Team Nightrider

Deutschlands schnellster Finanzbeamter kommt aus Hagen

Foto: WR

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Michael Merse ist Deutschlands schnellster Finanzbeamter — zumindest auf zwei Rädern. Die Kurzstrecke vom Kuhlerkamp zur Arbeit am Emilienplatz fährt er aber mit dem Auto. Zu gefährlich für eine Mopedfahrt findet der Hagener, am Kegelcasino ist er schon mal auf die Hörner genommen worden.

Wenn der 42-Jährige Familienvater an seiner Suzuki Hayabusa den Gashahn richtig aufdreht, dann vorzugsweise auf abgesicherten Strecken. Zuletzt in Woodbridge, Ost-england. Als erster Deutscher ging er auf der Flugplatzstrecke an den Start und ließ mit seiner 350-PS-Maschine die Konkurrenz von der Insel in der Turboklasse alt aussehen. Michael Merse hat zwar von Amts wegen mit Zahlen zu tun, aber die sind es gar nicht unbedingt, die ihn faszinieren. Dabei: Wie gesagt, „350 PS am Motor, am Rad sind es vielleicht 320”. Beschleunigung von 0 auf 200 km/h in 5,5 Sekunden, Höchstgeschwindigkeit jenseits der 350 km/h. Ganz kalt lässt es den Hagener nicht, dass er die schnellste in Deutschland zugelassene Straßenmaschine besitzt und die bei Dragsterrennen auch ordentlich ausfährt. Der Reiz ist aber eher der Adrenalinausstoß, der unbeschreiblich sein muss, wenn die Hayabusa auf Touren kommt und abfliegt. Bis der Tacho 200 km/h anzeigt, dreht sich auch das Hinterrad durch, zu gewaltig ist die Kraft des modifizierten Motors. Kraft, die aus dem Turbokit kommt, das Merse in seiner Garage am Kuhlerkamp selbst drunter geschraubt hat. Ungefähr genauso teuer, wie die gebrauchte Maschine selbst. Insgesamt rund 15 000 € ist das Schätzchen wert.

Das gefürchtete Turboloch hat er „ganz gut geglättet”. Dennoch: ab 6000 Umdrehungen explodiert das mächtige japanische Gerät förmlich noch einmal, „da hilft es nur, sich ganz klein zu machen”. Die Landschaft links und rechts der Strecke fliegt vorbei, einmal auf Höchstgeschwindigkeit gekommen, wird es auch schon wieder Zeit zu bremsen. In Woodbridge jedenfalls, „nur” 2,5 Meilen, also 4 Kilometer, ist die Landebahn des Militärflugplatz lang. „Es reichte so gerade, ich hab schon das Ende der Bahn auf mich zukommen sehen”, sagt Merse. Nach England angereist war er mit „zwei alten Kollegen, Martin Kiehne und Michael Kaupert” aus seinem Team „Nightrider”, um den Geschwindigkeitsrekord für straßenzugelassene Motorräder zu knacken. „Das geht natürlich nicht irgendwo auf einer Autobahn, möglicherweise illegal. Außerdem wäre das auch viel zu gefährlich”. Also Woodbridge: „Ich hatte schon Respekt, hab' mich rangetastet. Aber irgendwann muss man ja mal durchziehen”, erzählt Merse von der Jagd nach dem Rekord für Straßen zugelassene Motorräder, der bei 322 km/h lag. Im ersten Anlauf schaffte er er 327km/h, im Einmeilenrennen 340 km/h, später dann die 351km/h und die Aufnahme in den „200mph-Club”. Im 200-Meilen-pro-Stunde-Club ist er nun auf Platz 65. „Die meisten in diesem Club haben die Geschwindigkeit mit ufoähnlichen Geschossen geschafft”. Merse hat nur die Außenspiegel abgebaut. Der Ausflug auf die Insel hat sich für ihn gelohnt. Letztlich war es trotz der extremen Geschwindigkeit beinahe einfacher als gedacht, Rekordhalter zu werden. „Ich hatte mehr Angst mit unserem Teambus in England links zu fahren als die Meile zu absolvieren.” Im normalen Straßenverkehr ist Michael Merse eben eher der vorsichtige Typ, ist mit Hemd und Jeans im Pkw statt auf der Hayabusa in der Lederkombi unterwegs. Trotzdem kommt er schneller als manchem lieb ist, wenn er von Amts wegen als Betriebsprüfer unterwegs ist.

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