Islam

Hagen: Wie aus Kirche in Hagen eine Moschee geworden ist

Die frühere evangelische Stadtmission am Bergischen Ring 99 in Hagen ist zu einer Moschee der islamisch-pakistanische  Dawat-e-Islami-Bewegung geworden. Das Kreuz an den Außenfront ist übermalt worden. In dem Schaukaste hängen Zettel mit fremden Schriftzeichen.

Die frühere evangelische Stadtmission am Bergischen Ring 99 in Hagen ist zu einer Moschee der islamisch-pakistanische  Dawat-e-Islami-Bewegung geworden. Das Kreuz an den Außenfront ist übermalt worden. In dem Schaukaste hängen Zettel mit fremden Schriftzeichen.

Foto: Michael Koch / WP Michael Koch

Hagen.  Die frühere evangelische Stadtmission in Hagen ist nun eine Moschee. Wie es dazu gekommen ist und warum es Kritik gibt.

Über dem Schaukasten steht noch „Stadtmission Hagen“. Doch hinter dem Glas hängen Papiere mit fremden Schriftzeichen. Und das Kreuz, das über Jahrzehnte an der Frontwand des früheren christlichen Gotteshauses am Bergischen Ring 99 prangte, ist weiß überstrichen worden. Es sind die äußeren Zeichen, dass hier keine christlichen Gottesdienste mehr gefeiert werden. Stattdessen ist das 1956 erbaute Gebäude nun eine Moschee.

Die islamisch-pakistanische Dawat-e-Islami-Bewegung hat die Immobilie­ gekauft, die das Ganze aber nicht als gezielte Aktion oder gar Provokation gegenüber Christen verstanden wissen will. Eine ungewöhnliche Entwicklung ist das Ganze aber dennoch, denn eigentlich gilt zumindest bei den evangelischen und katholischen Amtskirchen, dass Kirchen nicht an nicht-christliche oder nicht-jüdische Glaubensgemeinschaften verkauft werden.

Man wolle zwar, dass Muslime ihren Glauben in Deutschland frei ausüben könnten, doch sei es nicht der richtige Weg, dafür christliche Predigtstätten zu nutzen. Dass die Kirche am Bergischen Ring lange einer evangelischen Freikirche gehörte, ist aber nicht der Grund, dass sie nun doch an eine islamische Bewegung verkauft wurde. Vielmehr sind der zwischenzeitliche Verkauf an eine andere Privatperson und ein gescheitertes Projekt die Ursachen.

Das sagt die Freikirche

Warum wurde die Kirche überhaupt verkauft? Die Spur führt zur Evangelischen Gesellschaft für Deutschland mit Sitz in Radevormwald. Zu ihr gehörte die Stadtmission Hagen. Doch das sei schon länger Geschichte, so Verwaltungsleiter Florian Henn. „Das Objekt Bergischer Ring 99 in Hagen ist bereits im Jahr 2016 an eine Privatperson verkauft worden, als die dortige christliche Gemeinde und der Standort Hagen generell aufgegeben wurden. Zum Zeitpunkt des Verkaufs gab es aber keinerlei Hinweise auf eine geplante Nutzung durch eine nicht-christliche Vereinigung.“

Das sagt die Vorbesitzerin

Auch die Frau, die die Kirche damals gekauft hatte, hat die WP ausfindig gemacht. Namentlich will sie nicht in Erscheinung treten, aber sie schildert ihre Beweggründe. „Wir hatten damals ganz andere Pläne für die verlassene Kirche. Wir wollten ein Kolumbarium einrichten, also quasi einen Bestattungsraum für Urnen.“

Doch letztlich habe man dafür von der Stadt keine Genehmigung bekommen, das Projekt sei damit geplatzt. Danach habe man die Kirche an eine portugiesische und zuletzt an eine rumänisch-orthodoxe Gemeinde, in beiden Fällen also christliche Gemeinschaften, vermietet.

Aber es sei insbesondere zuletzt immer wieder zu Problemen mit Lärm und Sauberkeit gekommen. „Das haben wir nervlich nicht mehr ausgehalten“, so die zwischenzeitliche Besitzerin. Man habe das Gebäude sowohl der portugiesischen als auch der rumänischen Gemeinde zum Kauf angeboten, doch beide hätten dies nicht stemmen können. „Ehrlich gesagt, am Ende war es mir egal, wer das Ganze kauft“, räumt sie ein.

Das sagt die islamische Gemeinde

„Es war ein Zufall, dass wir diesen Ort zum Kauf gefunden haben“, sagt die Dawat-e-Islami-Bewegung auf Anfrage unserer Zeitung. Wenn, wie hier, die Räumlichkeiten für die vorgeschriebenen Waschungen geeignet seien, dann kaufe man auch Immobilien. „In diesem Fall war es eine verlassene Kirche. Wir haben aber noch nie eine aktive Gemeinde übernommen.“ Die Filiale in Hagen sei nun seit einigen Wochen eine Moschee, in der die örtlichen Muslime fünfmal am Tag beten könnten. „Es wird auch über die Lehren der Propheten Gottes wie Adam, Abraham, Jesus, Moses, Joseph und Mohammad gelehrt.“

Das sagt die Kritikerin

Die hessische Bloggerin Sigrid Herrmann-Marschall, die sich nach eigenen Angaben seit 2006 zunehmend auf das Thema Islamismus fokussiert hat, kritisiert die pakistanische-islamische Bewegung und auch deren neue Dependance in NRW. Die Bewegung gebe sich zwar nach außen friedlich, sei aber „eine problematische fundamentalistische Strömung“. Unter anderem gebe es eine auffällig starke Bindung der Anhänger an einen „Meister“.

Herrmann-Marschall hatte bereits Ende 2018 in Hagen zu Schlagzeilen beigetragen, als sie der früheren CDU-Bundestagsabgeordneten Cemile­ Giousouf eine fehlende Distanz zu islamistischen Strömungen, aber auch zu den türkisch-nationalistischen und Erdogan-nahen Gruppen vorwarf – und zwar just in dem Moment, als Giousouf Vize-Chefin der Bundeszentrale für politische Bildung werden sollte. Letztlich verpuffte die Kritik der Bloggerin aber, die Hagenerin bekam das Amt.

Die Dawat-e-Islami-Bewegung selbst weist die aktuelle Kritik von Sigrid Herrmann-Marschall mit etwas blumig wirkenden Worten zurück: „Wir sind eine friedliche Bewegung.“ Man predige wahre islamische Werte wie Harmonie, Liebe und Mitgefühl für die Menschheit. „Es hat nichts mit Gewalt zu tun.“

Auch der Verfassungsschutz in NRW hat die Bewegung nicht unter Beobachtung. „Bisher liegen keine Anhaltspunkte für eine politisch-extremistische­ Ausrichtung der Vereinigung Dawat-e-Islami vor“, so Meike Bogdan-Thiel, die Sprecherin des Landes-Innenministeriums. Die Bewegung werde als konservativ eingeschätzt, aber nicht als extremistisch.

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