Seniorenbeirat

Die Aufteilung der Bundespost und die Folgen in Hagen

Johannes Bretzing ist tätig im Seniorenbeirat Telekom Hagen.

Johannes Bretzing ist tätig im Seniorenbeirat Telekom Hagen.

Foto: Michael Kleinrensing

Hagen.   Die Umwandlung der Bundespost in drei Unternehmen brachte massiveVeränderungen mit sich. Der Seniorenbeirat Telekom Hagen bündelt die Erinnerungen.

In der regelmäßig erscheinenden Broschüre des Seniorenbeirates der Telekom Hagen gibt es die Rubrik „Als die Telekom noch Fernmeldeamt hieß“. In der letzten Ausgabe wurde dort ein Hebdrehwähler vorgestellt.

Dabei handelt es sich um einen elektromechanischen Schalter, mit dem verschiedene Leitungen miteinander verbunden werden konnten. Eine Angelegenheit für Spezialisten wahrlich.

Vielzahl an Aktivitäten

Im digitalen Zeitalter gibt es keine Hebdrehwähler mehr bei der Telekom, und das einst staatliche Unternehmen ist ja auch längst kein Amt mehr. Es gibt ja nicht mal mehr ein Bundespostministerium, dem dieses Amt einstens zugeordnet war.

Doch die Erinnerungen an jene Zeit sind geblieben, sie werden gebündelt vom Seniorenbeirat Telekom Hagen, der in Verbindung steht zu über 1000 Ehemaligen der Telekom bzw. des Fernmeldeamtes. „Wir bieten eine Vielzahl an Aktivitäten“, berichtet Johannes Bretzing (64): „Dazu gehören Wanderungen, Reisen und Radtouren ebenso wie Stammtische, Besichtigungen oder Krankenbesuche.“

Turbulente Zeiten

Bretzing machte in jenen Jahren der Privatisierung der Deutschen Bundespost Karriere, die 1989 mit der Aufteilung in Postbank, Postdienst und Telekom ihren Anfang nahm und 1997 mit der Auflösung des Postministeriums endete. „Ich habe in Bonn gearbeitet, als das Ministerium in den letzten Zügen lag“, erinnert er sich.

Es waren turbulente Zeiten, der überwiegende Teil der Belegschaft sei mit dem Umbruch gar nicht glücklich gewesen und wäre gern Bundespostler geblieben: „Aber ganz ehrlich: Es ist niemand entlassen worden, es gab Vorruhestandsregelungen und großzügige Abfindungsangebote.“ Alle seien weich gefallen und niemand auf der Straße gelandet.

Am freien Markt behaupten

Auch in Hagen brachte die Umwandlung des Staatskonzerns in drei Unternehmen, die sich am freien Markt behaupten mussten, massive Veränderungen mit sich. Die einstige Post-Verwaltung am Berliner Platz wurde nicht mehr benötigt. Zwar gibt es dort noch eine Filiale der Postbank, doch den Großteil des Gebäudes nutzt heute als sogenanntes „Rathaus II“ die Stadtverwaltung.

Auch das 1983 errichtete Fernmeldeamt auf dem Höing ist jedem Hagener ein Begriff, es wurde nach der Privatisierung noch mehrere Jahre von der Telekom genutzt, die jedoch nach und nach alle Mitarbeiter abzog. Von 2014 bis 2017 residierte dort übergangsweise das Hildegardis-Gymnasium.

Keine Monopol mehr

Man habe den Lauf der Zeit nicht aufhalten können, so Bretzing, der weiß, dass es unter den aktuellen und ehemaligen Mitarbeitern auch andere Stimmen gibt: „Aber der Markt ist nun mal offen, wir haben kein Monopol mehr. Heute muss die Telekom wirtschaftlich denken.“ Das bringe u.a. mit sich, dass ein Service-Mitarbeiter bei einem Termin vor Ort keine Zeit mehr habe, um mit dem Kunden eine Tasse Kaffee zu trinken.

Doch auf ihre berufliche Tätigkeit, ob nun beim Fernmeldeamt oder der Telekom, sind viele Ehemalige nach wie vor stolz. Im Rahmen der zahlreichen Angebote des Seniorenbeirats, darunter auch Handy- und PC-Schulungen, treffen sie sich und tauschen Erlebtes aus.

Der Datenschutz

Allerdings wird es für den Seniorenbeirat zunehmend schwierig, neue Rentner bzw. Pensionäre ausfindig zu machen, da die Telekom aus Datenschutzgründen keine entsprechenden Mitteilungen weitergeben darf. „Ich finde, da wird der Datenschutz ein bisschen übertrieben“, so Bretzing: „Früher war das anders.“

Die Zeiten haben sich eben grundlegend geändert.

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