Historie

Berchum: Landwirt nutzt historischen Trecker bis heute

Dieter Dörnen aus Berchum und sein historischer Trecker. Baujahr: 1962

Dieter Dörnen aus Berchum und sein historischer Trecker. Baujahr: 1962

Foto: Marcel Krombusch / Westfalenpost

Berchum.  Dieter Dörnen aus Berchum pflegt und nutzt bis heute einen historischen Traktor der Familie – den ersten des Hofes. Damals auf der Höhe der Zeit.

Fast alle Teile sind noch Original, bis auf die Scheinwerfer aus Halogen. „Die gab es damals noch nicht“, sagt Dieter Dörnen und lacht. Der 69-Jährige kniet vor einem Traktor, keine zwei Meter groß: Einem Schlüter S20, Baujahr 1962. Das kleine Gefährt leistet seit mehr als 50 Jahren seine Dienste auf Hof Dörnen in Berchum.

Ein Trecker, der nach heutigen Maßstäben fast niedlich wirkt, war damals auf der Höhe der Zeit.

Eine andere Zeit

Es war eine andere Zeit. Die Höfe waren klein und die Arbeitswege direkt: Das fein gemahlene Roggen vom Hof Dörnen bekam der Bäcker aus Ergste, dafür gab es verbilligt Brot. Und die Mutter fuhr regelmäßig mit dem Fahrrad nach Hohenlimburg, um Kunden mit Eiern vom Hof zu versorgen. Erinnerungen, die Dieter Dörnen noch gut im Gedächtnis sind. „Das war überall ein Geben und Nehmen.“

Zum elterliche Hof gehörten Anfang der 1960er rund fünf Hektar Land, die mithilfe von Pferd und Pflug bewirtschaftet wurden. Bis zum Mai 1962, der den Arbeitsalltag auf dem Hof radikal verändern sollte. Denn da fuhr der Schlüter S20 erstmals auf den Hof. Genau 10.350 Mark habe der Traktor damals gekostet, weiß Dörnen, der die Original-Rechnung bis heute bewahrt. „Das war sehr viel Geld. Meine Eltern haben sich das vom Mund abgespart.“ Für sie war es eine Investition in die Zukunft des Hofes. „Sie meinten, wenn wir Dieter auf dem Hof behalten wollen, müssen wir uns auch einen Trecker anschaffen.“

Und schnell wurde das neue Gefährt unverzichtbar. „Wofür mein Vater mit dem Pferd damals zwei bis drei Tage brauchte, erledigte er nun an einem halben Tag.“ Gleichmäßiger, leichter – und im Sitzen. Bald wurde das Pferd dann abgeschafft und der Trecker übernahm die Arbeit komplett.

Sprung nach vorne

Mit den technischen Möglichkeiten wuchs jedoch auch die Fläche, die bewirtschaftet werden musste. Denn schon damals gaben erste Höfe in Berchum die Landwirtschaft auf. Und diejenigen, die weitermachten, pachteten die freien Flächen.

So wuchs auch der Familienhof Dörnen mit den Jahren von fünf auf acht Hektar. Und die nachkommende Generation musste sich entscheiden: Übernehmen und für die Zukunft weiter wachsen oder andere Wege gehen?

Der Hof im Nebenerwerb

Dieter Dörnen hat beides gemacht. „Ich bin Automechaniker geworden und habe den Hof nur im Nebenerwerb weitergeführt.“ Eine richtige Entscheidung, wie er heute sagt. Denn das Wachstum ging weiter und zurückdrehen ließ sich die Zeit nicht. „Mittlerweile sind die Höfe so groß, dass es ohne technische Hilfe nicht mehr geht“, sagt Dörnen. „Wenn ich durch die Wiese gehe und Unkraut sehe, reiße ich das raus. Aber ein Landwirt, der heute hundert Hektar und mehr hat, kann das nicht mehr leisten“, sagt Dörnen. „Und diese hundert Hektar waren früher verteilt auf zehn Höfe mit zehn Großfamilien, bei denen jeder mithalf.“

Auf Hof Dörnen gibt es inzwischen keine aufwendige Landwirtschaft mehr. Stattdessen werden Pferdeboxen vermietet. Ob er zurückwollte, wenn er könnte? „Nein“, sagt Dörnen. „Ich habe die Arbeit zu lange mitmachen müssen und genieße es, wie es jetzt ist“. Hinzu käme, dass seine Familie heute nicht mehr die Tiere essen würde, die wenige Tage zuvor noch quicklebendig durch den Stall liefen. “Damit hat sich das Thema erledigt“, sagt er und lacht.

Derweil ist die Zukunft des Hofes gesichert: Sohn Dominik und Ehefrau bauen ihr Eigenheim direkt neben das Elternhaus. „Für uns war es eine gute Entwicklung“, sagt Dörnen rückblickend. Und der alte Trecker wird bis heute gebraucht. Für die vielen Obstbäume auf dem Gelände. Weil die Äste tief hängen, kann ich da mit einem großen Trecker nichts machen.“

Frage an den Sohn, ob er das alte Gefährt irgendwann verschrottet? Dominik schüttelt den Kopf. „Der kommt nicht weg.“

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