Mein Hagen

Corona lässt keinen Spielraum für Egoismen

WP-Redakteur Martin Weiske

WP-Redakteur Martin Weiske

Foto: Michael Kleinrensing / WP

Sich eigenverantwortlich vom gesunden Menschenverstand leiten zu lassen, empfiehlt in Corona-Zeiten WP-Kommentator Martin Weiske.

Diese Woche an der Kasse eines Supermarktes in Wehringhausen – die junge Mutter vor mir packt das Transportband bis zum Rand voll. In der Schlange der Wartenden harre ich – wie es die Klebestreifen am Boden suggerieren – mit der gebotenen Distanz aus.

Plötzlich der Klassiker: Mit reichlich Schwung rammt mir eine ältere Dame ihren Einkaufswagen gegen die Achillessehnen. „Hallo, geht’s noch?“, erhebe ich erbost meine Stimme. „Nun rücken Sie doch schon vor“, blufft die Kundin mit der grau melierten Dauerwelle zurück. „Ist doch Platz genug.“ „Nein, ich respektiere die Abstandsregeln“, erkläre ich Dinge, von denen ich glaubte, dass man sie gar nicht mehr erklären muss.

„Und wissen Sie auch, warum ich das tue? Damit sie mit ihren Enkeln noch gesund das Weihnachtsfest verbringen können“, setze ich zugegebenermaßen auf die harte Argumentationstour. Der leere Blick der Frau verrät mir jedoch, dass sie meine Haltung kaum nachvollziehen kann. Daraufhin packe ich ihren Wagen und schiebe sie zwei Meter von mir weg. Kleine pädagogische Maßnahme mit Selbstschutzeffekt.

Entscheidungs- und Verordnungschaos

Das Entscheidungs- und Verordnungschaos in dieser Woche in den Reihen der Politik hat vor allem eines gezeigt: Es kommt auf die vom gesunden Menschenverstand geprägte Eigenverantwortung eines jeden Einzelnen an. Die Entwicklung der Infektionszahlen sowie die zunehmende Auslastung der Intensivstationen zeigen, dass die Bürgerschaft auf einen klaren, griffigen Konsens der herumeiernden und von Gerichten längst ausgehebelten Entscheidungsträger in Berlin und Düsseldorf nicht mehr geduldig warten kann.

Allerdings mehren sich bei meinen täglichen Begegnungen auch die Zweifel, ob bei den Menschen tatsächlich die Einsicht über die zunehmende Lust am Schlupflochsuchen in den Corona-Regelwerken siegt. Dabei kann es doch eigentlich nur zwei Prioritäten geben:

1. gesund bleiben;

2. den erneuten Shutdown vermeiden, damit auch die beruflichen Existenzen nicht unnötig gefährdet werden.

Der zu zahlende Preis ist verhältnismäßig

Dafür den Preis zu zahlen, das persönliche Freizeit- und Begegnungsverhalten zu hinterfragen und anzupassen, erscheint mir verhältnismäßig. Wie dramatisch müssen die TV-Bilder aus unserem Pflege- und Gesundheitswesen erst wieder werden, damit die Egoismen einem gesamtgesellschaftlichen Konsens der Rücksichtnahme weichen?

Dieser Tage habe ich mit einer Krankenhaus-Ärztin gesprochen, die eindringlich berichtete, wie ihr in den vergangenen Monaten Corona-Patienten, trotz optimaler Versorgung, letztlich unter der Händen weggestorben sind. Es ist ein elendiges Krepieren.

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