Bürgerversammlung

Eigeninteressen im Blick

Auf Stellwänden konnten sich die Bürger über die Planungen informieren.

Auf Stellwänden konnten sich die Bürger über die Planungen informieren.

Foto: Alex Talash

Hagen.   Fakten spielten bei der Versammlung zur Erweiterung der Drogenklinik im Deerth nur eine untergeordnete Rolle. Die Wut der Bürger überwog.

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Erheblichen Widerstand hatte sie schon erwartet. Sogar deutlich mehr Menschen, die ihren Protest gegen die Erweiterung der Fachklinik Deerth formulieren. „Überrascht hat mich jedoch die Art und Weise, mit der die Wutbürger reagiert haben“, zeigt sich AWO-Geschäftsführerin Birgit Buchholz auch am Tag nach der abendlichen Bürgerinformation im Ratssaal noch arg enttäuscht, dass die Bevölkerung sich auch durch klare Fakten und konkrete Argumente nicht von ihrem vorgefassten Meinungsbild abbringen lasse. „Die Menschen haben immer nur ihre Eigeninteressen im Blick“, erwartet Buchholz ähnlich empörte Aufschreie, falls sie den Drogen-Maßregelvollzug an einem anderen Hagener Standort realisieren wolle.

Verlegung ist keine Option

Doch diese Option bestehe für den Wohlfahrtsverband gar nicht: „Das wäre für uns aus wirtschaftlichen Gründen schon gar nicht möglich, weil eine Zusammenführung der Fachklinik-Einheiten auf einem anderen Grundstück die Investitionskosten von gut zwölf Millionen Euro verdoppeln würde. Der AWO gehe es ausschließlich darum, mit der Erweiterung ihre Behandlungskette und somit das Therapiekonzept zu schließen.

„Bisher sind wir bei der Zuteilung der Patienten abhängig von anderen Kliniken“, möchte Birgit Buchholz hier durch die geplante Erweiterung unabhängiger agieren können. „Dann bekämen wir auch einen eigenen Gerichtsbezirk zugeordnet, und der Bestand des Suchtbereichs wäre somit zusätzlich perspektivisch abgesichert“, möchte die AWO mit der Investition natürlich auch die bestehenden Arbeitsplätze im Deerth sowie in der Volmeklinik in der Innenstadt absichern.

Angebot zu weiteren Gesprächen

Trotz der Negativ-Stimmung bei der ersten Bürgerinformationsveranstaltung gibt sich Buchholz überzeugt, dass eine politische Mehrheit für das Projekt noch möglich sei: „Es wäre ja auch einfach nicht fair, jetzt alles in Frage zu stellen. Natürlich stehen wir für weitere Gespräche zur Verfügung.“ Allerdings werde die AWO das Investitionsvorhaben jetzt deutlich vorsichtiger vorantreiben. Bislang ist der Wohlfahrtsverband bereits mit 500 000 Euro in Vorleistung gegangen. Erst wenn die Perspektive für einen Bauantrag realistischer werde, gehe man die offenen Fragen wieder offensiver an.

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