Coronavirus

Breckerfelds Bürgermeister: „Leben zum Erliegen gekommen“

Erlebt eine bedrückende Zeit, sieht aber gleichzeitig Engagement, dass Hoffnung macht: André Dahlhaus, Bürgermeister von Breckerfeld.

Erlebt eine bedrückende Zeit, sieht aber gleichzeitig Engagement, dass Hoffnung macht: André Dahlhaus, Bürgermeister von Breckerfeld.

Foto: Michael Kleinrensing

Breckerfeld.  Die Coronakrise legt das öffentliche Leben in Breckerfeld lahm. Dazu äußert sich Bürgermeister André Dahlhaus (CDU) im Interview.

Die andauernde Coronakrise beeinträchtigt das öffentliche Leben in nahezu allen Bereichen in Breckerfeld. Die Kommune hat schon früh enge Vorgaben gemacht, Spielplätze gesperrt, Geburtstagsfeiern untersagt. Über diese schwierige Zeit hat unsere Zeitung mit Bürgermeister André Dahlhaus gesprochen.

Wie erleben Sie selbst gerade die letzten beiden Wochen?

Dahlhaus: Sehr bedrückend – wo normalerweise auf den Spielplätzen unserer Stadt bei diesem Wetter die Kinder die ersten warmen Sonnenstrahlen genießen, ist Leere angesagt. Darüber hinaus erkennt man auch auf den Straßen, dass viel weniger Autos und Lkws unterwegs sind, oder im Ortskern, dass die Menschen nur ihre Besorgungen erledigen und dann wieder nach Hause fahren. Das Leben ist im Grunde zum Erliegen gekommen.

Dahinter stecken Verfügungen der Stadt. Wie schwer fällt es Ihnen als Bürgermeister, solche Dinge anzuordnen?

Ich hätte mir nicht vorstellen können, wie weit man in die Freiheitsrechte des Einzelnen eingreifen kann. Bei allem stehen ja auch Einzelschicksale dahinter – wenn ein Restaurant geschlossen werden muss, hat das ganz konkrete wirtschaftliche Auswirkungen, die eventuell bis zur Insolvenz führen können. Daneben wurde den Bürgern ein gehöriges Maß an Selbstbestimmung genommen, angefangen von sportlichen Aktivitäten in den Sportstätten bis hin zum Verbot von Feierlichkeiten in den eigenen vier Wänden. Bei allem muss man sich natürlich die Frage stellen, ob die festgesetzten Einschränkungen zur Zielerreichung ausreichend sind.


Denken Sie doch mal drei Monate zurück – Weihnachtszeit. Konnten Sie sich da ein solches Ausmaß vorstellen?

Nein, niemals. Weihnachten und Neujahr ist die Zeit des Durchatmens. Ich bin mit einem guten Gefühl ins Jahr 2020 gestartet und habe mich auf ein interessantes Jahr, gerade im Hinblick auf die Kommunalwahlen gefreut.


Halten sich die Breckerfelder an die Maßgaben?

Im Großen und Ganzen ja. Wir kontrollieren momentan mit vier Mitarbeitern, die jeweils zu zweit unterwegs sind. Dabei umfasst das Gebiet sowohl die Glör- und die Ennepetalsperre, die Spielplätze und Parks als auch die Innenstadt. Daneben stehen wir natürlich auch mit den Gewerbetreibenden im persönlichen Gespräch für Rückfragen zur Verfügung. Bußgelder mussten wir bislang nicht verhängen. Am Anfang hatten wir Probleme am Schulhof, die wir aber mittlerweile in den Griff bekommen haben.


Sind für Sie noch weitere Einschränkungen vorstellbar?

Ich finde es gut, dass sich unsere Landesregierung nicht an den symbolischen Begriff der Ausgangssperre geklammert hat, sondern dass das Problem der Kontaktreduzierung angegangen wurde. Eine Verschärfung kann jedoch tatsächlich nur eine umfassende Ausgangssperre wie beispielsweise in Italien sein, wo ja sogar die komplette Wirtschaft runter gefahren wurde. Glücklicherweise sieht es danach bei uns momentan nicht aus, wobei leider noch keine Entwarnung gegeben werden kann.


Wie funktioniert das Zusammenspiel zwischen Land und Kommune?

Hier hätte ich mir von Anfang an klarere Vorgaben gewünscht. Zuerst wurden lediglich Empfehlungen ausgesprochen. Später wurden Weisungen herausgegeben, die die Kommunen per Allgemeinverfügung in geltendes Recht umwandeln mussten. Jede Kommune hat dabei aber noch eigene Akzente gesetzt, wodurch auch hier gewisse Flickenteppiche entstanden sind. Erst durch die Rechtsverordnung vom vergangenen Sonntag, welche unmittelbare Rechtswirkung nach außen entfaltet, wurden viele Dinge einheitlich geregelt


Was ärgert Sie in diesen Krisentagen besonders?

Dass viele Menschen die Krise nicht ernst genommen haben. Ich kann mich an ein Foto aus der vergangenen Woche erinnern, wo in Bayern bereits größere Menschenansammlungen verboten waren – trotzdem saßen an der Isar die Menschen dicht an dicht und niemand hat sich an die eindringlichen Appelle der Politiker und Ärzte gehalten.


Was wiederum macht Ihnen Mut?

Mir macht Mut, wie die Kassierer der Supermärkte oder das Pflegepersonal in den Krankenhäusern aber auch die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den Verwaltungen versuchen, die Krise zu bewältigen. Dies verdient höchsten Respekt. Auch bin ich froh, wie schnell die Breckerfelder den Ernst der Lage verstanden haben. Außerdem finde ich die Hilfsbereitschaft in unserer Stadt toll. Die Gruppe „Breckerfelder helfen Breckerfeldern“ ist ein Beispiel. Daneben gehen ­WhatsApp-Nachrichten um, dass man zur Unterstützung unserer Gastronomie das Außer-Haus-Angebot nutzen soll – und viele Breckerfelder haben dieses bereits genutzt. Das sind Beispiele, woran man erkennen kann, dass die Solidarität in unserer Stadt vorhanden ist.


Was kann eine Stadt wie Breckerfeld aus dieser Krise lernen?

Dass das Unmögliche auch möglich werden kann – man versucht, den Katastrophenfall immer weit weg zu schieben, aber man muss trotzdem damit rechnen, dass er eintreten kann.

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