Corona-Tagebuch

Corona in Guatemala: Ein Leben wie im goldenen Käfig

Annette und Jens Homberger berichten über ihr Leben in Guatemala in Corona-Zeiten

Annette und Jens Homberger berichten über ihr Leben in Guatemala in Corona-Zeiten

Foto: Jens Homberger

Täglich bittet die Stadtredaktion Hagen Leser, ein Corona-Tagebuch zu schreiben. Annette und Jens Homberger sind heute an der Reihe.

Allein das normale Leben in einem Entwicklungsland wie Guatemala verändert die Sichtweise, aber Corona veränderte noch mehr.

Schon mit den ersten Fällen gab es über Monate eine stundenweise Ausgangssperre für alle (z.B. in den ersten Wochen täglich von 16 Uhr bis 5 Uhr oder auch mal das komplette Wochenende), natürlich Maskenpflicht und zwar überall, außer in den eigenen vier Wänden, keine Treffen mit anderen Personen. https://www.wp.de/staedte/hagen/corona-in-hagen-von-trauer-wut-und-dankbarkeit-id230965378.html

Restaurants wurden sofort geschlossen, nur noch Supermärkte und Apotheken hatten geöffnet, lange Schlangen vor den Supermärkten, manchmal bis zu zwei Stunden Wartezeit am Eingang, dann Fiebermessen, Gel auf die Hände, Schuhe desinfizieren und nur eine Person pro Haushalt zugelassen. Wochenlang durfte man nur alle zwei Tage mit dem Auto fahren, der Flughafen wurde geschlossen, das Land machte die Grenzen dicht.

Distanzunterricht in Schulen

Schulen wurden von einem auf den anderen Tag geschlossen, seit Mitte März gibt es nur Distanzunterricht. Es wurden und werden Krankenhäuser aus dem Boden gestampft, um das - sagen wir mal vorsichtig - rückständige und veraltete Gesundheitssystem den neuen, extremen Anforderungen anzupassen und zukunftsfähig zu machen.

Wir fühlen uns wie in einem Käfig, der für uns aber ein goldener Käfig ist. Uns ging und geht es trotzdem gut. Aber auf den Straßen wurde die sowieso schon vorhandene Armut noch deutlicher, viele Menschen haben wirklich nichts mehr zu essen und stehen mit weißen Fahnen am Straßenrand und bitten um Hilfe.

Und so viel kann der Einzelne gar nicht helfen, dass alle satt werden. Bei so viel Leid und Elend fällt unsere wenige Hilfe nicht auf. Aber dem Einzelnen fällt es auf und es hilft.

Daher unterstützen wir gezielt einzelne Familien oder Projekte, von denen wir wissen, dass unsere finanzielle Unterstützung ankommt und auch etwas bewirkt. Und unsere, vom industriestaatlichen Denken geprägten Probleme sind plötzlich reine Luxusprobleme. Was zählt jetzt die Frage: Warum wird das Wasser in der Dusche heute nicht warm? Nichts, absolut nichts…

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