Kunst im öffentlichen Raum

Bäume vor Kunstwerk dürfen nicht weichen

Ilse Strate hat sich dafür eingesetzt, dass das Carl-Baumann-Relief nach dem Umbau des Stadtbades Mitte nicht verschrottet wird. Jetzt will sie nicht, dass es am Westfalenbad zuwuchert.

Foto: Michael Kleinrensing

Ilse Strate hat sich dafür eingesetzt, dass das Carl-Baumann-Relief nach dem Umbau des Stadtbades Mitte nicht verschrottet wird. Jetzt will sie nicht, dass es am Westfalenbad zuwuchert. Foto: Michael Kleinrensing

Hagen.   Das Carl-Baumann-Relief an einer Betonwand des Westfalenbads wird von Büschen immer mehr verdeckt. Ilse Strate (94) ärgert sich darüber.

Dreimal in der Woche geht sie zum Schwimmen. Dazu kommt noch der Unterricht, den Ilse Strate, 94 Jahre, den Kindern erteilt.

Und jedes Mal, wenn sie aus dem Westfalenbad herauskommt, fällt ihr Blick auf die gegenüberliegende Wand unterhalb des Weges, der parallel zum Bad den Hang empor verläuft.

Dass das Carl-Baumann-Relief dort an einer Betonwand hängt, ist vor allem ihrem Engagement zu verdanken. Umso trauriger ist die sportliche Dame, wenn im Frühjahr die Büsche und Bäume wieder Blätter tragen. Dann verschwindet das Kunstwerk hinter einer grünen Wand.

„Jetzt sieht man noch ein bisschen was“, sagt Ilse Strate und zeigt auf das mehrere Meter breite Bild, „aber das wird nicht mehr lange der Fall sein. Dann gibt es hier ein Kunstwerk, auf das ein eigens aufgestelltes Schild zwar hinweist, das man aber nicht sehen kann.“

25 Meter langes Kunstwerk

Dass das 25 Meter lange Kunstwerk, das früher die Wand im Stadtbad Mitte zierte, die Zeit überhaupt überdauert hat, ist vor allem der Seniorin zu verdanken.

„Eigentlich sollte es mit dem Umbau des Bades verschrottet werden“, erzählt sie über das Relief des Hagener Künstlers und das Gebäude an der Bergstraße, das heute die Caritas beheimatet, „aber so kann man meiner Meinung nach mit Kunst am Bau nicht umgehen.“

Schon für Umsetzung stark gemacht

Also macht sie sich seinerzeit dafür stark, dass das Kunstwerk an anderer Stelle präsentiert wird. „Das hier ist ein passender Ort“, sagt Ilse Strate, die sich selbst im Karl-Ernst-Osthaus-Bund engagiert, „wenn die Abendsonne sich in den blanken Metallplatten des Reliefs spiegelt, kommt die Schönheit dieses Kunstwerks erst so richtig zur Geltung – einfach wunderbar.“

Nachdem sie sich vor Jahren für den Erhalt engagiert hat, kämpft Ilse Strate jetzt dafür, dass das große Relief nicht zuwuchert und in Vergessenheit gerät. Mit diesem Anliegen hat sich Ilse Strate auch an Politik und Verwaltung gewandt.

„Entnahme“ der Bäume unmöglich

Allerdings fällt die Stellungnahme der Umweltverwaltung für alle Kunstfreunde eher ernüchternd aus. Denn vor dem Kunstwerk fließt ein Bach, der wiederum von Eiben gesäumt wird. Und ein Rückschnitt oder eine „Entnahme“ der Bäume in diesem Bereich komme, so unterstreicht die Verwaltung, nicht in Frage.

Im Gegenteil: Die Anpflanzung sei Bestandteil der Renaturierung des Baches und mit öffentlichen Geldern gefördert worden. Wörtlich heißt es in einer Stellungnahme: „Diese standorttypischen bachbegleitenden Gehölze hätten das Ziel, den ökologischen Zustand des Gewässers zum Beispiel durch Beschattung zu verbessern.“ Darüber hinaus seien die Erlen dazu da, den Uferbereich zu stabilisieren.

Aufwändige Unterhaltung

Immerhin: Anders verhält es sich mit fremden Pflanzen, die sich eher ungewollt vor dem Baumann-Relief ausbreiten und empor wachsen. Diese dürften vom Eigentümer der Flächen, also der Stadt, entfernt werden. Allerdings handelt es sich aus Sicht der Umweltverwaltung um eine „aufwändige Unterhaltung“, da das Relief relativ niedrig angebracht sei.

Ilse Strate zumindest genießt dreimal in der Woche den Blick auf das Kunstwerk. So lange, bis im Frühling die Blätter wachsen und das Unkraut sprießt.

>>>HINTERGRUND

  • Carl Baumann (1912 bis 1996) war ein Hagener Künstler. Sein Vater leitete einen Malerbetrieb in Wehringhausen. Auch Baumann machte zunächst eine Malerlehre. Dabei wurde sein Talent erkannt.


  • Im Anschluss studierte er bei Johan Thorn-Prikker an der Kölner Werkkunstschule Wandmalerei, Mosaik und Sgraffito, kehrte aber nach dessen Tod nach Hagen zurück. Später studierte er in Berlin. Im Herbst 1942 wurde er zusammen mit Mitgliedern der Widerstandsgruppe Rote Kapelle verhaftet.
  • Im Westfälischen Landesmuseum für Kunst und Kultur in Münster hängt mit „Rote Kapelle Berlin“ eines seiner bedeutenden Bilder, die er während seiner Berliner Jahre malte und die vor den Nazis gerettet werden konnten.


  • Im Osthaus-Museum Hagen befinden sich Zeichnungen und Ölgemälde.


  • Baumanns Hauptwerk besteht aus zahlreichen großen Arbeiten für den öffentlichen Raum seiner Heimatstadt, so ein Sgraffito am Haus Ecke Mittelstr./Mariengasse.

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