Chef-Historiker: Hohenlimburg nicht Opfer der Eingemeindung

Die Innenstadt von  Hohenlimburg: Soll die Stadt wieder selbstständig werden?

Die Innenstadt von Hohenlimburg: Soll die Stadt wieder selbstständig werden?

Foto: Hans Blossey / www.blossey.eu

Hohenlimburg.  Hagens Chef-Historiker Dr. Ralf Blank bleibt bei seiner Einordnung: Hohenlimburg sei vor der Eingemeindung nicht mehr reich gewesen.

Eine Gruppe junger Hohenlimburger will mit Unterstützung der Wählergruppierung „Bürger für Hohenlimburg“ einen neuen Anlauf für die Selbstständigkeit der vor mehr als 40 Jahre eingemeindeten Stadt erreichen. Hagens Chef-Historiker Ralf Blank hatte in dem Zusammenhang gemahnt, dass Hohenlimburg vor der Eingemeindung in Hagen dem Bankrott nah gewesen und längst keine reiche Stadt mehr gewesen sei, hatte für zahlreiche Leser-Reaktionen gesorgt.

Doch Blank bleibt bei seiner Einordnung. Hier gibt es die ausführliche wissenschaftliche Einordnung: „Die Grundlagen für den Regionalplan im Hagener Gebiet wurden bereits vor 1929 gelegt. Hohenlimburg war allerdings nicht nur „Opfer“ des Eingemeindungsprozesses, sondern brachte sich auch selber ins Spiel. 1969 brachte sich der Rat der Stadt Hohenlimburg in die Planungen der Landesregierung ein, um die Eingemeindung von Berchum und Holthausen sowie Teilen von Nachrodt-Wiblingwerde und der Stadt Breckerfeld vorzuschlagen. Damals war bekannt geworden, dass die Stadt Hagen das gesamte untere Lennetal, die so genannte Lenneschiene, als neues Gewerbegebiet nutzen wollte.

Erst Pläne zur Eingemeindung bereits Mitte der 1920er Jahre

Erste Planungen für eine Eingemeindung Hohenlimburgs und damit großer Teile des Lennetales nach Hagen waren bereits gegen Mitte der 1920er Jahre aufgekommen, ohne dass sie im Zuge der Gebietsreform von 1929 realisiert wurden. Doch spätestens 1973 standen die Planungen für eine Eingemeindung Hohenlimburgs nach Hagen wieder auf der Tagesordnung und besaßen diesmal ein ganz konkretes Konzept, das vor allem wirtschaftliche und kommunalpolitische Ziele verfolgte. Im Juni 1971 gründeten Vertreter der Städte Hagen und Hohenlimburg sowie der Gemeinden Berchum und Ergste bei einer Zusammenkunft auf der Hohensyburg die Arbeitsgemeinschaft „Lenneschiene“: In einer Kooperation der beiden Städte Hohenlimburg und Hagen sowie der zum Kreis Iserlohn gehörenden zwei Gemeinden sollte das untere Lennetal als Gewerbegebiet erschlossen werden.

Am 6. November 1973 erließ die nordrhein-westfälische Landesregierung dann aber die Verordnung über die Festlegung des städtebaulichen Entwicklungsbereichs „Unteres Lennetal“. In den Konzepten der Landesregierung und der Stadt Hagen wurde einer weiterhin selbständigen Stadt Hohenlimburg eine Absage erteilt. Gleichzeitig stellten die von der Landesregierung beauftragten Gutachter in Frage, ob die damals rund 26.500 Einwohner zählende Stadt Hohenlimburg überhaupt noch genügend Finanz- und Wirtschaftskraft besitzen würde, um als eigenständige Kommune zwischen den beiden größeren Wirtschaftsräumen Hagen und Iserlohn existieren zu können.

Andere Städte behalten Selbstständigkeit

Ungeachtet dieser Perspektiven beschloss der Rat der Stadt Hohenlimburg im Juli 1974 ein neues Standortprogramm. Es beinhaltete vor allem die Fortführung der bereits begonnenen Sanierung der Innenstadt, die allerdings aus der Perspektive einer notwendig gewordenen Wirtschaftsförderung durch die Erschließung neuer Gewerbeflächen und der Bereitstellung einer Infrastruktur relativ bedeutungslos war. Am 27. September 1974 verabschiedete der Landtag Nordrhein-Westfalen schließlich das Gesetz zur Neugliederung der Gemeinden und Kreise des Neugliederungsraumes Sauerland/Paderborn. Entgegen der ersten Planungen behielten die Städte Breckerfeld, Wetter, Gevelsberg und Herdecke ihre Selbständigkeit und wurden in den Ennepe-Ruhr-Kreis integriert.

Der Stadt Hohenlimburg blieb ein kreisangehöriger Status im neu geschaffenen Märkischen Kreis jedoch verwehrt. Hohenlimburg wurde aus wirtschaftlichen und kommunalen Gründen jede Perspektive abgesprochen, als eigenständige Kommune mit einer ausreichenden Finanzkraft und Industriestandort zu überleben.

Doch auch die Vertreter der Stadt Hohenlimburg mussten in einer Stellungnahme bereits im Jahre 1973 zugeben, dass die Abwanderung von Industriebetrieben sich „verheerend“ auf die Wirtschafts- und Finanzkraft der Kommune auswirkte. Allerdings erwies sich der Alternativplan der Stadt Hohenlimburg, durch die Eingemeindung von Berchum und Holthausen sowie den Gebieten von Nachrodt-Wiblingwerde und Breckerfeld u.a. neue Gewerbeflächen hinzuzugewinnen, als wenig erfolgversprechend. Mit Wirkung vom 1. Januar 1975 erfolgte letztendlich die Eingemeindung“.

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