnung. Am Montagmorgen, um 3.30 Uhr, brechen sie ihre Aktion jedoch abrupt ab und verlassen fluchtartig das Gelände. Denn eine Stunde später ist in dem Sicherheitsunternehmen Betriebsbeginn. Bis dahin hatten sie Kassetten mit einer Million und 98.980 Euro Inhalt aus dem Tresorloch geangelt. Mehr als 25 Millionen Euro lassen sie jedoch – wohl aus Zeitnot – zurück.

Gleich um halb fünf Uhr morgens fällt der Einbruch auf. „Im Tresorbereich ist mir ein beißender Geruch entgegengekommen,“, berichtet der Prosegur-Einsatzleiter, „dann fiel mir eine Leiter auf, eine Deckenplatte war lose und Geldkassetten lagen überall in der Halle verstreut.“

27 Mitarbeiter hatten Zugriff

Ermittlungen der Polizei ergaben, dass an sämtlichen Alarmanlagen weit im Vorfeld des Einbruchs per Computer elektronisch manipuliert worden war. Gerichtssprecherin Alexandra Bubenzer: „Einzelne Melder und Meldegruppen sind dabei aus den Alarmierungsschleifen herausgelöst worden. So wurde zwar vor Ort ein Alarm ausgelöst, dieser aber nicht an die Zentrale weitergegeben. Dadurch verlief der Einbruch unbemerkt.“

27 Prosegur-Mitarbeiter aus ganz Deutschland hätten von außen Zugriff auf die Hagener Alarmanlagen gehabt. In den Fokus der Ermittlungen geriet alsbald ein Firmen-Techniker (43) aus Essen. Er hatte sich heimlich und ohne Auftrag mit seinem Dienstlaptop an den Standort Hagen aufgeschaltet und mit einer Software, die im Internet frei zugänglich ist, den Alarm ausgetrickst.

Urteil: Vier Jahre Gefängnis

Das Schöffengericht Hagen verurteilte ihn deshalb zu vier Jahren Gefängnis. Staatsanwältin Julia Frehse: „Der Angeklagte war zuständig für den Schutz des Unternehmens und er hat das Unternehmen schutzlos gemacht.“

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